Jazz-Matinee in der Bibliothek
Swing und Bing sind ihr Ding

Kein Regen, angenehme Temperaturen und Musik, die einen nicht kalt lässt: Das Jazzfrühstück im Innenhof der Stadtbibliothek traf genau den Geschmack des zahlreichen Publikums. Bild: Steinbacher

Nicht zu heiß oder zu kalt präsentierte sich das Wetter bei der Jazz-Matinee, die in der Stadtbibliothek mittlerweile Kultstatus hat. Zu hören waren Swing und Bing. Also Lieder von Bing Crosby.

Von Marielouise Scharf

Amberg. Darüber freuten sich die vielen Gäste im Hof wie Bücherei-Chefin Bettina Weisheit. Mit ihrem Team servierte sie ein Jazz-Frühstück mit allem Pipapo: swingenden Jazz und kalt-warme Köstlichkeiten, erfrischende Getränke und mitreißende Musik. Unter aufgespannten Sonnenschirmen und an den mit Rosen dekorierten Tischchen fühlte sich das munter applaudierende Publikum bei "Swing to Bing" richtig wohl.

Beifall und Anerkennung haben sich Jörg Seidel (Gesang, Gitarre, Moderation), Bernhard Pichl (Piano), Rudi Engel (Bass) und Florian Kettler (Schlagzeug) wirklich verdient. Mit ihren Interpretationen der Songs aus der Bing-Crosby-Ära trafen die Musiker voll ins Schwarze. Crosby, Typ Lieblingsschwiegersohn, war einer der erfolgreichsten US-Sänger des vergangenen Jahrhunderts.

Mit seiner samtweichen Bassbariton-Stimme gilt Crosby heute noch als Mastermind, als Superhirn der Vokalisten. Er wurde viel kopiert und von Stars wie Frank Sinatra oder Dean Martin bewundert. Dabei habe er nicht selbst komponiert, wohl aber einige Texte geschrieben. In vielen seiner rhythmisch, lebendigen Titel präsentierte er sich auch als meisterhafter Scat-Sänger, wusste Jörg Seidel, der nach Amberg gereiste Jazzmusiker aus Bremerhaven. Mit etlichen Nummern demonstrierte er seine eigene Meisterschaft dieser speziellen Form. Das improvisierte Singen von Silben, melodisch aneinandergereiht, ohne Sinn und Wortbedeutung, beherrschte er perfekt. Seine variable Stimme benutzte er als Instrument und erzeugte damit rhythmisch-swingende Spannung.

Wenn er mit schmeichelnder Stimme wissen wollte: "Where are you, Girl of my Dream?", gab er gleich darauf mit wohl geübten Akkordgriffen auf der Bluesgitarre die Antwort und beschrieb sein Traummädchen mit dem 1930-er Hit: "Exactly like you". Treff- und stilsicher waren auch seine Kollegen. Sie lieferten alles, was man braucht für tolle Musikerlebnisse: coole Arrangements, klasse Sound und fantastische Soli. Keiner drängte sich in diesem ausgezeichneten Ensemble in den Vordergrund.

Jeder wusste, was er kann, und das rief er punktgenau ab. Bernhard Pichl, der sein Instrument perfekt beherrscht, präsentierte sich als grandioser Tastenvirtuose. Mit kurzen Blickkontakten, einem knappen Lächeln, verständigt man sich untereinander. Mal virtuos und immer voller Energie rückte Rudi Engel den wuchtigen Bass in den Mittelpunkt. Technisch ausgefeilt sein Spiel, swingend jazzig die Aussage. Florian Kettler, der Jüngste im Team, bewies ebenfalls Klasse, hatte Rhythmus im Blut.

Im Innenhof der Stadtbibliothek katapultierten die vier Jazzer musikalisch kraftvoll und in Vollendung Geschichten von Gefühlen und Sehnsüchten ins mitswingende Publikum. So bleibt dieses "Jazzfrühstück mit Swing to Bing" in den Köpfen der Amberger Jazzbegeisterten sicherlich als schöne Erinnerung haften.
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