Elvis-Show im ACC
Dem "King" ganz nah

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte die Annahme auftauchen, dass der Meister selbst auf der Bühne steht. Täuschend echt kopiert Grahame Patrick den Megastar: Er sieht aus wie Elvis Presley, hat dessen Körpersprache sehr genau studiert und kommt dem 1977 gestorbenen Mann aus Graceland auch stimmlich sehr nahe. Bild: Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
15.04.2016
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Die meisten ihrer Art sind Witzfiguren. Menschen, die sich als Double von Elvis Presley zum Narren machen. Doch es gibt eine Ausnahme. Der Mann heißt Grahame Patrick, stammt aus Irland und kommt der Legende sehr nahe.

Von Wolfgang Houschka

Das die Lebensgeschichte von Elvis Presley schildernde Musical verzichtet auf wesentliche Protagonisten. Nur ein paar kommen vor: Manager Tom Parker, der Sun-Records-Chef Sam Phillips aus Memphis und dessen Sekretärin Marion Keisker. Sie war es, die den "King" entdeckte, als er für Mama Gladys "My Happiness" im kleinen Sun-Studio sang. Im Hintergrund laufen Aufnahmen von Presleys Auftritten beim "Louisiana Hayride", im Vordergrund stellt sich einer in Position, der weltweit als wohl Einziger dem Mann aus Tupelo/Mississippi das Wasser reichen kann.

Ausverkauftes ACC


Mit den Imitatoren ist das so eine Sache. Dick und dämlich die meisten, keinerlei Textsicherheit und im Auftritt so beschaffen, dass man Schmerzensgeld beanspruchen kann, wenn die Tortur vorüber ist. Und dann das: Ein "Devil in Disguise", der so aussieht wie er, der so singen kann wie Presley und dessen Körpersprache beherrscht. Ansatzlos also: "One for the Money. Two for the Show. Three to get ready. Now go Cat go". Das ausverkaufte Amberger ACC tobt schon nach ein paar Minuten. Mit dem Refrain: "Don't step on my Blue Suede Shoes."

Grahame Patrick, der seine Feuertaufen in Las Vegas perfekt über die Bühne brachte, ist so, wie ein Longplayer hieß: "Elvis in Person". Er kommt im Overall der Crown-Electric-Company daher und marschiert mit der 17-Dollar-Gitarre durch die Zeit des Rock'n'Roll. Selbst Skeptiker müssen zugeben: Da ist einer, der perfekt in die Königsrolle schlüpft und dabei nicht zum Slapstick-Deppen wird.

Stationen, die alle kennen: Die Smoking-Zeit aus den Frank-Sinatra- und Ed-Sullivan-Shows, das 68er Comeback in einer von Singer-Nähmaschinen präsentierten US-Show, die Auftritte im Hilton-International- Hotel von Las Vegas. Auch der weiße Eagle-Jumpsuit passt Grahame Patrick wie angegossen. Man musste ihn nur eine Nummer kleiner schneidern, weil der irre gute Ire die Körpergröße von Elvis nicht erreicht. Macht nichts: Stimmlich kommt er ihm (fast) gleich.

Grandios gut


Auch dann, wenn Patrick "Are you lonesome tonight" in Szene setzt. Ein Song, den Elvis nie mochte und deswegen bei der Aufnahme im Studio B in Nashville mit der Stiefelspitze gegen einen Schrank trat. Doch er beugte sich - auch das wurde im Musical deutlich - dem Diktat des Managers Tom Parker. Mit seichten Filmen, die zu aberwitzigen Liedern wie "No Room to Rumba in a Sportscar" führten.

Egal wie: Im ACC gibt es eine grandios gute Vorstellung. Mit vielen Hits, die auch nach all den Jahrzehnten nicht vergessen sind. Von "That's allright" über "All shook up" bis zum Vegas-Knaller "Burning Love". Für seinen Rock'n'Roll bekam Presley nie einen Grammy. Für die von ihm aufgenommenen Gospel-Songs gleich drei. Da war er nach Meinung seiner Fans am besten. Exakt auf diesem Sektor zieht auch Grahame Patrick die Trumpfkarte: Sein "How great thou Art" sorgt für Gänsehaut. Auch deshalb, weil neben ihm das "Stamps Quartet" steht. Mit Ed Enoch als einzigem noch auf Tour gehenden Gründungsmitglied.

Exzellenter Job


Stehende Ovationen, von Herzen kommender Beifall nach drei Stunden der Erinnerung. An einen, der vor über 50 Jahren als Soldat einmal nach Amberg kam und beim Vilstor Autogramme auf Bierdeckel schrieb. Sein Double Patrick darf sich sagen lassen: Exzellenter Job! Auch der Herr aus Graceland hätte applaudiert.
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