Gesungene Weihnachtsbotschaft

Seine Regensburger Domspatzen leitete Domkapellmeister Roland Büchner mit umsichtigen, klaren Zeichen. Der Chor schöpfte stimmlich aus dem Vollen. Klare, strahlende und doch weich und rund singende Soprane erfreuten die Zuhörer beim Konzert in der vollbesetzten Georgskirche. Bild: Huber
 
Diakon Peter Bublitz (links hinten) und Peter Möbius bedankten sich mit einer Orchidee aus der Anstaltsgärtnerei bei Domkapellmeister Roland Büchner (rechts). Bild: hfz

Als mit der Zugabe des Konzertes in der Georgskirche die Lichter ausgingen und die Domspatzen mit Andacht und Emotion die "Heilige Nacht" anstimmten - da kehrte Weihnachten ein bei den Besuchern.

"Ein Highlight für die Kirche" sei das Weihnachtskonzert der Regensburger Domspatzen, betonte Dekan Markus Brunner. Zudem sei es ein Benefizkonzert zugunsten der neuen Orgel. Vermittelt wurde es durch die Familie eines Amberger Domspatzen. Natürlich war die Kirche ausverkauft, ebenso selbstverständlich wurde es die erwartete Demonstration des herausragenden Standarts dieses renommierten Knabenchores.

Frühbarock bis Moderne


An die 50 Knaben (und junge Männer) bildeten einen Halbkreis im Altarraum der Kirche. Und neben der sängerischen Qualität beeindruckten die Disziplin und die Souveränität der jungen Leute. Auswendig sangen sie das ganze Programm, das eine Spannbreite von der Renaissance bis zu dem achtstimmigen "Lux aurumque" des 1970 geborenen Eric Whitacre umfasste, und in diese Bandbreite den Frühbarock, die Romantik und interessante Werke des 20. Jahrhunderts einbezog.

Domkapellmeister Roland Büchner, der seine Sänger mit umsichtigen, klaren Zeichen leitete, konnte stimmlich aus dem Vollen schöpfen. Klare, strahlende und doch weich und rund singende Soprane - das ist eine Freude, so etwas zu hören. Wohlklingende, warme Altstimmen und erstaunlich reife Männerstimmen komplettierten den Chorklang. Ausgewogen und homogen die musikalische Gestaltung, mit Leidenschaft und Emotion folgten die Sänger den Intuitionen ihres Leiters.

Fast ist es ungerecht, aus den Werken einzelne besonders zu erwähnen. Aber, absolut subjektiv gesehen, gingen einige doch besonders "unter die Haut". "Kommst du, Licht der Heiden" von Heinrich von Herzogenberg zum Beispiel, wo die Soprane Strahlkraft zeigten, die gestalterische Entwicklung vom klingenden p zum großen Klang so eindringlich erfolgte. Wunderschön auch das "Ich steh an deiner Krippen hier" von J. Eccard in schlichtem, doch zwingenden Vortrag. Höhepunkte waren auch die modernen Stücke. Fast unglaublich, in welcher Intensität das "Lux aurumque" von Whitacre erklang. Faszinierend die Umsetzung der sich "reibenden" Harmonien, die sich immer wieder in verhaltenen Akkorden entspannten, ein nahezu unendlich gehaltener Sopran-Ton lag über den deklamatorisch singenden Chor, Das war eine Musik, die bewegte.

Einfach schön gesungen


Nach dieser Spannung erklang ganz geschickt das unkomplizierte "Verwunderlich zu sehen" von Nielsen, einfach schön gesungen. Gleichermaßen fesselnd "O Magnum Mysterium" von Morten Lauridsen. Auch hier klangliche "Reibungen", die sich stets wieder auflösten und nie brutal klangen. Mit Andacht und Emotion wurde dies gesungen, mit großen klanglichen Steigerungen, bei dem sich die Knaben-Soprane zu stressfrei klingenden "singenden Höhen" führen ließen.

Auch die reinen Knaben- und Männerchöre hatten ihre beeindruckenden Aufritte, die Knaben mit "Engel auf den Feldern singen" und "In dulci jubilo" die Männer mit einem interessanten "Jul, jul" von Nordqvist, das mit ausgewogenem Klang und weichen, ungestressten Tenören überzeugte. Und natürlich konnten sich auch Solo-Stimmen präsentieren. Jeweils wechselnd erklangen im Duett mit Roland Büchner am e-Piano "Kleiner Knabe, großer Gott", wie auch "Auf, ihr Hirten" und "Die heiling drei König" in klarer, reiner, frischer Stimmkultur.

Im Solo "Ein Magd, ein Dienerin" mit Klavier überraschte der junge Solist mit strahlender Sopran-Höhe bis zum zweigestrichenem b. Nur ganz selten spürte man bei den Sängern, dass sie durch die stimmlichen und konditionellen Anforderungen in der Weihnachtszeit strapaziert waren. Als mit dem schönen "Susani" und dem im effektvollen Wechsel so spannend gesungenen "Adeste fideles-nun freut Euch, ihr Christen" das Konzert mit einem jubelnden "Kommt, lasset uns anbeten" endete, brauchte es Sekunden, bis sich die Freude über diese gesungene Weihnachtsbotschaft in begeisterten Applaus entlud.

Domspatzen singen für Häftlinge in der JVADie Regensburger Domspatzen trat vor dem Konzert in St. Georg in der Justizvollzugsanstalt auf. In der dortigen Anstaltskirche trug der Knabenchor eine Auswahl seiner adventlichen und weihnachtlichen Lieder und Chorsätze vor. Leitender Regierungsdirektor Peter Möbius dankte den Domspatzen und ihrem Leiter, Domkapellmeister Roland Büchner, für diese außergewöhnliche Einstimmung auf das Weihnachtsfest. Organisiert hatte der katholische Gefängnisseelsorger, Diakon Peter Bublitz, dieses Konzert. Ihre "Gage" bekamen die Domspatzen in Form eines warmen Abendessens im Sozialheim der JVA.
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