Igor Lichtmann brilliert bei Spanischer Gitarrennacht
Weil er’s einfach perfekt kann

Das "Concierto de Aranjuez" von Joaquín Rodrigo ist das Traumstück eines jeden Gitarristen. Es ist mit allen erdenklichen technischen Schwierigkeiten gespickt. Igor Lichtmann bestach beim Sommerfestival in der Stadtbibliothek mit Brillanz, Virtuosität und Musikalität. Sein Gitarrenspiel war ausdrucksreich und technisch herausragend. Bild: Petra Hartl

Komponist Joaquín Rodrigo bescherte der Welt mit dem "Concierto de Aranjuez" eines der wunderbarsten Gitarrenkonzerte. Am Mittwochabend wurde das Publikum von Igor Lichtmann, dem Kulturförderpreisträger der Stadt Amberg, mit einer grandiosen "Spanischen Gitarrennacht" beschenkt.

Von Marielouise Scharf

Amberg. Neben besagtem Publikumserfolg wählte der junge Musiker noch fünf weniger bekannte, aber höchst schmackhafte Gitarren-Leckerbissen für sein spanisches Programm "Viva España". Vor kurzem hat er seinen Master am Mozarteum in Salzburg abgeschlossen, ab September wird er ein Diplom-Studium im Fachbereich Konzert an der Yale University in den USA aufnehmen.

Sozusagen kurz vor seiner Abreise in die Staaten machte er beim Sommerfestival Halt. Die Amberger wussten dies zu schätzen. Der Abend war ausverkauft. Nur das Wetter hielt sich mal wieder nicht an die Spielregeln. Doch trotz Enge und wenig spürbarer, südlicher Romantik - die Atmosphäre im Lesesaal der Stadtbibliothek passte. Tapas und Rotwein fanden fleißige Abnehmer. Und das Publikum ließ sich von der Musikalität und der Virtuosität des Künstlers ganz schnell verzaubern.

Das typisch Spanische, die Farbenpracht und die Verbundenheit mit der Natur, der Geschichte und dem Brauchtum seines Landes haben zur Beliebtheit und Anziehungskraft von Rodrigos fantastischer Gitarrenkomposition beigetragen. Vor allem der zweite Satz, ein Adagio, ist schier überwältigend. Überwältigend auch, wie intensiv Igor Lichtmann die Stimmung einfing, die bei der "Saeta", einer Prozession, die jährlich in der Karwoche stattfindet, heraufbeschworen wird. Im Zusammenspiel mit Jelena Lichtmann am Klavier ließ er Bilder entstehen, die das Herz erwärmten, die berührten und staunen machten, was alles in einer Konzertgitarre steckt. "Man kann alles machen, wenn man's kann", hatte der Mozarteum-Absolvent in seinen kurzen Erläuterungen scherzhaft angemerkt. Er kann's. Ohne Zweifel.

Lichtmann hat es bewiesen mit den fünf spanisch-russisch-lateinamerikanischen Gitarrenkostbarkeiten. Rodrigo: En los Triagles; Barrios: La Catedral; Ponce: 2 & 3 Satz aus Sonata III; Ginastera: Sonata op. 47. Hoher Anspruch, Konzentration und eine Meisterschaft am Instrument, die verblüfft, Lichtmann präsentierte sich und sein Instrument so unglaublich variabel und vielseitig.

Mit Finger, Faust und Handfläche zupfte, schlug und streichelte er die Saiten, rutschte am Griffbrett entlang, entlockte unglaubliche Klänge, purzelte über den Steg und bearbeitete irgendwie jede nur mögliche Position auf der Gitarre. Sein Spiel war gekennzeichnet durch eine außerordentlich virtuose Spieltechnik, gepaart mit intensiver musikalischer Ausdruckskraft. Bis ins Feinste lotete er Spiel- und Klangmöglichkeiten aus, was besonders bei Nikita Koshkins moderner Komposition "The Fall of Birds" zur spannenden Entdeckung wurde. Igor Lichtmann bestach mit Brillanz, Virtuosität und Musikalität. Sein Gitarrenspiel war ausdrucksreich und technisch herausragend. Er hatte die Noten auswendig im Kopf, spielte mit hochgradiger Konzentration und gewann nach dem Spiel noch mit seinem charmanten Lächeln.

Ein toller Abend, der mit begeistertem Beifall honoriert wurde. Gerne hätte man auch Jelena Lichtmann für ihre fabelhafte Klavierinterpretation mit Applaus gedankt, aber sie blieb bescheiden im Hintergrund.
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