Hans Klaffl nimmt das Lehrer-Dasein auf die Schippe
Flexi-Jahr im G8 plus

Früher war er Studiendirektor, jetzt ist er Pensionär. Diese Schul-Aufgabe von Hans Klaffl ließ im vollen Musikomm einige Pädagogen fast schon neidisch werden. Herzhaft gelacht haben sie aber alle. Ohne Ausnahme.

Amberg. (mma) Mit einem Tusch erschien der Musiklehrer vom Lukas-Podolski-Gymnasium auf der Bühne, schwärmte vom "oberaffengeilen Ruhestand" und erinnerte an die bewegende Abschiedsfeier. Auch die Zuhörer waren schnell "gerührt und auch geschüttelt". Stakkatoartig und geschliffen folgten Erinnerungen an den "Mief im Lehrerzimmer" oder an die sich genial wandelnde Pädagogik bei der "Erholung im Unterricht".

Sei in der Unterstufe "noch alles easy", stecke die Mittelstufe fest in "Jugend forscht", hauptsächlich auf sexuellem Gebiet. Unmöglich könne man hier von einem gleichschenkligen Dreieck, den Fuggern oder dem Präludium, sprich Vorspiel, reden. Blasinstrumente und Posaunen sind ebenfalls zu vergessen, wolle man eine "artgerechte Haltung" der Schüler erzielen. Auch sei die von den hochbegabten Eltern vermutete Hochbegabung ihrer "Brut" in der Oberstufe "nicht mehr erkennbar" und verwandle sich in "Pflegestufe 3", sprich "Lethargie und Demenz". Kämen zu Elterngesprächen auch noch pensionierte Großväterkollegen, die stets ein "Durchgreifen" und fast schon eine "rituelle Steinigung" verlangten, könne man bei vielen Spezialbegabungen nur noch ein Lehramtsstudium mit Taxifahrer-Job empfehlen.

Eines der großen Probleme des Pensionisten sei es nun, mit einer "To-do-Liste in der Excel-Datei" seinen Tag vor dem Mittagsschlaf selbst zu strukturieren. Da er ja beruflich der Pflege der Sprachkultur verpflichtet sei, habe er mit dem Permanent-Marker das Schaufenster des Supermarkts korrigiert - mit der Folge: Hausverbot. Ähnlich ginge es ihm bei der "Fortbildung des oft schwer auffindbaren Fachberaters im Baumarkt" oder als "Amok-Worker mit der Hausmeister-Bazooka", dem Laubbläser namens Katrina.

Wenn er auf "das G 8-Erfolgsmodell mit seiner "Erblödung" zu sprechen kommt und auf das "Flexi-Jahr mit dem G 8 plus", spürt der Zuhörer auch die Wut auf das "orientierungslose Entrümpeln" des Lehrplans per halbstündigen E-Mails aus dem Ministerium, wobei er dringend die Einnahme von Ritalin empfahl. Doch Resignation war Klaffl nicht anzusehen, als sein Publikum langanhaltend donnernden Applaus spendete.
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