Ein Fisch zum 1. April
Der Briefmarkenverein stellt im ACC Grußkarten aus

Bei der Postkartenausstellung gibt es auch einige Aufstellerkarten zu sehen. Alle ziert ein Vergissmeinnicht. Manche musste Edina Tschernich schon reparieren, weil der alte Mehlkleister nicht mehr hielt.
 
Edina Tschernich und Hans Dietmayr vom Amberger Briefmarkenverein haben die Ausstellung im ACC zusammengestellt.

Eine Papierkarte zeigt ein Thermometer. Die rote Quecksilbersäule gibt an, wie sehr der Absender den Adressaten mag: Von unterkühlt bis ganz heiß reicht die Spanne. An einem kleinen Rad kann der Absender einstellen, wozu ihm die Worte fehlen. Dieser Liebesbrief von 1900 ist derzeit im ACC zu sehen.

Fast 1000 Post- und Klappkarten hat Edina Tschernich aus Kümmersbruck aus ihrem Fundus für die Ausstellung herausgesucht. Die meisten sind über 100 Jahre alt und sehr gut erhalten. "Die Post ging damals noch sehr sorgfältig damit um", meint die Sammlerin. Heute wäre das wegen der maschinellen Verarbeitung nicht mehr möglich, vermutet sie.

In ihrer Ausstellung im Amberger Congress Centrum (ACC) zeigt Tschernich auch filigrane, dreidimensionale Aufstellkarten. Alle ziert ein Vergissmeinnicht, auf das es die Sammlerin abgesehen hat. Mädchen mit Blumenkörben oder Wallfahrtskirchen sind abgebildet. Um 1900 haben die Menschen solche Karten verschickt. Das war zu Beginn sogar noch ohne Umschlag möglich, weiß Tschernich. Auch mit Amberger Motiven soll es welche geben, "aber die habe ich noch nicht", bedauert sie.

An neun Stellwänden hat Tschernich bestickte Karten aufgehängt, die zwischen 1900 und 1930 erstellt wurden. Viele stammen aus Frankreich, manche sind von Hand bestickt, andere mit der Maschine. "Wie liebevoll sie gestaltet sind", sagt Tschernich. "Unglaublich" findet das ihr Partner Hand Dietmayr, der Vorsitzender des Amberger Briefmarkenvereins ist.

Spaß mit St. Catherine


Mit Prägedruck und Lithographie sind die Karten gestaltet, ihre Ränder oft durchbrochen. Manche haben kleine Täschchen aus durchsichtigem Stoff, in denen kleine Zettel mit Nachrichten stecken. Bei Tauschtagen der Vereine, auf Flohmärkten oder bei Börsen in München, Nürnberg und Sindelfingen findet Tschernich diese Karten. "Vieles bekommt man auch im Internet", erläutert sie. Der Vorteil dabei sei, dass sie vor dem Kauf nachsehen könne, ob sie eine Karte nicht schon habe.

"Fast alles sind Unikate", sagt Tschernich. Zwar hat sie Karten mit denselben Motiven, aber diese sind in unterschiedlichen Farben gehalten. Grußkarten mit der Aufschrift St. Catherine verschickten Franzosen zum Namenstag - "aber auch an Frauen, die bis zu einem gewissen Alter nicht verheiratet waren, wurden sie als Jux geschickt", erzählt die Sammlerin. In den 30er Jahren gab es Karten mit Fotos von jungen Frauen. Diese wurden nachträglich noch bestickt: Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Dresden sind verziert mit Chrysanthemen in Violett. Bei den vielen Stichen wundert sich der Betrachter, dass das Papier noch nicht zerrissen ist.

Glückwunschkarten zu allen Anlässen mit Oblaten oder getrockneten Pflanzen, Airbrush-Werke aus Deutschland für Nordamerika, Jugendstilmotive und Ansichtskarten aus Berlin mit verstellbaren Denkmälern sind im Untergeschoss des ACC zu sehen. Mit dabei ist Post zum 1. April. Da man in Frankreich an diesem Tag als Scherz jemandem einen Papierfisch anhängt, ziert das Tier auch einige Karten.

Führungen


Mit Beuys, zu dem im ACC ebenfalls eine Ausstellung läuft, hat die Veranstaltung des Briefmarkenvereins nichts zu tun. Dessen Mitglieder begleiten jedoch seit Jahren die großen Expositionen mit eigenen Präsentationen. Die Schau des Briefmarkenvereins kann bis 15. September täglich besucht werden, wenn auch die Beuys-Ausstellung geöffnet ist: Montag bis Sonntag, 11 bis 19 Uhr, sowie Donnerstag und Freitag von 11 bis 20 Uhr. Samstags und sonntags ist immer ein Mitglied des Vereins anwesend, das durch die Ausstellung führt.

DruckartenViele der im Kongresszentrum ausgestellten Karten sind mit dem Prägedruck hergestellt. Dabei hat die Druckplatte Vertiefungen und Erhöhungen, gleichzeitig wird Farbe verwendet. Auch Ausstanzen ist bei diesem Handwerk möglich. Dadurch entsteht auf dem Papier eine Art buntes Relief. Wird beim Prägen keine Farbe auf das Papier aufgetragen, nennt man den Druck Gaufrage (französisch: gaufre, Waffel) oder Blinddruck. Dieser Vorgang heißt gaufrieren. (esa)


BriefmarkenverkaufDa drei Firmen und ein Museum in diesem Jahr ein Jubiläum feiern, haben sie Briefmarken dazu erstellt: zu 25 Jahren Gewerbebau Amberg, 20 Jahren OTV, 20 Jahren Amberger Congress Centrum und 10 Jahren Luftmuseum. Es gibt eine Briefmarke der Deutschen Post zu jedem Jubiläum sowie eine Gemeinschaftsbriefmarke der Firmen und des Museums. Diese verkauft der Amberger Briefmarkenverein samstags und sonntags von 11 bis 19 Uhr bei seiner Ausstellung im ACC. (esa)
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