Ein Abend mit Dostojewski
Humor in schwärzester Ausprägung

"Der ewige Gatte" von Dostojewski begeisterte im Amberger Stadttheater. Bild: Wolfgang Steinbacher

Es ist drei Uhr nachts. Ein Mann, von Alpträumen gequält, schreckt aus dem Schlaf hoch. Gerade, als er sich wieder beruhigt, kommt plötzlich ein ungebetener Gast ins Zimmer - und der Alptraum geht in der Wirklichkeit weiter.

Das ist die Ausgangssituation der Erzählung "Der ewige Gatte" des großen russischen Romanciers Fjodor Dostojewski, die von Silvia Armbruster und Wolfgang Seidenberg bühnengerecht in 21 Szenen aufbereitet wurde.

Letzterer übernahm im Stück auch die Rolle des Schläfers Alexej Iwanowitsch Weltschaninow, für den der Besucher Pawel Pawlowitsch Trussotzki zum fleischgewordenen Alpdruck wird. Nach dem Tod seiner Gattin ist dieser biedere Beamte zum haltlosen Säufer geworden. Ernst Konarek stellt die verschiedenen Stadien der Trunkenheit eines Vaters, der im Rausch seine Tochter schlägt und demütigt, höchst überzeugend dar.

In der verbalen Auseinandersetzung der beiden Protagonisten wird äußerste Aufmerksamkeit vom Publikum gefordert. Denn es wird nicht sofort klar, ob nun wirklich der ins Nichts gefallene "ewige Gatte" der Erzeuger des gequälten Kindes ist, oder ob es die Frucht eines Seitensprungs seiner Gattin mit eben jenem Alexej Iwanowitsch ist.

Offene Fragen


Will der Besucher nur seine Tochter abschieben, die seiner weiteren Lebensplanung im Wege steht? Lässt er mit Absicht die Möglichkeit, sie sei ein "Kuckuckskind", in das Wortgefecht einfließen? Oder ist er einfach nur naiv und zu betrunken, um die Wirkung seiner Aussagen auf sein Gegenüber richtig einzuschätzen? Das zu beurteilen bleibt dem Publikum überlassen.

Die beiden Gegenspieler zeigten hervorragende schauspielerische Leistungen. Ein großes Plus für die Inszenierung, die am Samstagabend im Amberger Stadttheater über die Bühne ging, war auch die Übersetzung des Originaltextes. Die eher etwas umständliche Sprache Dostojewskis wurde geglättet und leicht verständlich in gegenwärtiges Deutsch übertragen.

Der Humor, der sich bei dem russischen Dichter meist untergründig und in seiner schwärzesten Ausprägung in den Texten versteckt, kam nicht zu kurz - man musste nur sehr genau zuhören.

Das schlicht gehaltene Bühnenbild - ein Bett, ein Stuhl, ein stummer Diener und ein schief hängender Bilderrahmen - lenkte nicht vom Inhalt der Dialoge ab und ermöglichte es dem Publikum, den trotz der ausnehmend guten Übersetzung doch so manches Mal etwas komplizierten Dialogstrukturen zu folgen.

Erwähnenswert ist auch und besonders die Leistung von Corinne Steudler, die gleich vier Rollen übernahm: Von der eingeschüchterten Tochter Lisa über den Vamp Natalja Wassilijewna Trussotzkaja - da rätselte der geneigte Zuseher, wie wohl der blasse Beamte Trussotzki es geschafft haben mochte, solch eine Frau zur Gattin zu gewinnen - über die Heiratskandidatin Nadja Sachlebinina, die ebensowenig zum Naturell des "ewigen Gatten" passen wollte, nichtsdestotrotz von ihm umworben wurde - bis hin zum rotzfrechen Halbstarken Alexander Lobow, der ebenfalls Ansprüche auf Nadjas Hand erhob.

Bleibt zu erwähnen, dass leider nicht so viele Theaterfreunde den Weg ins Amberger Stadttheater gefunden haben, wie das Stück an sich, die Inszenierung und die Leistungen der Darsteller unter der Regie von Silvia Armbruster es verdient hätten.
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