Elvis-Gala im Amberger Stadttheater
Drei rastlose Ritter des Rock 'n' Roll

Kultur
Amberg in der Oberpfalz
25.01.2016
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Wann hat das Amberger Stadttheater jemals solche Beifallsstürme erlebt? Nach einer fulminanten dreistündigen Show wurden die ehemaligen Begleitmusiker des vor 38 Jahren gestorbenen Elvis Presley frenetisch für das gefeiert, was sie traumhaft und meisterlich beherrschen: den Rock 'n' Roll.

Die Hauptprotagonisten sind im Rentenalter. Doch nach ihrem Auftritt im Stadttheater lässt sich sagen: Mit denen müsste es eine Freude sein, im Altenheim zu leben. James Burton, Glen D. Hardin und Ronnie Tutt haben dem Rock 'n' Roll ihre besten Jahre gegeben, und sie tun es heute noch. Mit einer Perfektion und Fingerfertigkeit, die sie seit weit über fünf Jahrzehnten besitzen.

14 Leute auf der Bühne. Bläser aus Bayern, Gitarristen aus Österreich, der ebenfalls aus Austria stammende Sänger Dennis Jale, das Gospel-Trio "The Imperials" als grandiose Backgroundgruppe. Dazu Burton mit der Fender-Gitarre, Hardin am Keyboard, Tutt am Schlagzeug. Ein Abend mit fast ausschließlich Elvis-Songs und ein paar musikalischen Erinnerungen an Chuck Berry und Jerry Lee Lewis. Denn die hatte auch der "King" gemocht.

Mehr als 1000 Auftritte


Elvis durchquerte mehrere Schaffensperioden. Erst der Start mit "That's allright" und "Mystery Train". 15 Jahre später eine rastlose Reise quer durch die Staaten mit über 1000 Auftritten bis zu seinem Tod 1977. Dazwischen jene Zeit, die geprägt war von über 30 teilweise unsäglich seichten Filmen, die ihm sein Manager Tom Parker aufs Auge gedrückt hatte. Aus diesem Abschnitt gibt es zwei Kostproben: das von Presley eher ungeliebte "Change of Habit" (so hieß auch der erfolglose Streifen) und "Can't help falling in Love" aus "Blue Hawaii". Muss wohl sein bei Elvis-Retrospektiven. Aber nicht jeden reißt es vom Sitz.

Als der Mann aus Tupelo in einem Winter der zu Ende gehenden 1950er Jahre nur ein paar Hundert Meter vom Amberger Stadttheater entfernt neben seinem Army-Jeep stand, war er bereits ein Weltstar. Dennis Jale, Sänger mit besten Qualitäten, lenkt den Blick nur selten auf die damaligen Hits. Er mag wohl viel eher das späte Bühnenschaffen seines Idols. Davon gibt es etliches zu hören. "Suspicious Minds" und (mit unglaublich gutem Solo von James Burton!) "Johnny B. Goode".

Das die Amerikaner aufwühlende "American Trilogy" gehört zum Programm, und auch "You don't have to say you love me" fehlt nicht. Dann geht dieser unbeschwerte Ausflug in die Vergangenheit doch zurück in die Ära, als Presley mit Scotty Moore und Bill Black im Sun-Studio von Memphis Geschichte schrieb:"I got a Woman", "Hound Dog" und das elektrisierende "Blue Moon of Kentucky". Ein Country-Song von Bill Monroe. Elvis bog sich diese Nummer auf geniale Weise zurecht. Auch Dennis Jale kann das.

Eine tragende Rolle in dieser Show spielen Terry Blackwood und seine Gruppe "The Imperials". Drei Männer, denen das amerikanische Kirchenlied buchstäblich auf den Leib geschrieben ist. Gänsehaut pur, wenn sie "Cryin' in the Chapel" und "He touched me" machen. Ein gutes Drittel des Events gehört ihnen. Und dieser Teil ist ein besonderer Genuss, der deutlich werden lässt, warum Presley die Truppe um sich scharte, wenn ihm nach Gospel zumute war. Sangeskunst vom Allerfeinsten. Zum Schluss "Burning Love", "The Wonder of you" und dafür Beifall ohne Ende.

Werbung für Elvis


Ovationen wird es auch heute, Montag, in Wien und nächste Woche in Oslo geben. Die Herren aus dem Geschichtsbuch der Musik unserer Tage werden nicht müde, für ihre Sache zu werben. "God bless you", pflegt Gitarrist James Burton über seine Autogramme zu schreiben. Dem ist hinzuzufügen: Burton und seine Mitstreiter mögen noch lange in der Lage sein, die Fahne des "Kings" in den Wind zu halten. Denn wie sagte John Lennon einst: "Vor Elvis war nichts." Das gilt auch für seine Tafelrunden-Ritter.
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