Französische Kriminalkomödie "Adieu und bis gleich" im Stadttheater Amberg
Märchenprinzen Fehlanzeige

Anja Kruse (unten) und Andrea Frohn überzeugen vor der Kulisse eines stylisch-edel eingerichteten Salons im Stück "Adieu und bis gleich". Bild: Hartl

Großes, ergreifendes "Kino" erwartet niemand, wenn er eine Boulevardkomödie im Theater bucht. Man erwartet lockere Unterhaltung, die Ohren warten auf spritzige Texte und das Auge freut sich auf flotte Einfälle. Wenn man all dies bedenkt - so richtig prickelnd wird es am Donnerstagabend im Stadttheater Amberg nicht.

Peter Lotschaks handwerklich gute Inszenierung schafft es zu selten, das komische, höchst pikante Potential der Französischen Kriminalkomödie "Adieu und bis gleich" auszureizen. Dabei mühen sich die Schauspieler redlich. Erotisch-theatralisch schlüpft Anja Kruse, erfolgreicher Bühnen-, TV- und Kinostar, in die Rolle der schreibblockierten, lebensmüden Schriftstellerin Barbara, die in Schönheit sterben möchte, um "mit großem Nachruf auf den Titelseiten aller wichtigen Zeitungen" zu erscheinen. Quicklebendig und temperamentvoll verfolgt Andrea Frohn als verliebtes, mordendes Sexy-Dummchen Gigi andere Ziele.

Liebeshungriger Nachbar


Sie ist scharf auf teuere Schuhe und auf ein Leben wie eine Prinzessin. Märchenprinzen sind in diesem Stück allerdings Fehlanzeige. Dazu taugen weder der Gatte der Autorin, von Beruf Maler ohne nennenswerte Fortune, der smarte Jean-Charles (Mark Kuhn), der zum Mord anstiftet - noch der liebeshungrige Nachbar Gildas (René Toussaint), den eine schöne, weibliche Fossa Pablitea (Kniekehle) total aus der Ruhe bringt. Die Geschichte ist schnell erzählt: Gigi ist so verliebt, dass sie einwilligt, Barbara, die Ehefrau ihres Geliebten Jean Charles, auf dessen Wunsch umzubringen. Damit sie beide mit Barbaras Geld ein sorgenfreies Leben führen können, muss sie vor dem Mord aber unbedingt den Zugangscode vom Safe erfahren.

Als das Verbrechen über die Bühne gehen soll, ist die Überraschung groß, denn Barbara hat nichts dagegen, umgebracht zu werden. Wollte die berühmte Autorin doch sowieso gerade aus dem Leben scheiden. Außerdem hat sie den Künstlergatten enterbt, um ihm "Raum für seinen Genius zu lassen - nicht für sein Genital". Die Damen rangeln auf dem Boden, verschwestern sich und schmieden schließlich mordsmäßige Pläne. Die Männer wandeln sich zu dressierten Dauerverehrern, liegen den Partnerinnen zu Füßen, bekochen sie bis zur totalen Unförmigkeit und hängen wie Kletten an ihnen, was zu absonderlichen Überlegungen bei der holden Weiblichkeit führt.

Überraschende Wendungen


Alles passiert im Ambiente eines stylisch-edel eingerichteten Salons (Bühnenbild: Tom Grasshof) und in modern-eleganten Kostümen (Anja Saafan). Überraschende Wendungen und zum Teil recht gelungene Texte der Autorin Isabelle Mergault sorgen für einen ordentlichen, unterhaltsamen Abend, der trotz einiger Schwächen mit wohlwollendem Applaus honoriert wird.
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