"Helmut Eisel & Jem"
Melodien im Kopf und Musik im Blut

Helmut Eisel (Mitte) ist ein Meister an der Klarinette. Er spielt zusammen mit Gitarrist Michael Marx (rechts) und Stefan Engelmann am Kontrabass Stücke von Klassik bis Klezmer. Bild: Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
01.02.2016
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Klassik, Jazz, Swing oder Klezmer? Die Klarinette gilt als das Instrument mit der facettenreichsten Klangfarben-Palette - vor allem wenn Helmut Eisel sie spielt. Das hat er am Sonntag in Amberg mal wieder bewiesen.

Es zeigt sich schnell, dass der Besuch des Konzerts etwas ganz Besonderes ist. Das Trio "Helmut Eisel & Jem" präsentiert "Don Juan à la Klez" - nicht wie geplant im großen Stadttheater, sondern "mangels Publikum" als Studiokonzert im Bühnenraum. Was eigentlich recht ärgerlich für Künstler wie Veranstalter ist, für die Besucher sorgt diese räumliche Nähe zu den exzellenten Musikern für entspannten, musikalischen Hochgenuss. Schließlich trifft man nicht alle Tage auf einen Künstler, der zu den besten seiner Zunft zählt, der die Klarinette so spannend, so packend spielt, der kunterbunte Klangfarben aus dem Instrument herauskitzelt. Mal hart und schrill, mal zart und warm, mal frostig und dann wieder freudig erregt. Seine Extraklasse spitzt überall hervor. Sein Spiel reißt mit, das seiner Mitspieler auch.

Klezmer und Klassik


Gemeinsam mit Gitarrist Michael Marx und Stefan Engelmann am Kontrabass flaniert Eisel völlig unbeschwert zwischen Klezmer und Klassik. Zu dritt experimentieren sie mit Swing- und Jazzelementen, mixen Tango-Rhythmen dazu und (er)finden Klezmer immer wieder neu. "Richtig schwere Kultur" hat man mitgebracht, sagt Eisel und freut sich, dass doch einige nach der EM-Handballübertragung "so schnell vom Fernseher weg und hierher gefunden haben".

Er steht in der Mitte der drei Herren in Grau, und er erzählt die Geschichte von Don Giovanni, der ein Frauenverführer war. Das ist eine "schöne, aber auch ermüdende Tätigkeit", schmunzelt er in leisem Ton. Mit Musik Geschichten erzählen, das wollen sie. Mozart wollte das auch.

Schon ist der Bogen gespannt zum Wolferl, den man bei einer Zeitreise getroffen habe und der, extra für ihn, das Klarinettenkonzert "Klezmerverzeichnis 622" komponiert habe. Das Adagio daraus wird zur musikalischen Liebeserklärung ans Publikum und an den großen Komponisten. Mozart zwinkert immer wieder verschmitzt durch die Noten. Die Musiker brauchen keine.

Eisel und Kollegen haben die Melodien im Kopf und die Musik im Blut. Sie vertrauen einander blind, harmonieren perfekt, spielen ideenreich und mit großer Ausstrahlung. Wie ein Chamäleon wechseln sie die Farben: Klezmer als Tango-Improvisation, zärtlich, erotisch, ausschweifend, oder Klezmer in bayerischen Lederhosen - ein Oktoberfestbesuch einmal anders.

Klezmer als Verehrung für "zwei wunderbare Frauen", denen er die Titel "Limor's Ballad" und "The Girl with the Bassoon" gewidmet hat. Und Klezmer zur Erinnerung an die im Holocaust ermordeten Klezmer-Musiker. Bei seiner Komposition "Phoenix", ein Auftragswerk des großen Klarinettisten Giora Feidmann, weint und schreit das Instrument, es heult wie eine Sirene und endet in melancholischer Harmonie. Die Musik beschwört schlimme Bilder herauf und klingt doch auch wieder versöhnlich.

Akzente gesetzt


Versöhnlich und nicht so Höllenschwarz wie das Original, so erzählt Eisel auch noch das Ende von Don Giovanni. Der Abend mit Helmut Eisel, dem Artisten an der Klarinette, mit Bassist Stefan Engelmann und Michael Marx, der sowohl mit Stimme wie Gitarrenspiel Akzente setzt, endet mit einer temperamentvollen Zugabe und wird mit großem Beifall belohnt.
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