Interview mit Urban Priol
In den Schuhen aus Amberg

Im täglichen Aktualisierungswahn: Urban Priol steht am Samstag, 12. November, mit seinem Programm "Jetzt. - schon wieder aktueller" auf der Bühne im ACC. Bild: Axel Hess
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
08.11.2016
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Zum Frühstück gab es ein leckeres Käsebrot, dann folgte das Pflichtprogramm eines jeden Kabarettisten: die tägliche Medienschau mit Fernsehen, Zeitung und Internet. Was Urban Priol an diesem Morgen auch noch machen musste: ein Telefon-Interview.

Am Freitag saß der gebürtige Aschaffenburger noch allein im Gästehaus des Münchener Lustspielhauses, am Samstag, 12. November, steht er ab 20 Uhr im fast ausverkauften Amberger Kongresszentrum mit seinem Programm "Jetzt. - schon wieder aktueller" (Karten gibt's zwischen 23,85 bis 31,75 Euro bei der AZ, Mühlgasse 2) auf der Bühne.

Wie aktuell ist ihr Programm?

Urban Priol: Pro Vorstellung kommen meistens immer so 10 bis 15 Minuten neue Sachen rein, dafür müssen nicht aktuelle Sachen raus. Gestern war es extrem. Ich musste noch kurz vorher die Maut mit reinbringen, die ein Tag vor dem CSU-Parteitag als Geschenk von Herrn Juncker auf Dobrindt zugerollt wurde. Der größte Unsinn seit dem Turmbau zu Babel.

Wie schreiben Sie Ihre Gags?

Ich schreibe sie auf. Ganz analog. Ich hab 'ne kleine Kladde. Da schreib ich jeden Tag rein, was mir einfällt, was mir auffällt, was mich aufregt. Dieses kleine Büchlein hält einen Monat, dann ist es voll. Dann pflege ich es in den Computer ein und das gibt dann so 30 bis 40 Seiten an Ideen und kleinem Kram. Das ist ein ständiger Working Process wie man so schön sagt. Eigentlich eine Dauer-Baustelle.

Hatten Sie mal einen Tag, an dem Sie keinen aktuellen Gag fanden?

Nein. Nie. Und wenn mir in der großen Politik nix Aktuelles aufgefallen ist, dann ist mir draußen im Leben was passiert, was ich mit aufnehmen konnte. Zum Glück. Da muss ich gleich auf Holz klopfen. Seit ein paar Jahren ist es mit der Überflutung durch die neuen Medien sowieso unglaublich geworden. Das macht es auf der einen Seite sehr viel arbeitsintensiver. Auf der anderen Seite abwechslungsreicher.

Was erwartet die Amberger?

Es wird eine wilde Reise durch den täglichen Wahnsinn. Eine fröhlich-witzige Bestandsaufnahme. Sowohl politisch als auch gesellschaftlich.

Gibt es in ihrem Programm auch lokale Themen?

Ich reise immer so früh an, das ich mich in dem Ort umgucke, ob mir was auffällt und versuche das auch mit einzubauen. Aber nicht so, das ich mich anbiedere, indem ich etwas umschreibe, was in der nächsten Stadt so ähnlich klingt. Das muss dann schon so etwas sein, worüber ich selbst lachen kann. Also wenn Sie einen Skandal für mich haben, zögern Sie nicht.

Ja, hätte ich. Es gibt da zum Beispiel eine geplante Tiefgarage ... aber das würde jetzt zu weit führen. Man kann den Herrn Priol am Vormittag des 12. November also in der Innenstadt zufällig treffen?

Ja. Moment, ich gucke mal, wo ich am Tag vorher bin. Nürnberg. Also ja, auf jeden Fall.

Sie imitieren gerne. Gibt es jemanden, der Ihnen besonders liegt?

Die, die ich kann, mag ich alle. Im Augenblick ist mir der etwas seltsam konservativ katholische grüne Kretschmann am liebsten, weil man ihn auf alles anwenden kann. Den hab ich vor kurzem entdeckt und den bau ich als Running Gag ein.

Das Kongresszentrum wird bei Ihrem Auftritt nahezu ausverkauft sein. Die Agentur teilte mit, das nur noch 50 Plätze frei sind.

Das ist toll, ja. Aber man darf sich nicht auf dem Erfolg ausruhen und drei Jahre das Programm nicht ändern. Da muss man dranbleiben. Aber es freut mich sehr und ich wache jeden Morgen mit einem großen Dankbarkeitsgefühl auf.

Funktionieren die Witze in verschiedenen Regionen gleich?

Es kommt drauf an. Ich war gerade vier Tage in Sachsen und Brandenburg. Viele fragen: Machst Du da auch was mit Pegida? Aber klar, wettere ich da auch.

Finden die Leute das lustig?

Es gibt Regionen, in denen der Witz ein bisschen dauert. Die Leute aus Westfalen zum Beispiel brauchen ein bisschen, um reinzukommen. Aber die Themen, die Menschen aufwühlen, sind eigentlich immer gleich.

Ihre Erinnerungen an die Oberpfalz?

Ich habe einen alten Schulfreund. Der wohnt in der Gegend, mit dem treff ich mich nachher und ich habe schon zweimal Schuhe in Amberg gekauft. Es waren Turnschuhe. Sehr seltene. Besonders von der Form her. Die waren so auf 70er gemacht. Aber vielleicht waren sie auch Original und lagen seit den 70ern da.

Wenn Sie nicht Kabarettist geworden wären, dann ...

... hätte ich was mit Autos gemacht. Da ich mir mein Studium mit Taxifahren verdient habe, finde ich die Kombi von Menschen und Autos toll.
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