"Geburtshaus des Spielerfinders von ""Mensch ärgere dich nicht"" in Amberg gefunden"
Geburtshaus-Suche schwerer als gedacht

In diesem Haus am Malteserplatz kam Josef Friedrich Schmidt am 24. November 1871 auf die Welt. Das Gebäude gehört dem ehemaligen Stadtrat Dr. Jürgen Ewald, der erst jetzt von der besonderen Geschichte erfuhr: "Ich habe das nicht gewusst." Als Eigentümer habe er nichts dagegen, wenn die Stadt eine Gedenktafel anbringen will, sagte er am Dienstag. Bild: Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
20.01.2015
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Das Spiel "Mensch ärgere Dich nicht" kennt jeder. Dass der Erfinder ein gebürtiger Amberger ist, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Doch eines wusste bisher nicht einmal Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger: Wo steht eigentlich das Geburtshaus von Josef Friedrich Schmidt?

Als Bürgermeisterin Brigitte Netta ihm diese Frage gestellt hatte, dachte Laschinger zuerst: "Das ist relativ unproblematisch." Meldebögen von 1871, dem Jahr von Schmidts Geburt, müssten schnell Auskunft geben. "Doch das war nicht so." Die erhofften Unterlagen existieren zwar, nicht aber für den gesuchten Namen Schmidt.

Dem Recherche-Rückschlag sollte ein erster Teilerfolg folgen. Die Neue Deutsche Biografie, ein Nachschlagewerk mit Informationen über historische Personen, beinhaltet den Hinweis, dass Schmidts Vater Friedrich hieß und von 1827 bis 1887 in Amberg lebte. Das jedoch lieferte Laschinger keine neuen Anhaltspunkte, da bekanntlich keine Schmidt-Meldebögen vorliegen. Der Beruf aber brachte eine neue Spur. Friedrich Schmidt verdiente sein Geld als Geometer, also als Vermessungsbeamter.

Schwierige Recherche

"Das war schon mal interessant", sagt der Archiv-Experte, der aber wieder in einer Sackgasse zu stecken schien. Da die Staatsdiener auch im 19. Jahrhundert relativ häufig versetzt wurden, gab es für sie keine Meldepflicht. Folglich auch nicht für Schmidts Mutter Luise, eine geborene Müller. Doch Johannes Laschinger wollte nicht aufgeben. Vom Vorsatz gepackt, das Geburtshaus-Rätsel unbedingt lösen zu wollen, suchte er weiter und stieß auf ein Adressbuch von 1898, in dem Königlich-Bayerische Behörden aufgelistet sind.

Dort war zwar ein Eintrag über das heutige Vermessungsamt zu finden, aber der 1887 verstorbene Vater des Spieleerfinders war nicht erwähnt. Dafür half ein städtisches Adressbuch von 1876. Johannes Laschinger: "Das war der erste wirkliche Aha-Effekt." Auf Seite 48 steht zu lesen, dass ein gewisser Friedrich Schmidt, seines Zeichens Bezirks-Geometer, in der Georgenstraße A 178 wohnt.

Georgenstraße A 178

Bis über die Jahrhundertwende hinaus war die Stadt in die vier Bezirke A, B, C und D eingeteilt. Zu A gehörten alle Gebäude zwischen Schiffgasse, Malteser und Georgenstraße. Laschinger war kurz vor dem Ziel. Er musste nur noch eine Übersicht finden, aus der hervorgeht, wann und wie die Nummerierung der Adressen auf das heutige System umgestellt wurde. Der Archivar wusste, dass das in etwa um 1925 der Fall gewesen sein musste. In der Tat: In einem in diesem Jahr erschienenen sogenannten Nummernschlüssel stand die Übersetzung: Die Georgenstraße A 178 ist die Georgenstraße 63 - und damit das Haus, das dem ehemaligen Arzt Dr. Jürgen Ewald gehört. Der 76-Jährige, der von 1972 bis 2002 im Stadtrat saß, lebt mittlerweile in Übersee am Chiemsee (Oberbayern).

Dr. Johannes Laschinger hat mittlerweile dafür gesorgt, dass das Wissen um Josef Friedrich Schmidts Geburtshaus nicht wieder verschwindet: "Wir haben es im Archiv registriert." Schön wäre es, die Geschichte der Georgenstraße A 178 auch erkennbar zu machen. In Form eines Schildes, versehen mit der bis 1925 gültigen Kennzeichnung, denn: "Es ist sehr schade", sagt der Stadtarchivar und fügt hinzu: "Es gibt nur noch ganz wenige Häuser, an denen man die alte Nummerierung noch sieht."
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