Emotional berührendes Tanztheater

Mit geschmeidigen Bewegungabläufen begeisterten die Tänzerinnen und Tänzer aus Chicago ihr Publikum. Bild: Steinbacher

Eine leere Bühne, ein wenig Licht- und Schattenzauber aus der Beleuchtung - mehr brauchten die zwölf Tänzer der "River North Dance Chicago" nicht für ihren Auftritt im Amberger Stadttheater.

Mit ihrer Tournee, bei der auch die Stadt an der Vils auf dem Plan stand, feiern die Künstler aus dem fernen Amerika ihr 25-jähriges Bestehen. Während in Europa alle Blicke auf Berlin und die fallende Mauer gerichtet waren, haben sich in der Automobil-Metropole am Ufer des Michigan-Sees einige tanzbegeisterte junge Leute zusammengefunden, um ihrer Leidenschaft für den Modern-Jazz-Dance nachzugehen.

Im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts wurde aus der ambitionierten Truppe ein Ensemble, das weltweit auftritt und überall geschätzt und geachtet wird - jetzt auch in der Oberpfalz. Von den mehreren Hundert Choreographien, die "River North Dance Chicago" im Laufe der Jahre einstudiert hat, bringen sie auf ihrer "25th Anniversary Season" einige der schönsten, sehenswertesten und spannendsten auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Dabei haben sie den Modern-Jazz-Dance zwar nicht revolutioniert, aber einige neue Aspekte beigesteuert. Da gibt es viele Anleihen an lateinamerikanisches und sogar aus dem Bereich des klassischen Balletts werden einige Elemente in die Choreographien mit eingebaut.

Geschlossenes Ensemble

Die Konzeption der Show ist zwar heterogen angelegt, um ein möglichst breites Spektrum zu zeigen, dennoch ist zu spüren, dass hier ein geschlossenes Ensemble, das perfekt aufeinander eingestimmt ist, am Werk ist. Neben den dem klassischen Kanon des Modern-Jazz-Dance zugehörigen Nummern sind auch beachtenswerte Solo- und Gruppenchoreografien, die die besondere Handschrift des künstlerischen Leiters Frank Chaves zeigen, zu bewundern.

Eine der bezaubernsten Einzelleistungen ist das Stück "Renatus", eine Choreographie von Nejla Yatkin zur Musik von Giacomo Puccini. Jessica Wolfrum tanzt hier im üppigen roten Kleid, in das sie zunächst gehüllt ist und von dem sie sich zu befreien sucht. Plötzlich mutiert die meterlange Schleppe zum imaginären Partner. Ganz ohne "Requisiten" gehtes also doch nicht. Allerdings verleiht die Tänzerin bei ihrem Auftritt dem Stück Stoff ein höchst faszinierendes Eigenleben, so dass ein getanztes Liebes- und Eifersuchtsdrama entsteht. Oder ist es doch nur der Befreiungsversuch einer Frau aus einer zu engen Beziehung?

Ebenfalls um Befreiung von Fesseln geht es in "Forbidden Boundaries". Hier spielen dehnbare Hemden (sind das nicht auch Requisiten?) eine Rolle. Da wird gezerrt und umwickelt. Gegenseitiges Anziehen und wieder Abstoßen ist der Grundtenor dieser Nummer. Auch hier geht es anscheinend um das uralte Problem des Verhältnisses von Mann und Frau oder schlicht um das Unverständnis, das Menschen anderen Menschen gegenüber zeigen, der Wurzel aller Konflikte eben.

Eine kleine Auflockerung - mit einem Tischchen als Requisite - der ansonsten recht emotionsgeladenen Show bringt "The worst Pie in London". Drew Fountain liefert hier eine tänzerische Pantomime, die ein wenig an den Komiker Jerry Lewis angelehnt ist, aber dessen eher dümmlichen Auftritte um ein Vielfaches an Humor übertrifft. Die Musik und die Anregung zur Choreographie stammen aus einem Musical von Stephen Sondheim, in dem einst Angela Lansbury, diesen "schlechtesten Kuchen von ganz London" buk.

Begeistertes Publikum

"River North Dance Chicago" zeigt hervorragendes Tanztheater in seinen verschiedenen Variationen und begeistert damit das Publikum im Stadttheater Amberg. Der Beifall wurde nach jeder einzelnen Nummer immer stärker und die Tänzerinnen und Tänzer konnten zufrieden in einem stürmischen Schlussapplaus baden.

So manchen im Publikum erfüllt wohl auch ein wenig Neid auf die durchtrainierten Körper, die trotz aller Kraft und Anstrengung, die ihr Auftritt erforderte, immer höchst geschmeidig und mit fließenden Bewegungen für eine emotional und tanztechnisch perfekte Unterhaltung - fast ohne Requisiten - auf höchstem Niveau sorgen.
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