Inspiration ist wichtig, nicht die Kopie

"Grand Slam", die Altmeister des Funk, präsentieren pünktlich zum 30. Bandjubiläum ein neues Album.

30 Jahre ist es mittlerweile her, dass die Amberger Funk-Formation "Grand Slam" zusammengefunden hat. Obwohl sie damit zu den dienstältesten Combos hierzulande gehört, ist die Crew sie noch immer daran interessiert, Neuland zu erkunden.

Auf ihrem gerade erschienenen Album "The New Crack Swing EP" präsentieren sich die Künstler nicht nur personell runderneuert, auch ihrem Sound haben sie neue Perspektiven hinzugefügt. Ein Gespräch mit dem "Cosmic Pope" Toby Mayerl.

Heute, im Zeitalter der Dominanz von Cover-Bands, da könnte man schon nostalgisch werden: Als "Grand Slam" 1985 in Amberg anfingen, da war das ja noch üblich, als Band ein eigenes Repertoire zu schreiben und zu komponieren ...

Toby Mayerl: Das ist bei uns auch bis heute so geblieben! Und das zeichnet uns tatsächlich aus, vor anderen Bands: Dass wir ständig neue Songs schreiben. Wir arbeiten tatsächlich in jeder Probe an neuen Songideen, und daran halten wir auch ganz stur fest. Trotzdem haben wir immer ein, zwei ausgewählte Cover-Versionen im Programm. Meist sind das aber eher unbekannte Nummern, die wir als Band lieben: Auf dem neuen Album covern wir Thundercats "Oh Sheit, it's X". Die Soul- und Funkgeschichte, das ist einfach unsere spirituelle Grundlage. Natürlich musst Du James Browns Werk kennen! Aber du brauchst ihn nicht nachzumachen, um neue Musik zu erfinden! Inspiration ist wichtig, nicht die Kopie!

Eure Blickrichtung war ohnehin immer nach vorne gerichtet ...

Mayerl: Ja, Funk ist mittlerweile eine ziemliche Nischenmusik geworden, in der vor allem die Retrobands dominieren. Denen geht's um möglichst authentische Fender-Rhodes-Piano-Klänge und originale Gitarren-Wah-Wahs. Das war aber nie unsere Definition: Wir haben uns von Anfang neuen Einflüssen geöffnet. Als wir in den späten 80ern mal den Zündfunk-Democassetten-Check gewonnen haben, da gehörten wir zu den ersten in Deutschland, die sich am Hiphop eines Kurtis Blow beispielsweise orientierten. Ja, für uns war von Anfang jene Sparte der Black Music wichtig, die nicht nostalgisch zurückblickte, sondern die nach vorne schaute. Unsere Vorbilder hießen Cameo, Midnight Star, Confunction, Zapp und Roger Troutman ...

... und natürlich George Clinton und all das, was er mit Parliament und Funkadelic produziert hat ...

Mayerl: Da sind wir natürlich auch stolz drauf: Als George Clinton im August in Nürnberg gastierte, da haben wir ihn auch getroffen und ein paar aus seiner Truppe nach Amberg eingeladen und hinterher im Studio mit ihnen aufgenommen. Gitarrist Michael Hampton war von der hiesigen Wirtshaus-Kultur im "Casino" extrem begeistert und erfreute sich auch am Schweinebraten und am Bier, trotzdem haben wir hinterher noch gejammt und haben so auch Material zustande gebracht, das auf unserem neuen Album zu hören ist.

"The New Crack Swing" klingt überhaupt sehr frisch!

Mayerl: Wir sind ziemlich stolz, dass wir neue Musiker in unseren Reihen haben: Mit Ashonte "Dolo" Lee, der in Sulzbach-Rosenberg lebt, aber aus Columbus/Georgia stammt, haben wir einen neuen Sänger, der bei "Voice of Germany" zwar nicht ins Finale vorstieß, aber stets Publikumsliebling war. Unser neuer Bassist Stefan Nachreiner aus Weiden ist sowieso eine Sensation: Vor drei Jahren war er erst 16 und Schüler unseres Gitarristen, hat er mal bei uns ausgeholfen. Jetzt sind wir sehr glücklich, dass wir ihn verpflichten konnten. Auch unser neuer Mann an den Turntables, DJ Maca, ist eine ganz andere Liga: Der war live schon mit dem Wu-Tang-Clan und mit Clueso unterwegs und bringt unglaublich viele neue Ideen ein ...

Dann steht ja einem Nummer 1-Hit nichts mehr im Wege. Wenn ich mir das neue Album so anhöre, hätte ich mit "Turn your Radio down" schon einen sicheren Kandidaten im Auge ...

Mayerl: Ach, das haben wir uns mittlerweile abgeschminkt. Wir machen nur die Sachen, bei denen wir mit dem Herzen dabei sind. Am Reißbrett etwas zu erfinden und was nachzumachen, das dann nach der aktuellen Bruno-Mars-Single klingt wollen wir gar nicht! Der große Kommerz ist nicht unser Thema! Uns ist es wichtiger, dass wir unser Publikum überzeugen und unsere Musik im Deutschlandfunk oder auf Deutschlandradio Kultur gespielt wird. Wenn wir bei Stadtfestivals auftreten, kommen oft Leute hinterher zu uns und wundern sich, warum wir nicht in den Charts sind. Das allein hat schon eine ganz eigene Qualität!

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Die Live-Release-Party für "The New Crack Swing" startet am 23.12. um 20:30 Uhr im Club Trio (Mühlgasse 3) in Amberg statt. Karten an der Abendkasse. Für das Konzert am 27. Februar (20 Uhr) im VAZ-Pfarrheim in Burglengenfeld gibt es Karten beim NT/AZ-Ticketservice (Telefon 0961/85550 und 09621/30623)

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.grandslamfunk.com
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