Frisch geföhnt von Bayern nach Afrika
Werner Schmidbauer und Martin Kälberer im ACC

Hier kommt sie, die Musik. Im ACC lieferten Schmidbauer & Kälberer in ihren Liedern eine Mischung aus persönlichen Empfindungen, politischen Aussagen und mutmachenden Botschaften. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
15.02.2016
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Amberg ist ein gutes Pflaster für Werner Schmidbauer und Martin Kälberer: Das ACC ist ausverkauft, das Publikum fährt voll auf die Musik der beiden ab und spendiert nach jedem Song knackigen Applaus.

"Wo bleibt die Musik?" lautet der Programmtitel. Das klingt ein bisschen hausbacken, so nach Marianne und Michael. Was dann kommt, ist ganz anders: gefühlvolle und abwechslungsreiche Balladen, "Zeitsprunglieder", "Herznummern" und Reiseerinnerungen, die der neuesten gleichnamigen CD entnommen sind. Allerdings, so erklärt Schmidbauer, habe man "das Programm vor der kreativen Pause stark verändert" und mit älteren Liedern ergänzt. Im Anschluss an die neu gestartete Tournee wollen sich die Künstler eine schöpferische Auszeit gönnen. Wie lange die dauern soll? Na ja, so ganz genau wissen sie das nicht.

Windsurflehrer in Istanbul


Jetzt starten sie erst einmal mit der Titelmelodie von "Gipfeltreffen", der Erfolgs-TV-Sendung. Mit dem Hit "Momentensammler" legen sie nach. Die Amberger lassen sich nicht lange bitten und singen kräftig mit. Die Stimmung passt. Die Sympathien schwappen von der Bühne in den Saal und zurück.

Er ist ja auch ein charmanter Kerl, der Werner Schmidbauer. Das Haar frisch gewaschen und fesch geföhnt, hält er die große, dann auch mal die kleine Gitarre im Arm, bespielt ab und zu noch die Mundharmonika, singt und erzählt: von seiner inspirierenden Reise nach Istanbul, jener lebensfrohen, faszinierenden Stadt, der er eine Hymne gewidmet hat. Dass er ein Jahr als Windsurflehrer in Mombasa gearbeitet hat, nimmt man dem jung gebliebenen Liedermacher nach dem "Strandlied" gerne ab. Viele Geschichten zur Entstehung der Songs weiß er zu erzählen. Wie etwa ein Text jahrelang auf die passende Melodie gewartet hat. Die kam dann, wie so oft, von Martin Kälberer. Der geniale Musiker mit dem Extremkurzhaarschnitt zaubert auf unzähligen Instrumenten die Erdung, den Rhythmus, die Atmosphäre.

Für das Musikstück "Hangxang", das vorwiegend auf dem Hang, dem bizarren Instrument, das seinen Ursprung in der Schweiz hat, gespielt wird, heimst er Sonderapplaus ein. Ovationen gibt's auch für die sehr persönliche Liebeserklärung "Lass uns feiern". Dem 2013 verstorbenen Freiheitskämpfer Mandela hat der Singer-Songwriter aus Bad Aibling ebenfalls einen feurigen Song gewidmet. Gemeinsam mit dem Publikum dröhnt es in bestem Suaheli durch den Saal: "Pfiat di, Mandela - Kwa heri, Mandela!" Sie kumman ausm Süden, se san fast am Dafriern - und se ham nix zum Verliern", beginnt Schmidbauers einfühlsamer Song, den er bereits vor fünf Jahren geschrieben hat, und der bei der heutigen Flüchtlingssituation noch mehr Aktualität besitzt.

"I sog da, es is ned vorbei"


Sehr persönlich äußert sich Schmidbauer im Lied für seine drei Kinder: "Bei dir". Viele Gedanken stecken in "Lacha und Lebn", ein Leitspruch, wenn es um die Ängste und Tücken des Älterwerdens geht. Und für seine, die Schmidbauer-Generation, legt er noch nach: "Hey, i sog da, es is ned vorbei, do konn ma no was macha. Und jetzt geh naus und stell di hi und mach dei Herz und deine Augn und deine Ohrn weit auf! Vergiß ned, aufgebn werd am Ende, aufgebn wird erst ganz am Schluss!" Schluss war's dann erst nach den Zugaben, denn vorher ließen die restlos begeisterten Amberger Schmidbauer & Kälberer nicht von der Bühne.
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