Die Sheepworld-Schafe aus Ursensollen werden 20 Jahre alt
Eine Herde mit Millionen Fans

Trollig, wollig und auf einem Siegeszug nicht nur durch Kinderzimmer: Die Schafe von Sheepworld, deren Stall in Ursensollen bei Amberg steht.
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
14.10.2016
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Da sitzen sie nun und erwarten den Auftritt: Zwei aus der Schafs-Serie und ein Wolf. Der allerdings wurde längst nicht so berühmt wie die Lämmer. Bild: e

Es ist die Geschichte zweier Menschen, die zwar am gleichen Tag geboren wurden, sich viele Jahre später aber erst bei einem Ferienjob kennenlernten. Nicht lange danach schickten Stefanie Rölz und Tobias Hiltl eine Schafherde auf Reisen, die heute die Grenzen des europäischen Kontinents längst überquert hat. Trollig, wollig und um Sprüche nie verlegen.

Von Wolfgang Houschka

Das Schaf als ein Symbol für friedfertige Koexistenz. Stefanie Rölz, die nach ihrer Verheiratung heute Stefanie Kraemer heißt und jüngst Mutter einer Tochter wurde, zeichnete die ersten Lämmer, als sie auf das Johanna-Decker-Gymnasium in Amberg ging. Was sich daraus entwickelte, ist eine weltweit beachtete Erfolgsgeschichte. Mit Millionenumsätzen und einem Partner in der Vorstandsetage, der Tobias Hiltl heißt. Ihn lernte sie bei einem Ferienjob kennen. Hiltl befand, dass man den Comic-Schafen unbedingt eine Chance geben müsse, vor Publikum zu treten.

1500 Artikel


Was folgte, ist längst Geschichte. Erst kamen die Schafe auf Postkarten, danach auf alles, was man sich nur irgendwie vorstellen kann. 1500 verschiedene Artikel wurden in den vergangenen fast 20 Jahren produziert. Alles unter dem Firmenlogo Sheepworld und begeistert aufgenommen von einer immer größer werdenden Fangemeinde, die sich auch an flotten Sprüchen wie "Ohne Dich ist alles doof" schmunzelnd erheiterte. Das passte zu den Schafen, die (besonders in Plüschtierform) treuherzig und arglos in die Welt blickten.

Die 1997 begonnene Firmengeschichte war gekennzeichnet von einem Schafs-Marsch durch die Zeit. Ein Büro in Amberg platzte bald aus allen Nähten. Also ging "Sheepworld" samt seiner Protagonisten ins zehn Kilometer entfernte Ursensollen, errichtete ein Firmengebäude, expandierte und profitierte von der unmittelbaren Autobahnnähe. Heute ist die Adresse "Am Schafhügel" längst zu einem Begriff und vor allem zu einem Markenzeichen geworden.

"Nach 20 Jahren schon museumsreif?", fragte unsere Zeitung, als nun im Bergbau- und Industriemuseum Theuern (Kreis Amberg-Sulzbach) eine Ausstellung eröffnet wurde, in der die Geschichte des Unternehmens aufgezeigt, geschildert und an Exponaten deutlich gemacht wird. Die Antwort wurde sowohl im Blatt als auch bei der Vernissage auf sehr eindeutige Weise in zwei Worten gegeben: "Aber ja!" Denn wohl nie zuvor hat es eine oberpfälzische Firma in solch relativ kurzer Zeit von knapp 20 Jahren zu weltweitem Bekanntheitsgrad geschafft.

Zum Beweis der Popularität ließ der dem Aufsichtsrat angehörende Dr. Carsten Rudolph seine Tochter eine mitgebrachte Sporttasche auspacken. Daraus entnahm die junge Frau eine wie ihren Augapfel gehütete Sammlung von Plüschtieren. Alles Schafe, die im Lauf der Zeit in ihrem Aussehen nur leicht geändert wurden. Mitunter kamen auch andere Charaktere hinzu.

Zum Beispiel der Wolf in einer der sogenannten Winterkollektionen. Doch solche Figuren, so stellte sich heraus, sind den Freunden der Lämmchen nicht so recht geheuer. Sie setzen intensiv auf Wolle. Egal nun, ob schwarz oder weiß. Braun, so ergab sich, war ebenfalls nicht sonderlich bei den Fans gefragt.

Witzige Sprüche


Längst hat "Sheepworld" seine Geschenkartikel-Kollektion um andere Segmente erweitert. Doch die Schafe behaupten ihre Präsenz. Auf Autos und Motorrollern unterdessen, aber auch als Blickfänge auf Tassen, Bettbezügen, Spielen, Schokoladentafeln, Geschirr, Fußabstreifern und Handytaschen. Mit lapidar-witzigen Floskeln, die der Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger bei der Vernissage zitierte: "Ich stehe hier so lange, bis du mich knuttelst". Und: "Eigentlich wollte ich die Welt retten. Aber es regnet."

Sprüche wie diese sind der Schäfchen-Urheberin Stefanie Kraemer, in Fankreisen auch "Steff" genannt, zuhauf eingefallen, wenn sie an ihrem Schreibtisch saß. Und alle Welt erfreute sich daran im Einklang mit den Vierbeinern, die sie auf ihren Zeichenblocks skizzierte und von dem zwischenzeitlich stark angewachsenene Mitarbeiterteam umsetzen ließ. Das tut sie heute, dank moderner Technik, zumeist von der Schweiz aus, wo sie sich mit Ehemann und Tochter samt der zu ihr untrennbar gehörenden Schafherde wohl fühlt.

Alles "Mäh" also im alten Schloss an der Vils. Bis kurz vor Weihnachten und eingedenk der Kreativität zweier Oberpfälzer, deren Erzeugnisse es zum Kultstatus gebracht haben. Mittendrin das Autogramm für eine junge Dame namens Carmen. Stefanie Kraemer zeichnete ihr ein Schäfchen und schrieb darunter "Für Carmähn!"

ServiceAusstellung: "Sheepworld - Eine Oberpfälzer Unternehmensgeschichte". Bis 11. Dezember.

Ort: Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern Schloss Theuern, Portnerstraße 1, 92245 Kümmersbruck.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 9 bis 17 Uhr. Sonn- und Feiertage 10 bis 17 Uhr.

Kontakt: Telefon: 09624/832, E-Mail: info@museumtheuern.de

Weitere Informationen:
www.museumtheuern.de
www.sheepworld.de
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