"Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel"

Ohne schusssicheren BH, aber mit viel schauspielerischem Elan übertrumpfen sich die drei Gattinnen eines Ex-Diktators im bühnenreifen Zickenkrieg: die deutsch-demokratisch-fanatische Frau Margot (Reinhild Solf), die von Stalin schwärmt, die barock-genießerische Frau Imelda (Doris Kunstmann, Zweite von rechts), der Mao einst ein Gedicht gewidmet hat, und die mondän-dichtende Frau Leila (Saskia Valencia, rechts), die von Fidel Castro über die Insel chauffiert wurde. Bild: Hartl

Ein gelungener Theaterabend ist immer wie eine Fahrt mit der Achterbahn. Überraschende Passagen, steile Kurven und gefährliche Loopings halten die Spannung bis zum Schluss. Davon war der erste Schauspielabend in Amberg weit entfernt.

"Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel" (der Titel stammt von Gaddafi), die satirische Komödie von Theresia Walser, der jüngsten Tochter des Schriftstellers Martin Walser, erinnert eher an die Eintönigkeit eines zweispurigen Kreisverkehrs. Hier die Ex-Diktatoren-Gattinnen Imelda (Marcos), Margot (Honecker) und Leila (Ben Ali), dort der Dolmetscher Gottfried, der die unsympathischen Damen auf eine Pressekonferenz vorbereitet, bei der es um die Verfilmung ihres Lebens geht. Der dichterische Treibstoff aus zynischen Zitaten und bösen Banalitäten, aus Niederträchtigkeit und Uneinsichtigkeit zündet trotz abgrundtief-schwarzem Humor nicht immer wie gewünscht.

Meist steuern sie nebeneinander her, die Tyrannengattinnen. Immer wieder kreuzt sich ihr Weg mit Gottfried (Sebastian Hölz), dem Simultandolmetscher. Nach dem Motto "Ein guter Dolmetscher ist immer einen Satz voraus" übersetzt er nicht Wort für Wort. Er gibt nach eigenem Gutdünken weiter, was ihm gerade einfällt. Außerdem hat er Umstellungsschwierigkeiten, die wohl aus dem vorangegangenen Termin bei einer Fischereikonferenz resultieren.

Kein echter Dialog

Das irritiert. So kommt kein echter Dialog zustande zwischen der deutsch-demokratisch-fanatischen Frau Margot (Reinhild Solf), die von Stalin schwärmt, der barock-genießerischen Frau Imelda (Doris Kunstmann), der Mao einst ein Gedicht gewidmet hat, und der mondän-dichtenden Frau Leila (Saskia Valencia), die von Fidel Castro über die Insel chauffiert wurde. Regisseur Hans Hollmann kann sich auf das ausgezeichnete Können seines Ensembles verlassen. Er lässt die Damen meist in Reihe auf ihren Stühlen im ziemlich leeren Bühnenbild posieren. Typgerecht gehen sie auf in ihren Charakterrollen.

Selbstgerecht sind sie, die im korrupten Luxus schwelgten, während die Menschen litten. Leila wirft sich in immer neue, teuere Fummel. Wasser aus der Leitung trinkt sie niemals. Warum? Weil Asseln und andere Kleintiere ihre Notdurft in jenen Rohren verrichten, aus denen die Normalsterblichen ihr Trinkwasser beziehen, beschreibt sie mit hysterischer Aufgeregtheit. Sie verwendet ausschließlich abgefülltes Wasser aus kanadischen Wäldern.

Imelda stopft sich voll mit Makrönchen und trällert Melodien aus ihrer schrecklichen Lebensoper. Sie erinnert sich: Die DDR-Delegation unter Führung von Erich Honecker verpflegte sich bei der Manila-Reise selbst. Man brachte literweise gelbe Brühe (Radeberger Bier) sowie Blutwürste mit, die man an einer Schnur über der Palasttafel aufhängte. "Unsere Würste sind die besten", unterbricht Margot Honecker und ein Lächeln huscht über die sonst versteinerten Züge. "Kassler im Schtrang geschmort! Erichs Leibgericht!", fügt sie noch an. Eigentlich fühlt sie sich nicht wohl zwischen den "geldgierigen Schlampen". Und das sehnlich gewünschte Cola bekommt sie den ganzen Abend auch nicht.

Ein Unfall

Die eine prahlt mit teuerer Krokoledertasche, die andere mit Reisegepäck vom Edelausstatter. Die graue Ex-DDR-Margot klammert sich an ihrem unansehnlichen Plastikköfferchen fest. Und genau daraus soll im sehr kurzen zweiten Teil des Abends der Knaller purzeln. Es passiert nämlich ein Unfall, ein Urnenunfall! Mit lautem Krach zerbricht das Gefäß. Die Asche von Erich Honecker staubt über die Bühne. Großes Entsetzen, stattlicher Applaus.
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