Geheimnisse aus der Welt der Musik

Andreas Martin Hofmeir (rechts) und Guto Brinholi bringen in Amberg Wortwitz und hochkarätige Musik unter einen Hut. Bild: Steinbacher

Einen ersten Blick in das trostlose Tubistenleben gewährte Andreas Martin Hofmeir dem Amberger Publikum bereits vor einiger Zeit beim Sommerfestival. Jetzt kam er mit dem zweiten Teil seiner Autobiografie "Kein Aufwand - Die letzten Jahre" wieder an die Vils.

Im Casino-Saal schwadroniert der eloquente Professor, Musiker und Kabarettist über seine Erlebnisse in der Kindheit, beim Studium und beim recht aufregenden Tourneeleben mit "Sex, Drugs and Rock 'n' Roll". Und so ganz nebenbei lüftet er ein gut gehütetes Geheimnis aus der Welt der klassischen Musik.

Oder wussten sie schon, warum Antonín Dvorak nur sieben Tubatöne in seine berühmte "Sinfonie aus der neuen Welt" einbaute. Die hätte er sich doch auch sparen können. Aber der tschechische Komponist hatte den Verdacht, dass seine Gattin einen Blick auf den feschen Tubisten des Orchesters, das die Uraufführung seines großen Werks in der New Yorker Carnegiehall bestreiten sollte, geworfen hatte.

Deshalb hat er schnell noch ein paar Töne für die Tuba in die Partitur geschrieben, damit seine Gattin und der Bläser nicht auf dumme Gedanken kommen, während der Maestro ans Dirigentenpult gefesselt ist. Das alles sei die Wahrheit, versichert Andreas Martin Hofmeir seinen Zuhörern, genauso wie die Geschichten aus seinem Leben, die er in den nächsten - augenzwinkernd angekündigten - fünfeinhalb Stunden vortragen werde.

Sprachwitziger Vortrag

Mit knapp drei Stunden sprachwitzigen und musikalischen Vortrags kommt er dieser Vorgabe schon ziemlich nahe - und keine Minute davon vergeht ohne stilles Schmunzeln oder lautes Lachen. Selbst Andreas Martin Hofmeir und sein Instrumental-Begleiter Guto Brinholi müssen sich manchmal sehr am Riemen reißen, um nicht laut los zuprusten. Der Begriff des Instrumentalisten ist bei dem Duo wohl am ehesten zu gebrauchen, denn nicht nur Tuba und Gitarre kommen in den Konzertteilen des Abends zum Einsatz, sondern auch eine Menge Instrumente, "die wir eigentlich gar nicht beherrschen", wie Andreas Martin Hofmeir betont. Dazu gehören Kontrabass und Posaune, Trompete und Quetschn.

Gedichte in Starckdeutsch

Über die einzelnen musikalischen Gerätschaften hat der Professor einleitende Worte in Gedichtform vorbereitet - in Deutsch und Starckdeutsch. Diese Kunstsprache verstärkt die Konsonanten, die darüber hinaus auch ausschließlich in ihrer "harten" oder "starcken" Form vorkommen und lässt dem Rezitator bei den Vokalen, die möglichst dunkel klingen sollen, freie Hand. Und so wird aus der bayerischen Quetschn das "Ackhurrtiunn" - sehr zur Erheiterung des Publikums.

Wenn sie aufspielen, dann - obwohl sie die Instrumente angeblich nicht beherrschen - in einer Art und Weise, wie sie nur großen Könnern eigen ist. Bei den zahlreichen "brasilianischen Liebesliedern" erweist sich Guto Brinholi als perfekter Bossa-Nova-Gitarrist. Als er zum Kontrabass greift - dessen Handhabung er auch studiert hatte - zeigt sich die ganze Größe dieses Meisters der Darm- und Stahlsaiten. Höchst erstaunlich und kaum zu glauben ist die Interpretation des ersten Satzes aus Antonio Vivaldis "Winter" aus den "Vier Jahreszeiten". Die Gitarre muss das ganze Orchester ersetzen und Andreas Martin Hofmeir übernimmt mit seiner Tuba den Part der Solo-Violine. In atemberaubendem Tempo und exakter Intonation gelingt ihm mit dieser Bearbeitung des einzigen "klassischen" Stücks des Abends ein furioser Auftakt.

Den Abschluss bildet ein "Klassiker" ganz anderer Art. Mit einem brasilianischen Liebeslied - diesmal Joao Gilbertos "Girl from Ipanema", höchst entspannt dargeboten - verabschieden sich die Musiker von ihrem Publikum, das nun gespannt auf den dritten Teil der Memoiren des noch recht jugendlich wirkenden Professors wartet.
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