Glück ist ein Leben mit Farbe

Schwungvoll und farbig gemalt - Tulpen in einer Vase. Repro: ske

Ihr 60. Geburtstag ist für die Amberger Künstlerin Gerti Räß Anlass, nach 20 Jahren erneut ihre Bilder in einer Einzelausstellung im Foyer des Amberger Rathauses zu zeigen. Seit Mai läuft die Präsentation. Bevor die Bilder Ende September wieder abgenommen werden, hat die Kultur-Redaktion mit Räß über ihre Kunst gesprochen.

Es ist eine Ausstellung, die detailliert gezeichnete Gegenstände bis hin zum Abstrakten - vom reinen Blumenaquarell zum abstrakten Naturbild - zeigt. Verknüpft mit der Technik des Aquarells und der starken Farbigkeit versinnbildlichen die Gemälde Gerti Räß' Vorstellung von Leben und Glück. Ein Interview:

Der Untertitel Ihrer Ausstellung lautet "Glück ist ein Leben mit Farbe". Was verbirgt sich dahinter, warum ist ein "Farb-Leben" für Sie Glück, was macht dieses Glück aus?

Gerti Räß:Hinter diesem Titel verbirgt sich eigentlich mein Lebensmotto, mein Lebensinhalt. Das Zitat von Walter Gropius "Bunt ist meine Lieblingsfarbe" drückt das eigentlich am besten aus. Ich kann mir ein Leben ohne den Facettenreichtum der Farben nicht vorstellen.

Eben auch im übertragenen Sinne. Bunt ist aufregend, ist spontan, ist nie langweilig, ist authentisch. Bunt ist lustig und traurig, fröhlich und nachdenklich, humorvoll und überlegt, liebevoll und manchmal auch schmerzvoll. Aber immer auch spannend.

Seit wann malen Sie? Was machen Sie in Ihrem Leben "ohne Farbe"?

Räß: Ich male seit etwa 30 Jahren und stelle seit rund 20 Jahren meine Bilder der Öffentlichkeit in verschiedenen Räumlichkeiten vor. Nach meiner selbstständigen Tätigkeit als Diplom-Grafik-Designer und Dozent in der Erwachsenenbildung bin ich seit 15 Jahren als Kunsterzieherin bei den DJDS tätig. Allerdings arbeite ich nach wie vor auch in meiner Tätigkeit als Diplom-Grafik-Designer.

Sind Sie Autodidaktin oder haben Sie eine Ausbildung gemacht?

Räß: Nach meinem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Augsburg bei den Professoren Beck und Urban habe ich eine Vielzahl von Farb- und Aquarellworkshops besucht, um die Auseinandersetzung mit den Farben zu intensivieren.

In welchem Stil arbeiten Sie?

Räß:Die Bandbreite meiner Bilder reicht vom naturalistischen Blumenaquarell bis hin zur Abstrahierung von Naturformen. Daneben setze ich in meinen Bildern Text- und Buchstabenelemente ein und um. Eben vom Kalligrafie-Aquarell bis hin zur farbigen Textinterpretation.

Gibt es Motive, die Sie immer wieder neu aufarbeiten?

Räß: Motive, die mich immer wieder faszinieren und bewegen, kommen meist aus der Natur oder aus den Gedanken, die ich mir zu einem mich berührenden Thema oder Text mache.

Wie finden Sie Ihre Motive?

Räß: Ich kann nicht sagen, dass ich Motive finde, die Motive finden mich.

Sie lassen sich von Texten inspirieren. Um welche Texte handelt es sich dabei, nach welchen Maßstäben wählen Sie diese aus?

Räß: Ich setze mich immer wieder mit den Impulsen, die ich durch Wörter, Textzeilen oder ganze Geschichten erhalte, auseinander. In den Bildern erkennt man dann die Emotionen, die ich zum Teil spontan oder durch einen langen Findungsprozess geprägt, verarbeitet habe.

Muss Kunst von Emotion oder Erleben inspiriert sein, oder kann sich ein Bild auch als technischer Versuch entwickeln?

Räß: Kunst sollte immer von Erlebtem oder Emotionalem inspiriert sein, wobei auch das Spiel mit Farbe und Licht, das Verfließen und Begrenzen der Farbe, das Auseinandersetzen mit der Technik eine wichtige Rolle spielt.

Sind Sie mit einem Ihrer Werke nach der Fertigstellung auch einmal unzufrieden? Was passiert dann?

Räß: Dann passiert "Veränderung - Wandlung - Erneuerung". Es kommt schon vor, dass ich mit einem Ergebnis unzufrieden bin, wobei natürlich die Spontanität und die Zufälligkeit in jedem Fall berücksichtigt werden. Mit unzufriedenen Bildern muss man Geduld haben, sie verändern und wandeln sich oft in mir selbst und werden zu einem späteren Zeitpunkt zu einem komplett neuen Bild mit eigener Aussage und individueller Atmosphäre.
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