Ehemaliger Auslands- und Hauptstadtkorrespondent Sven Kuntze liest aus seinem neuen Buch
Bild einer schamlosen Generation

Sven Kuntze liest der 68er-Generation in seinem neuen Buch ordentlich die Leviten. Sie förderte zwar Diskussionen und schob Entwicklungen an, hinterließ jedoch auch etliche Probleme. Bild: gf
"Die schamlose Generation" überschreibt Sven Kuntze sein neuestes Buch (Bertelsmann-Verlag). Bei der Lesung in der Buchhandlung Rupprecht nimmt er kein Blatt vor den Mund und zieht ganz schön vom Leder. Kuntze berichtete für den WDR aus Bonn, New York und Washington, moderierte das ARD-Morgenmagazin und war Hauptstadtkorrespondent in Berlin. Amberg war ihm allerdings bis zum Leseabend am Mittwoch gänzlich unbekannt, das verriet Maria Rupprecht in ihrer Begrüßung des prominenten Gastes, der jetzt im Ruhestand als freier Schriftsteller immer noch eifrig mitmischt. In seinem neuen Buch deckt er auf, was die jetzt "Best Ager" so alles verbockt haben. Deshalb heißt es im Untertitel auch vielsagend: "Wie wir die Zukunft unserer Kinder und Enkel ruinieren".

Nicht zum Guten verändert

Pulli lässig über das Polohemd geknotet, graues Haar flott frisiert und wache Augen hinter modischer Brille - so präsentiert er sich als perfekter Vertreter jener Generation, die zwischen 1940 und Mitte der fünfziger Jahre in eine Welt geboren wurde, die sie später dann so radikal verändert hat. Nicht zum Guten, wie er meint. Die Wunde, in die er die Finger legt, ist ganz schön gewaltig: Schulden in astronomischer Höhe, Atommüll inklusive ungelöster Endlagerfrage, radikal reduzierte Geburtenrate mit der Folge einer überalterten Gesellschaft und schließlich der Klimawandel und seine katastrophalen Folgen für die Umwelt. Der neue Gott ist der Markt, und "der ist gnadenlos", verkündet er. Zuerst aber prostet er mit dem bereitgestellten Glas Weißwein dem nicht allzu großen Auditorium zu und verteilt ganz gentlemanlike Komplimente über Amberg, das er "um die Mauer umrundet" und "kreuz und quer" erkundet habe.

Nur ein Fragesteller

Locker im Auftritt, aber präzise im Ausdruck und mit kompetentem Wissen geht er den Abend an, auch wenn er selbst wegen Schnupfen und anderer Beeinträchtigungen nicht ganz auf der Höhe sei, wie er einräumt. Zu merken ist nichts. Er ist engagiert und voller Elan, geht auf den einzigen Fragesteller im Publikum ein und zeichnet mit der Rückschau auf die Elterngeneration ein informatives Bild. "Ich bin der Meinung, dass jede Generation durch Geschichte und Gesellschaft bestimmte Aufgaben zugeteilt bekommt", sagt er ins Mikrofon.

Ein paar der kostbarsten Errungenschaften nennt er auch gleich, nämlich: Emanzipation, Selbstbestimmung und Nachhaltigkeit. Kurzum: die Vierziger, das sind eigentlich die allseits bekannten 68er, haben die Bundesrepublik Deutschland geprägt wie keine andere. Sie haben die Gesellschaft von überflüssigem Schrott befreit und alte Zöpfe abgeschnitten, allerdings der nachfolgenden Generation durch Fehler und Nachlässigkeiten auch riesige Problem-Berge aufgehäuft.
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