Häschen in der Stadt
Pfotenabdrücke führen zur Beuys-Ausstellung ins ACC

Die Künstler Anne Dreiss (links) und Joachim Krieg sprayen mit den Schülerinnen Anna-Lena Fuchs und Isabella Scheler (von links) weiße Hasenpfoten aufs Pflaster. Die Spuren führen zur Beuys-Ausstellung ins ACC. Bild: esa
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
23.07.2016
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Viele weiße Pfotenabdrücke, die von Hasen stammen könnten, gibt es seit dieser Woche in der Altstadt. Wer den Spuren folgt, findet sich beim ACC wieder, wo ab Sonntag tatsächlich ein Hase von großer Bedeutung sein wird. Er ist aus Bronze und lädt zur Beuys-Ausstellung ein.

Amberg. (esa) Künstlerin und Kunstlehrerin Anne Dreiss hat den Hasen in Anlehnung an Joseph Beuys gestaltet. Das Tier sei neben Hirsch, Schwan und Biene eines von Beuys' zentralen Motiven gewesen, weiß Dreiss, die auch Führungen durch die Exponatenschau anbietet. Auch das vom Vorbild oft verwendete Plus-Zeichen hat die Ambergerin in die Skulptur eingearbeitet.

"Joseph Beuys war in den 1980er- Jahren ein Vorreiter für unsere Internetgesellschaft", sagt Dreiss und fügt hinzu: "Bei ihm geht es immer um Vernetzung." Dieses Thema wollte sie in Amberg aufgreifen und die rein räumliche Begrenzung der Beuys-Ausstellung aufbrechen.

Seit Mittwoch unterwegs


Dazu sprühte sie seit Mittwoch mit den Teilnehmerinnen des Gestaltungskurses der Q11 am Max-Reger-Gymnasium die Abdrücke von Hasen auf Gehsteige, Straßen und Plätze. Von den "geistigen Zentren", wie die Initiatorin sagt - vom Rathaus, vom Bahnhof, vom Luftmuseum oder von der Hochschule - führen die Pfoten zum Kongresszentrum.

Anne Dreiss' Mann, Joachim Krieg, ist ebenfalls Künstler und unterstützte die Gruppe bei dieser Aktion, die den Titel "Hommage an Beuys" trägt und bereits für einige Aufregung in der Stadt gesorgt hat. Ratlose Bürger haben die Gruppe beim Sprühen unterbrochen und sich nach der Bedeutung der Spuren erkundigt. "Sogar die Polizei war bei uns und hat nachgefragt", erzählt Dreiss. Am Mittwoch haben die Sprayer etwa 70 Prozent aller Abdrücke geschafft, der Rest folgt laut der Künstlerin bis Sonntag.

Gemäß der Aussage Beuys' "jeder ist ein Künstler", beteiligen sich Schulen, Kindergärten, eine Bäckerei, das Luftmuseum und die OTH an der Aktion. "Das Virus ist übergesprungen", erzählt die Künstlerin. Ihr geht es dabei nicht um das Objekt und wie Kinder und Erwachsene sich dem Hasen nähern, sondern um die Aktion an sich. Auch Beuys habe unter Beteiligung von Bürgern Kunst geschaffen. "Soziale Plastik" nannte er das.

Sonntag Vernissage


Die Bronzeskulptur von Dreiss wird am Sonntag, 24. Juli, bei der Vernissage der Beuys-Ausstellung um 19 Uhr präsentiert. Der Hase steht vor dem Haupteingang des ACC.

Im Foyer werden die tierischen Kunstwerke von Kindergartenkindern, Schülern und Studenten während der Ausstellung zu sehen sein.

Beim Anblick der Spuren stutzt man: Läuft der Hase mit den Hinterbeinen voraus? Oder haben die Sprayer die Schablonen verkehrt aufs Pflaster gelegt? Wenn der Hase läuft, tritt er mit seinen parallelen Hinterläufen vor die hintereinander platzierten Vorderpfoten auf. Das bestätigt Robert Schön vom Kaninchenzuchtverein Schlicht. Ähnlich ist es, wenn Mensch einen Bocksprung machen - erst setzen die Hände auf, dann folgen die Füße. Durch diese Reihenfolge der Abdrücke entsteht der Eindruck, der Hase bewege sich rückwärts. Die Künstler haben alles richtig gemacht.

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