Grandiose Show nach dem Theater

Erst im zweiten Teil der "Motown"-Show im Amberger Stadttheater kam so richtig Stimmung auf. Die Inszenierung funktionierte zuallererst als Retro-Konzert. Bild: Steinbacher

Am Ende herrschte "Motown"-Partystimmung. Wäre es nach dem Publikum gegangen, hätte man locker noch eine Stunde weitermachen können. Amberg hatte sich gerade so schön eingegroovt und war in "the Mood" für mehr.

Der gute alte "Motown Sound" funktioniert also noch immer. Längst sind sein Erfinder, der Ex-Boxer und Ex-Fließbandarbeiter Berry Gordy und die "Motown Record Company" Teil der Musikgeschichte geworden. Das Label existiert zwar weiter, doch die Jahre, in denen "Motown" Hit um Hit und den Soundtrack des jungen Amerika produzierte, sind definitiv vorbei. Geblieben ist immerhin ein Erbe von Songs, das heute zum kollektiven musikalischen Gedächtnis der Welt gehört - nämlich Nummern wie "Mister Postman", "When a Man loves a Woman", "Baby Love", "Ain't Mountain high enough" oder auch "Do you love me?".

Geschichte von fünf Sängern

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand auf die Idee kommen würde, daraus eine Show zu machen und damit auf Tour zu gehen. Dumm nur, dass sich Mary Millane zunächst nicht entscheiden konnte, was es denn werden sollte. Sie hatte offenbar das Gefühl, das Ganze brauche so etwas wie eine Handlung und müsse in Richtung Musical gehen. Also ersann sie eine Geschichte von fünf Sängern, die in einer heruntergekommenen Garage die ultimative Best-of-Motown-Tribute-Show proben - persönliche Befindlichkeiten inklusive. Mal abgesehen davon, dass diese müde Story überflüssig ist, kommt sie in der deutschen Bearbeitung von Stefanie Froer auch noch reichlich dämlich rüber. Stocksteife Dialoge, denen jeder Esprit fehlt, müde Gags und ein nachgerade pädagogischer Impetus in Sachen "Motown"-Geschichtsvermittlung führten jedenfalls am Mittwoch im Amberger Stadttheater dazu, dass man zumindest im ersten Teil des Abends nicht so genau wusste, ob man nun peinlich berührt oder genervt sein sollte.

Zum Glück war das alles schnell wieder vergessen, sobald das zehnköpfige Ensemble nicht versuchte, Theater zu spielen, sondern einfach nur Musik machte. Was die Band und die Sänger um den musikalischen Leiter Hans Kaul, von dem auch die Arrangements stammen, hören ließen, gehört zweifellos zum Besten auf diesem Gebiet. Retro war's, aber eben auch ungemein frisch, voller Energie und verdammt professionell gemacht. Allein die stimmgewaltige Marion Campbell "When a Man loves a Woman" singen zu hören, entschädigte für das vorausgegangenen Laientheater.

Mitreißende Medleys

Richtig Fahrt nahm "Motown - Die Legende" dann nach der Pause auf, als das Ganze dann tatsächlich zur Show wurde. Die einzelnen Songs intelligent zu mitreißenden Medleys zusammen geschweißt, dazu die immer etwas statisch wirkenden, aber nicht nur im Rückblick witzig wirkenden Choreographien der Sixties und schließlich die obligatorische Mitmach-Nummer, ohne die so ein Projekt wohl nicht auskommt - fertig ist ein grandioser Showabend.
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