Hellauf lodernde Begeisterung entfacht

Das LALA HÖHÖ-Ensemble aus Stuttgart musiziert in der Provinzialbibliothek, die mit guter Akustik aufwartet. Bild: Steinbacher

500 Jahre und kein bisschen verstaubt, belanglos, langweilig, sondern von Geist und Kunstfertigkeit blitzend, berührend, ja aufrührend sind sie, gestrichen und gezupft, geblasen und gesungen von den hochkompetenten Musikern des genannten Stuttgarter Ensembles LALA HÖHÖ.

Fast ein halbes Jahrtausend alt sind die Noten, die der in Amberg geborene Caspar Othmayr (1515-1553) in Heidelberg, Heilsbronn oder Ansbach zu Papier brachte.

Die elf ausgewählten Stücke geistlichen und weltlichen Inhalts werfen Schlaglichter auf das Schaffen des mit nur 38 Jahren verstorbenen Meisters. Sie zeigen seine Wurzeln in der Tradition (Tenor als musikalische Basis, Polyphonie), sie zeigen seine Modernität (sensible Wort- und Sprachbehandlung im Lateinischen wie nun auch im Deutschen), auf der nicht zuletzt Heinrich Schütz aufbauen wird.

Anstrengende Vorarbeit

Vor das Musizieren haben Othmayr und die Götter aber Fleiß und Schweiß gesetzt: Die Stimmbücher müssen in Partituren übertragen werden, die "nackten" Vokalstimmen müssen arrangiert werden: Welche Stimme (Extralob an den eleganten Altus Jacopo Facchini) singt alleine, welches Instrument (Blockflöte, Dulzian, Gambe, Laute) spielt alleine, welches doppelt und welche Gesangsstimme, wie viele wechselnd besetzte Durchläufe eines Stückes plant man.

Giomar Sthel, der Leiter des Ensembles LALA HÖHÖ (benannt nach einem Werk von Heinrich Isaac) hat das bewundernswert gelöst. Ständig variiert das Klangbild und hält neue, interessante Facetten bereit. Dazu kommt noch die wechselnde räumliche Verteilung der Sänger. Der Saal der Provinzialbibliothek bietet einen Raum mit historischem Ambiente und einer einzigartigen Aura. Er klingt hervorragend, dennoch: Ein Kirchenraum mit Nachhall hätte den geistlichen Stücken noch mehr glanzvolle Erhabenheit mitgegeben.

Den erfahrenen Musikfreunden Ambergs ist Othmayr natürlich bekannt: Schon vor Jahrzehnten haben Karl und Helmut Schwämmlein Pionierarbeit geleistet und seine Werke transkribiert und aufgeführt. Die Stuttgarter zeigen, wie die Musik des genialen Ambergers nun auch über die Region hinaus die verdiente Achtung findet.

Ihre Professionalität und ihr Engagement überzeugen und begeistern. Alle Stimmen sind fein ausgehört, die Sprache immer verständlich, nichts geht trotz der verzweigten Polyphonie unter.

Die Stücke für namhafte Persönlichkeiten haben Würde und Größe, stellvertretend seien das Symbolum Ulrichs von Württemberg und das Martin Luthers genannt. Einfacher im Duktus, handwerklich gekonnt sind die zu Herzen gehenden Sätze aus den "Frischen Teutschen Liedlein", die sich im Buch des Georg Forster (1510 -1568, auch ein Amberger, Arzt und Freund von Othmayr) finden.

Zugaben erklatscht

Nicht hemdsärmelig dröhnend, sondern von hintersinnigem Witz und Geist sprühend die Lieder vom dubiosen Maidlein hübsch und fein und das deutsch-lateinische Trinklied "Vidi alios intrantes". Hellauf lodernde, musiktrunkene Begeisterung, zwei Zugaben, Vivat Othi! A propos: Eine Ausstellung zum 500. wäre angemessen.
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