Eugen Drewermann: Kinder brauchen Gott von Anfang an
Die Welt braucht Gott

Gnadenlose Konkurrenz vergiftet von Anfang an die Seele unserer Kinder. Sie wachsen in eine Welt ohne Gott hinein. Dagegen erhebt Eugen Drewermann seit vielen Jahren seine Stimme.

Gemäß einer viele Jahre währenden Tradition war der kritische Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann wieder zu Gast in Amberg mit einem Vortrag in der Erlöserkirche. "Religion ist in unserer Gesellschaft unerlässlich, weil sie der einzige Ort ist, an dem der Mensch - jenseits jeglicher Zweckrationalität - als Einzelner in seiner unverlierbaren Würde wahr- und ernstgenommen wird", so seine Eingangsthese.

Gnadenlose Konkurrenz

Damit sei eine zentrale Gegenbotschaft in einer Gesellschaft formuliert, deren Prinzip gnadenlose Konkurrenz sei, was von Anfang an die Seelen unserer Kinder vergifte: "In der Schule musst du sehen, dass du nach vorn kommst, dann eine Ausbildung durchlaufen und einen Beruf ergreifen, in dem du die anderen ausstechen kannst. Nur diejenigen mit den härtesten Ellbogen haben eine Chance, gepaart mit überragender Leistung, die du bringen musst!" Damit erschaffe man eine Welt, wie sie die Bibel gleich zu Beginn in der Geschichte von Kain und Abel erzähle, eine Welt ohne Gott. Es sei deshalb verfehlt, die biblischen Geschichten zu historisieren, als bezögen sie sich auf eine lange zurückliegende Vergangenheit. Vielmehr reflektiere die Bibel eine Wirklichkeit, die wir zu verantworten haben.

Umgekehrt verwahrte sich Drewermann gegen einen allzu naiven Zugriff auf biblische Texte mittels einer wörtlich-fundamentalistischen Auslegungsweise. Das führe im Zusammenhang von Schöpfungserzählung oder auch bestimmter moralischer Anweisungen zu ruinösen Missverständnissen. So weigerten sich etwa viele Freikirchen und evangelikale Gruppen, biblische Texte in ihrem historischen Entstehungszusammenhang wahr- und ernstzunehmen. Letztlich gehe es darum, so Drewermann, die biblischen Bilder in ihrer lebensförderlichen Kraft zu entschlüsseln und für unser Leben fruchtbar zu machen. "Jesus kommt mitten im Leben auf uns zu. Jesus ist nicht tot, er erweist sich an uns als der Lebendige. Wir merken es aber nur, wenn wir uns auf ihn einlassen!"

Gemeinsames entdecken

Im Blick auf die interreligiösen Beziehungen gehe es darum, das Gemeinsame zu entdecken und nicht auf die Exklusivität des christlichen Glaubens zu pochen. So rief Drewermann den bekannten Ausspruch des jüdischen Gelehrten Shalom Ben Chorin in Erinnerung: "Mit Jesus zu beten eint uns, zu Jesus zu beten trennt uns." Er riet deshalb zu einem inklusiven Verständnis von Glauben und Bekenntnis: Es gehe nicht um ein "Glauben, dass ..." mit dogmatischen Behauptungen, die man übernehmen müsse, sondern um ein vertrauensvolles Sich-Einlassen auf den Weg Jesu, hin zur entgrenzenden Gnade Gottes.

Jeder muss es verstehen

Entsprechend seien wir vor die Herausforderung gestellt, von Jesus so zu reden, dass jeder es verstehen könne: "Die Botschaft Jesu gehört nicht den Frommen und Gelehrten!" Und so erzählt der Referent abschließend von einem Schulaufsatz im Religionsunterricht zum Thema: "Wer ist für dich Jesus Christus?" Da seien wegweisende Einsichten formuliert worden wie: "Christus ist für mich wie eine Hand, die mich hält", oder "... wie ein Licht, das mir im Dunkel erscheint." Da werde etwas von dem getroffen, was christlichen Gottesglauben ausmacht.

Eugen Drewermann bestach wieder mit seinem überragenden Intellekt, seinem umfassenden Wissen, seiner beeindruckenden rhetorischen Kunst - schließlich trägt er ohne schriftliches Konzept vor.
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