Interview mit Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig über Theater und die Stadt Amberg
Theater als Ausgleich

Das Ehepaar Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig steht drei Tage lang in Amberg auf der Bühne. Im Stück "Wanja und Sonja und Mascha und Spike" spielen sie zwei Geschwister. Bild: Dietrich Dettmann
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
22.04.2016
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Rüdiger Joswig als Kapitän Ehlers am Set bei den Dreharbeiten der ZDF-Serie "Küstenwache" in Neustadt in Holstein neben seinen Kolleginnen Lara-Isabelle Rentinck und Sabine Petzl. Bild: Carsten Rehder/dpa

Ein Schauspieler-Ehepaar gastiert in Amberg. Als willkommene Abwechslung zu den Dreharbeiten bei Erfolgsserien stehen Claudia Wenzel und Rüdiger Joswig auf der Bühne des Stadttheaters Amberg. Von 22. bis 24. April spielen sie in der Komödie "Wanja und Sonja und Mascha und Spike".

Sie ist unter anderem bekannt als Dr. Vera Bader in der Serie "In aller Freundschaft". Er ist seit Mitte der 1990er Kapitän Ehlers bei der "Küstenwache". Als Ausgleich zum Dreh-Alltag genießt das Ehepaar das Theaterspielen. Und die Zeit zusammen. Im Gespräch mit der Kulturredaktion betont Claudia Wenzel, wie sehr sie sich auf ein Wiedersehen mit der Stadt Amberg freut.

"Wanja und Sonja und Mascha und Spike" ist als Unterhaltungsstück angekündigt. Am Broadway war es überaus erfolgreich. Was ist der Reiz an diesem Stück?

Rüdiger Joswig: Ich spiele eine Rolle, die ich sonst eigentlich nie spiele. Und zwar einen introvertierten Menschen, der das meiste mit sich selbst ausmacht. Wanja lebt mit seiner resoluten Schwester zusammen in einem Haus. Seine andere Schwester (gespielt von Claudia Wenzel, Anm. d. Red.) kommt zu Besuch, ein exaltierter Hollywood-Star auf dem absteigenden Ast. Das Spannende an dem Stück ist, dass sich alle Protagonisten auf der Bühne entblättern. Der Ausdruck "Unterhaltungsstück" ist ein wenig irreführend, da ja selbst eine Tragödie unterhalten soll. Unser Stück ist eine Komödie, die zum Nachdenken anregt. Das Publikum wird sich also nicht unbedingt auf die Schenkel klopfen, aber es wird vielleicht einige Erkenntnisse für sich nach Hause nehmen.

Claudia Wenzel: Ich spiele den überdrehten Hollywood-Star Mascha mit einem sehr jungem Liebhaber im Schlepptau. Das Interessante ist, dass sie bei dem Besuch bei ihrer Familie mit dem normalen Leben wieder in Berührung kommt. Sie zeigt sich im Zuge dessen von einer anderen, einer milderen Seite.

In vielen ihrer Rollen spielen Sie ja eher die "Femme fatale".

Wenzel: Ja ich spiele oft die Böse, das Biest. In der Fernsehserie "Dr. Stefan Frank - Der Arzt, dem die Frauen vertrauen" war ich eine resolute Klinikchefin. Da wird man in eine Schublade gesteckt, aus der man nicht so schnell herauskommt. Besonders im Fernseh- und Filmgeschäft. Deshalb nutze ich das Theater, um andere Rollen zu spielen. 2013 habe ich schon einmal am Stadttheater Amberg gespielt, in dem Stück "Kundendienst". Das war eine Komödie und das habe ich sehr genossen. Von der Stadt bin ich ganz begeistert. Ich war zur Adventszeit da, habe den Weihnachtsmarkt besucht und fand die Altstadt wunderschön. Jetzt habe ich meinen Mann ganz heiß auf Amberg gemacht.

Das Stück ist eine Hommage an den russischen Schriftsteller Anton Tschechow. Ben Brentley von den "New York Times" urteilte, es ist eine "liebevolle Absage an all das, wofür Tschechow gemeinhin steht". Wieviel steckt ihrer Meinung nach von Tschechow darin?

Joswig: Es gibt immer wieder Zitate aus den Stücken. Das sind aber eher Situationszitate. Man muss Tschechow nicht gelesen haben, um das Stück zu verstehen.

Wenzel: Die Figuren sind alle geprägt von Sehnsüchten und davon, was das Leben ihnen gebracht hat. Und es ist nicht zuletzt eine aufregende Kostümparty.

Sie sind seit 2003 verheiratet. Wie oft kommt es vor, dass Sie gemeinsam auf der Bühne stehen?

Joswig: Das kam schon oft vor in den letzten 15 Jahren. Wir versuchen, immer wieder zusammen zu arbeiten. Besonders auf Tourneetouren, bei denen man ja ständig an wechselnden Orten unterwegs ist. Wir sind so rund um die Uhr zusammen, und das mögen wir sehr.

Wie ist es, mit Ihrer eigenen Frau auf der Bühne zu stehen?

Joswig: Ich erzähle ihnen mal eine Geschichte: Vor Jahren haben wir in einem Stück zusammen gespielt, bei dem fast jede Szene mit einem Geschlechtsakt endete. Das wurde natürlich nicht gezeigt. Nach ein paar Tagen fragte ich meine Frau: Hast du gemerkt, dass wir uns auf der Bühne nicht richtig küssen? Beim Schauspielen sind wir Profis, da wird der private Bereich ausgeklammert.

Sie machen derzeit vor allem Serien und Filme. Warum wollen Sie immer wieder Theater spielen?

Joswig: Auf der Bühne ist für uns Schauspieler der große Reiz, dass wir im direkten Kontakt mit dem Publikum sind. Das ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Man spürt, ob das Publikum distanziert oder aufgeschlossen ist. Das Drehen ist eine ganz andere Sache. Die Kamera ist das Auge des Publikums. Und die ist sehr nah dran. Das ist der Nachteil beim Drehen, die Distanz zum echten Publikum.

Sie sind in der DDR groß geworden und konnten 1987 letztendlich auf ihren Antrag hin ausreisen. Wie stehen Sie zu dieser Zeit?

Joswig: Ich habe gute Erinnerungen an die Zeit. Und sehr, sehr viele schlechte. Deshalb zählt der Tag der Ausreise zu den schönsten meines Lebens. Der Ausreiseantrag war bei mir ja ausschließlich politisch motiviert. Ich konnte dort nicht mehr atmen und nicht leben.

Wie lange sind Sie mit dem neuen Theaterstück auf Tour?

Wenzel: Wir sind seit Anfang März unterwegs bis zum 26. April. Mit den Auftritten in Amberg sind wir also fast am Ende unserer Tour. Drei Tage am Stück in einer Stadt zu bleiben, ist ein richtiges Highlight. Auf der Tournee ist man ja jeden Tag irgendwo anders. Manchmal weiß man gar nicht, in welcher Stadt man gerade ist. Deshalb freue ich mich wirklich sehr, dass wir gerade in Amberg so lange Zeit haben, diese wunderschöne Stadt zu erkunden. Ich freue mich auf die Altstadt mit der Stadtmauer und die gemütlichen Cafés. Das ist ein schöner Abschluss unserer Tour.

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Die Komödie "Wanja und Sonja und Mascha und Spike" unter der Regie von Kay Neumann spielt am Freitag, 22., Samstag, 23. und Sonntag, 24. April (19.30 Uhr) am Stadttheater Amberg. Kurz vor dem Beginn jeweils um 18.45 Uhr geben Theaterberaterin Katrin Körtge und Schauspieler Rüdiger Joswig eine Einführung. Karten gibt es bei der Tourist-Information Amberg unter Telefon 09621/10-233.
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