Experten begutachten Bierkrüge
Historischer Geschmack

Anlässlich der Sonderausstellung "Prost Amberger Bier" durften Raritäten mitgebracht werden. Die Experten bewerteten. Im sitzen, von links: Judith von Rauchbauer, Georg Wachter, Klaus Haußmann, Georg Strehl.
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
21.11.2016
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Ob der Dreck von 100 Jahren oder der Geruch aus geschlossenen Gefäßen - beim Expertentag im Stadtmuseum gab's Anregungen für alle Sinne. Geschätzt wurden Bierkrüge in vielen Formen und Farben. Wer eine Rarität zu besitzen glaubte, stellte seinen Schatz einfach auf den Tisch.

Dann machte der Krug die Runde durch viele Hände. So mancher Besitzer musste enttäuscht wieder abziehen. "Wertlos", lautete das vernichtende Urteil. Anlässlich der Sonderausstellung "Prost Amberger Bier" standen neben Museumsleiterin Judith von Rauchbauer drei Experten Rede und Antwort zum Thema Bierkrüge und Flaschen aus Steinzeug, Porzellan, Steingut, Irdenware, Email oder Glas.

Die guten Stücke drehten und wendeten Klaus Haußmann aus Ammerthal, ein Keramik- und Emailfachmann, Bierkrugsammler Georg Wachter aus Amberg und Kenner der alten Amberger Bier- und Wirtshauskrüge. Dritter im Bunde war Georg Strehl aus Weiden, ein anerkannter Antiquitätenhändler. Er verfügte über umfassende Kenntnisse im Bereich Glas, Silber und Keramik. "Oh, jetzt kommt ein schönes Stück, super Zustand", freute sich Strehl schon auf einen Reservistenkrug mit Amberg-Motiv und außergewöhnlichem Deckel. Sein Besitzer, Franz Lohner, hatte das Porzellan-Gefäß von seinem Großvater geschenkt bekommen. Es stand sogar sein Name darauf: Ludwig Regensburger. "Das ist sehr selten, das so etwas noch in privater Hand ist", sagte Strehl. Die Rohware dafür sei millionenfach in Thüringen hergestellt worden, informierte Haußmann. Wer es sich als Soldat leisten konnte, nahm einen Deckel dazu. "Es gibt übrigens Reservistenkrüge mit Löchern, diese wurden absichtlich nachträglich hineingemacht, wenn der Soldat gefallen war. Damit den Krug niemand mehr benutzen kann", erklärte Strehl. Heute hätte dieses Gefäß einen Wert von etwa 350 Euro. Sein Besitzer Franz Lohner freute sich, hatte sich aber so etwas Ähnliches gedacht: "Die Amerikaner waren ja früher ganz verrückt nach diesen Sachen."

Zitate"Das ist das Interessanteste, was sie mitgebracht haben - weil es so schräg ist."

"Sie wollen die Wahrheit? Das ist Deko-Ware der schlimmsten Sorte."

"Wenn Amberg eingepresst wäre, hätte ich Ihnen 500 Euro bezahlt."

"Es gab eine Zeit, in der rustikale Möbel modern waren und es diese Krüge im Supermarkt gab."

"Nehmen Sie am besten lauwarmes Seifenwasser für die Reinigung. Ich nehme immer eine Zahnbürste. Aber nicht die aktuelle."

Pfarrer Klaus Haußmann aus Ammerthal, Keramik- und Emailfachmann

"Wer frischen Trunk ausgibt, macht sich beliebt."

"Wer ist glücklicher als ich."

Inschriften von Krügen

"Wenn Bierpreiserhöhungen waren, konnte man nicht jedes Mal das Bier teurer machen, sonst hätte es ja nicht mehr geschmeckt. Deshalb versetzte man einfach den Eichstrich.

Antiquitätenhändler Georg Strehl aus Weiden

"Was wir da vor 20 Jahren bezahlt haben. Oh mei."

Museumsleiterin Judith von Rauchbauer winkt ab, als über den Preisverfall bei Reservistenkrügen gesprochen wird. (roa)
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