Helmut Schleich live im Musikomm
Die Pointe und das Biest

Helmut Schleich drehte im Musikomm rhetorisch voll auf. Zum Beispiel in der Rolle des ehemaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Bild: kge

Als das Licht im Musikomm anging, saß er am rustikalen Holztisch und sinnierte darüber, wie viele Menschen er nun eigentlich erschossen hatte. Ganz sicher den Bierfahrer aus Versehen, aber all die anderen definitiv nicht im Affekt.

Amberg. (kge) Kabarettist Helmut Schleich schlüpfte zu Beginn seines Programms "Ehrlich" in die Rolle als "Das Biest von Dodlbach" und faszinierte vom Fleck weg mit seinem schwarzen Humor in zunächst fränkischem Dialekt. Diese eine Person verkörperte er als Rahmenfigur zu den nun folgenden zwei Stunden geballten Angriffs auf die Lach- und Denkmuskeln im vollen Saal.

Ob als Heinrich von Horchen oder wiederauferstandener Franz Josef Strauß: Seine Charaktere griffen jedes politische oder gesellschaftskritische Thema auf, das man sich nur wünschen konnte. In atemberaubenden Tempo prasselten die Pointen auf das begeisterte Publikum herab, und bei seinen linguistischen Fähigkeiten blieb dem Zuhörer, im Gegensatz zu ihm fast die Spucke weg. Sein Glas Wasser betitelte er als "Doornkaat-Schorle" und spielte den immer rauschiger werdenden Kabarettisten.

"Früher nannte man ihn Bank-Beamter, weil man ihm vertraute. Heute ist er ein Chief-Investconsulting-Arschloch" oder "Fremdbescheiß-System ist Franchising" - das waren so seine Wortkapriolen, bei denen man genau zuhören und sich konzentrieren musste, aber auch zustimmend auflachen. Obwohl Schleich aus dem Fernsehen bekannt ist, machte er auf der Bühne seinen Job anders. Authentischer, und wie der Name schon sagte, auch ehrlicher.

Die besten Sprüche"Wir sind dem CIA in den Arsch gekrochen. Das ist auch eine Art von Spionage."

"Das Hotel war gratis. Bis auf die Anreise und Übernachtung."

"Gelebte Solidarität ist für uns nicht nur ein Wort. Nein. Zwei."

"Angela Merkel hat eine Mutter? Ich dachte immer, Helmut Kohl hätte sie aus dem Ei gebrütet."

"Theo Waigels Augenbrauen wachsen wie die Nase von Pinocchio. Man sollte ihn auf den Euroschein drucken und hinten den Gasableser von Putin."

"Von mir bekommen Sie jetzt 20 Freiminuten. Früher sagte man dazu Pause."

"Kommt der Norddeutsche zu uns nach Bayern, wohnt er nicht im Gäste-, sondern Fremdenzimmer. Fremdenhass gehört zur Tradition. Wir lehnen einfach alle ab."

"Wenn Sie im Alter etwas wert sein wollen, müssen Sie eine gute Krankheit haben." (kge)
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