Einige Museen schaffen den Eintritt ab. Ist das in der Region auch möglich?
Kultur ist nicht umsonst

Viele überregionale Besucher kommen in das Luftmuseum nach Amberg. Zum Museumsfest am 5. Juni gibt es wieder ein Luftboot-Treffen und freien Eintritt.
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
12.03.2016
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Das Porzellanikon verlangt als staatliches Museum für eine Ausstellungsfläche von 8000 Quadratmetern 5 Euro für Erwachsene. Bild: Jahreiß
 
Das Keramikmuseum im "Waldsassener Kasten" wird von der Stadt finanziert, zeigt jedoch Stücke aus Staatlichen Sammlungen. 2014 erhöhte die Stadt Weiden die Eintrittsgebühr von null auf vier Euro. Zum Museumsgeburtstag am Ostersonntag, 27. März, ist der Eintritt frei. Bilder: Hartl (2)

Erste Museen in Deutschland haben Eintrittspreise abgeschafft. Die Folge ist ein Besucherrekord. Warum machen das die Museen in der Oberpfalz nicht? Die Argumente sind mehr oder weniger stichhaltig.

Es ist eine märchenhafte Geschichte: Das Museum Folkwang in Essen mit seiner exklusiven Sammlung von Kunst aus dem 19. Jahrhundert schafft im Januar diesen Jahres das Eintrittsgeld ab. Die Folge: Eine Steigerung von 400 Prozent auf 7544 Besucher in einem Monat. Das Museum ist kein elitärer Ort mehr, sondern lebendiger Mittelpunkt der Gesellschaft.

Was sich ziemlich idealistisch anhört, ist nicht unrealistisch. Eintrittsgelder machen meist nur einen kleinen Teil des Gesamtbudgets aus. Die Kosten für das Kassenpersonal übersteigen oft die Einnahmen aus den Eintritten. Und Museen, die zum Großteil aus Steuergeldern gefördert werden, sind offen für alle Bürger.

Luftmuseum (Amberg): "Unsere Eintrittsgelder machen ein Drittel der Einnahmen aus", erklärt Wilhelm Koch, Vorsitzender des Trägervereins Luftmuseum. Andere Einnahmequellen sind Vereinsbeiträge, Spenden und viel ehrenamtliche Arbeit.

Obwohl das Museum aufgrund gestiegener Energiekosten den Eintrittspreis um etwa 20 Prozent auf 4,50 Euro für Erwachsene angehoben hat, gibt es keinen Besucherrückgang. Die Zahl stieg kontinuierlich bei 10 000 Gästen im Jahr sogar an. Immer mehr überregionale Besucher kommen. Bei den Schulklassen sieht Koch den ersten Schritt für kostenlosen Eintritt: "Es ist wichtig, dass Kinder schon früh mit Kunst und Kultur in Berührung kommen."

"Wenn man sieht, für was Erwachsene und Jugendliche Geld ausgeben, ist der Eintrittspreis für ein Museum nicht hoch." Doch auch die Kulturschaffenden müssten sich Gedanken darüber machen, wie sie ihre Objekte zeitgemäß und erlebnisreich aufarbeiten. "Wenn die Ausstellung attraktiv rüberkommt und das Programm erlebnisreich ist, dann zahlen die Leute auch gerne", weiß Koch.

Oberpfälzer Freilandmuseum (Neusath-Perschen): "Es ist sehr schön, wenn Menschen kostenlos ins Museum kommen. Das können sich jedoch nur große Träger leisten wie die Staatsregierung", sagt Museumsleiterin Dr. Birgit Angerer. Das Oberpfälzer Freilandmuseum wird vom Bezirk Oberpfalz getragen. Für den laufenden Unterhalt decken die Eintrittsgelder etwa 15 Prozent der Kosten, Eintritt für Erwachsene kostet 5,50 Euro.

Das Freilandmuseum hält sie nicht für einen Ort sozialer Abgrenzung. Besonders zu Veranstaltungen wie dem Frühlingsmarkt im Mai oder dem Tag der alten Haustierrassen im Oktober kommen ganz unterschiedliche Leute. Grund dafür sieht die Museumsleiterin auch im Museumskonzept: "Geschichte wird bei uns sinnlich vermittelt." Zu einem Bauernmuseum, in dem es nach Stall riecht, ist der Zugang viel einfacher als zu einem Ausstellungsstück unter einer Vitrine.

Pro Jahr kommen etwa 70.000 Besucher in das Freilichtmuseum. "Wir haben ein treues Publikum", freut sich Angerer. "Das heißt aber auch: Wir müssen uns immer was Neues ausdenken." Erst kürzlich hatte sie auch ausgerechnet, dass sich die Kosten für das Kassenpersonal rechnen, da sie noch andere Aufgaben wie das Vermitteln von Führungen übernehmen.

Nach der Erhöhung der Eintrittspreise in dieser Saison, kann Angerer noch nicht sagen, wie sich das auswirkt. Außerdem hängt die Besucherzahl bei einem Freilichtmuseum auch stark vom Wetter ab: "Verregnete Winter und brüllend heiße Sommer können wir nicht so gut gebrauchen." Den Eintritt findet sie nicht zu teuer: "Verglichen mit dem Eintrittspreis ins Kino ist das ein Witz."

Porzellanikon (Selb): Das Porzellanikon in Selb wird vom Land Bayern finanziert und hat somit den größten Träger aus der Auswahl an Museen. Dass nur ein einziges staatliches Museum keinen Eintritt verlangt, wäre gar nicht möglich, erklärt Wolfgang Schilling, stellvertretender Direktor des Porzellanikons. Würde sich das zuständige Bayerische Kultusministerium in München dazu durchringen, beträfe das alle Museen, darunter die Alte und Neue Pinakothek in München oder das Neue Museum in Nürnberg. "Die Diskussion gab es", erinnert sich Schilling. Der Landtag muss das entscheiden. Doch derzeit ist das laut Pressestelle des Kultusministeriums kein Thema. Im Haushaltsjahr 2015 nahm das Museum 57.000 Euro durch Eintrittsgelder ein. Gemessen an den jährlichen Gesamtausgaben von 3,028 Millionen Euro sind das 1,88 Prozent. Über die Einnahmen aus den Eintritten kann das Museum auch nicht allein verfügen. "Die Einnahmen aus dem Haushalt kommen alle in einen Topf."

Nach Meinung Schillings ist seine Einrichtung kein elitärer Ort. "Hier kommen auch viele Porzelliner her und begeben sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit." Das Museum ist ein Anfass- und Familienmuseum und seiner Ansicht nach auf 8000 Quadratmetern für 5 Euro für Erwachsene auch nicht zu teuer. Durch die Einsparung des Kassenpersonals ergeben sich für das Museum keine Vorteile, da die Kassenkräfte auch noch Telefon-, Post- und Rechnungssachen bearbeiten. Pro Jahr besuchen etwa 35 000 Menschen das Porzellanikon.

Historisches Museum (Regensburg): Die Abschaffung von Eintrittsgeldern war schon ein Thema in Regensburg. Klemens Unger, Kulturreferent der Stadt, lehnt das Konzept jedoch ab. Vom Gesamtetat aus gesehen sei der Anteil der Eintrittsgelder gering, sagt Museumsleiter Dr. Peter Germann-Bauer. "Das ist ja oftmals nur ein Tropfen auf dem heißen Stein." 35 000 Besucher pro Jahr empfängt das Museum allein im Haupthaus. Dazu kommen noch Sonderausstellungen wie die Schau "Ludwig der Bayer. Wir sind Kaiser!", zu der allein 140 000 Gäste kamen.

Dass sein Museum ein Ort elitärer Abgrenzung sei, kann Germann-Bauer keinesfalls bestätigen. Ein Großteil der Besucher sind Schulklassen. Besonders Ausstellungen über die Römerzeit passten ideal in den Lehrplan. Regensburger Schulklassen haben freien Eintritt, Erwachsene zahlen 5 Euro. Das Museum legt viel Wert auf Öffentlichkeitsarbeit, um das Haus einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen: "Wir geben viel Geld für Flyer aus." Jeden ersten Sonntag im Monat gewährt das Museum freien Eintritt. Damit hat Germann-Bauer nur gute Erfahrungen gemacht. Besonders Familien nutzten die Gelegenheit, um mal wieder ins Museum zu gehen.

Keramikmuseum (Weiden): "Kultur für alle war der Slogan des Keramikmuseums", erzählt Leiterin Stefanie Dietz. Die Vergangenheitsform ist gut gewählt: Bis Mitte 2014 war der Besuch im Museum kostenlos. Dann beschloss der Stadtrat vor dem Hintergrund der desaströsen Finanzlage des Stadthaushaltes, dass Eintrittsgelder erhoben werden. Von Null auf vier Euro. Ein Besuchereinbruch war die Folge, erzählt Dietz. Beim Kunstgenuss bis Mitternacht, den der Stadtrat aus der Zahlung ausgeschlossen hat, kamen dann wieder 1500 auf einmal. 4660 Euro nahm das Museum an Eintritten im Jahr 2015 (ohne Dezember) ein. 10.000 Euro waren im Haushaltsplan angesetzt. Da das Museum laut Petra Vorsatz vom Weidener Kulturamt im Jahr 2015 rund 250.000 Euro kostete, haben die Eintrittsgelder einen Anteil von 1,86 Prozent. Doch Vorsatz ist optimistisch, dass sich die Zahl der Einnahmen und Besucher steigert.

Dazu kommt, dass die Mitarbeiter an der Kasse andere Aufgaben nicht erledigen können. "Wir haben keine Internetverbindung im Kassenbereich. Das heißt, dass dies das Personal stark bindet", informiert Dietz. So könnte sie sich weniger um Öffentlichkeits-, Bildungs- und Vermittlungsarbeit kümmern. Durch den begrenzten Etat bleibt auch wenig Geld für Informationsmaterial und Werbung übrig. Auch Dietz gibt zu, dass das auf grüne Zettel kopierte Zweimonatsprogramm in "archaischer Form" daher komme.

Der Freundeskreis "Die Keramischen" und die Mitarbeiter versuchten, die fehlende finanzielle Unterstützung wett zu machen durch Sponsorensuche. So kann das Museum auch dieses Jahr wieder am Ostersonntag, 27. März, einen freien Museumstag anbieten. Mit den Ehrenamtlichen versucht sie, weitere Projekte zu generieren, die freien Eintritt gewähren, etwa für Schüler und Flüchtlingskinder. "Wir sind immer noch ein gefährdetes Projekt", merkt die Museumsleiterin an.

Verglichen mit dem Eintrittspreis ins Kino ist das ein Witz.Dr. Birgit Angerer, Leiterin des Freilandmuseums


Es ist wichtig, dass Kinder schon früh mit Kunst und Kultur in Berührung kommen.Wilhelm Koch, Luftmuseum
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