"Höchste Zeit" im Stadttheater Amberg
Sexy im Bauch-weg-Höschen

Unter dem Titel "Heiße Zeiten" hat sich das Damenquartett hormonverwirrt durch die Wechseljahre gerockt. Autor Tilmann von Blomberg hat mit "Höchste Zeit!" die Fortsetzung geschrieben, gespielt von einem superstarken Ensemble. Bild: Hartl

Im Musical "Höchste Zeit" wird geheiratet. Neben chaotischen Nächten und berauschendem Sex spielen vor allem die großen Lebensthemen eine Rolle. Und die Männer bleiben dabei schön im Hintergrund.

Wer will heute noch heiraten? Erstaunlicherweise ist es die Karrierefrau aus dem frechen Damenquartett, das sich vor ein paar Jahren rein zufällig im Terminal eines Flughafens kennenlernte und sich austauschte über Männer im Allgemeinen und Wechseljahrsprobleme im Besonderen.

Verrutschte Schminke


Jetzt meint die erfolgsverwöhnte Karrierefrau, es sei "Höchste Zeit" sich zu binden. Aus diesem Grund verschickte sie Einladungen an die Vornehme (Heike Jonca), die jetzt kurz vor der Scheidung steht, die Junge (Nini Stadlmann), die seit neun Monaten Mutter ist und so gern heiraten würde, aber vom Dauerverlobten nicht gefragt wird. Und schließlich an die temperamentvoll-naive Hausfrau (Angelika Mann), die als einzige mit der Braut (Charlotte Heinke) Kontakt hielt. Im sexy "kleinen Schwarzen" mit verrutschter Schminke und Frisur schwankt sie ziemlich orientierungslos über die Bühne. Es muss wohl eine heiße Nacht vor ihrem Hochzeitstag gewesen sein. Aber wo und mit wem es zu berauschendem Sex kam, das lässt sich nicht so leicht rekonstruieren.

Der Bräutigam ist verschwunden. So fällt der Verdacht auf Howard Carpendale, der zufällig die Nachbarsuite im Nobelhotel bewohnt und eine CD mit "Love-Widmung" bei der Braut hinterlassen hat. Doch es naht Unterstützung! Das Jubelkomitee rückt an: die eine im konservativen Chanelkostüm, die andere im Blümchenkleid und die Dritte in nichtssagender Blusentunika über schwarzer Hose. Schnell stellt sich heraus, Freundinnen sind das keine. Eher schon Lieblings-Feindinnen. Sie hauen sich ganz schöne Biestigkeiten um die Ohren und klopfen deftige Sprüche wie: "Viagra für Frauen - was soll das machen? Blind?!"

Sexy sehen die Frauen alle aus. Da macht auch der Auftritt nach der Pause in den lachsrosa Brautjungfern-Scheußlichkeiten mit Organza-Feder-Kreationen im Haar keine Ausnahme. Es ist unterhaltsam und köstlich, wie sie agieren, wie sie singen und tanzen und sich dabei selbstironisch auf die Schippe nehmen. Die neu getexteten Songs von Cher bis Stevie Wonder passen zu den jeweiligen Gefühls- und Lebenslagen.

Nicht mehr straffe Kurven


Der Hit "Yes Sir, I can Boogie" wird umgebastelt zu "Schau mal, du, da hängt was". Gemeint sind die nicht mehr ganz so straffen Kurven im Alter. Doch was soll's: Stützstrümpfe und Bauch-weg-Höschen hin oder her, die Ladies bringen Schwung auf die Bühne und gute Laune unters Volk, ganz nach den Vorstellungen von Regisseurin Katja Wolff.

Wohl um Karambolagen zu vermeiden, wurden die vier Männer auf der Bühne unter Verschluss gehalten. Durch einen chicen Bartresen vor dem emotional-chaotischen Quartett geschützt, lieferte die flott aufspielende Kellner-Band im schwarz-weißen Pinguin-Outfit die Musik. Carsten Gerlitz hat sich bei einschlägigen Herz-Schmerz-Songs der letzten Jahrzehnte bedient und daraus die Coverversionen arrangiert. Ob nun die Hochzeit klappt oder nicht? Mit dem Schlusslied "Er gehört zu mir", dem Hit von Marianne Rosenberg, beantworteten die grandiosen Darstellerinnen und die famose Kellner-Band die Frage.
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