Ilja Richter trifft Irmgard Knef

"Du kannst nicht immer 60 sein" heißt, reichlich ironisch, das Stück von Ilja Richter (Mitte), in dem der mittlerweile 62-Jährige sich selbst spielt. Co-Autor Ulrich Michael Heissig (links) mimt die Zwillingsschwester der Knef, Kim Pfeiffer (rechts) glänzt in diversen Nebenrollen. Bild: Steinbacher

"Licht aus! Spot an!" - Ilja Richter, in die Jahre gekommener Moderator der einstigen Kult-Show "Disco", zitiert im Stadttheater sein "Markenzeichen" aus den Siebziger Jahren als Persiflage auf sich selbst.

"Du kannst nicht immer 60 sein" heißt das von Richter selbst mitverfasste Stück, mit dem er in Amberg gastiert. Auch der Titel ist ein leicht abgeändertes Zitat aus den 1970-ern. Damals sang Chris Roberts "Du kannst nicht immer siebzehn sein" und war damit Gast bei Richters "Disco".

Ihn und andere Schlagergrößen karikiert Ilja Richter bei seinem Auftritt - liebevoll, aber mit einem genauen Blick für die Macken und Marotten der damaligen Jugend-Idole. Ob man es nun Schauspiel, Konzert, Revue, Stand-up-Comedy, Dichterlesung oder wie auch immer nennen will, das Produkt aus der Feder des 62-jährigen Richter und seines Co-Autors Ulrich Michael Heissig hat einen hohen Unterhaltungswert.

Schwester der Knef

Ausgangspunkt der chaotischen Handlung: Ilja Richter wird für eine Lesung aus seinen Memoiren mit dem Titel "Du kannst nicht immer 60 sein" verpflichtet. Dabei trifft er überraschend auf die zehn Minuten jüngere Zwillingsschwester von Hildegard Knef namens Irmgard, die ebenfalls - für ein Konzert unter demselben Motto - die Bühne für sich in Anspruch nimmt.

Ein Fehler in der Disposition des Managements ist schuld an diesem ungewöhnlichen Aufeinandertreffen zweier Welten. Schließlich einigt man sich darauf, die Bretter, die für beide die Welt bedeuten, im Zehn-Minuten-Takt zu teilen. Was als amüsanter Kleinkrieg zwischen zwei Show-Persönlichkeiten beginnt, endet mit dem Entstehen einer wunderbaren Freundschaft.

Ilja Richter zeigt sich als sprachgewandter Interpret seiner eigenen Texte, in denen er Kalauer, intelligente Wortspiele und Sprachwitz miteinander verbindet. Sein schon früh entwickeltes Talent zur Parodie hat er weiter entwickelt und erweist sich als wahrer Meister in der Imitation seiner Altersgenossen. Kleinere Gesangseinlagen, in denen er auch Mut zur Albernheit beweist, wechseln mit amüsanten Anekdötchen. Erfunden oder wahr, das spielt dabei keine Rolle. Amüsant sind sie allemal.

Co-Autor Heissig bringt die Kunstfigur Irmgard Knef in die Handlung ein. Als begnadeter Travestie-Künstler schlüpft er in die Rolle der stets zu kurz gekommenen "kleinen", mittlerweile schon im 87. Lebensjahr stehenden Schwester der großen Hildegard. Den bekannten Liedern des Weltstars verpasst er neue, selbst geschriebene Texte, in denen er respektive sie das Elend aller vom Schicksal Benachteiligten beklagt. Von der Kapelle "Die toten Rosen" begleitet, schwebt, schreitet und stöckelt Heissig über die Bühne, als wäre der Geist der toten Hildegard in ihn gefahren.

Blick in die Zukunft

Die "Nebenrolle" zwischen den beiden "Stars" hatte Kim Pfeiffer inne. Sie zeigte mit viel Spielfreude ihre Wandlungsfähigkeit. Als "Kaltmamsell" - sprich Catering-Dame -, Produktionsassistentin, verrücktes Huhn und sogar als Ilja Richters Prostata wirbelt sie über die Bühne. Ihre Rolle kann man durchaus prophetisch sehen. Neben einem Schauspieler, der bald das Rentenalter erreicht hat und einer Diva, deren Verfallsdatum längst abgelaufen ist, verkörpert sie die Zukunft des Theaters.
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