Kabarettist mit Leib und Seele: Christian Springer rüttelt mit Wortspiel und Witz auf
Kein leichtes Trallalla

Seit drei Jahren ist Christian Springer zusammen mit Michael Altinger Gastgeber der monatlichen BR-Kabarett-Sendung "Schlachthof". Im Amberger Congress-Centrum überzeugt er mit seinem Soloprogramm "Oben ohne".
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
23.02.2016
143
0

Von Marielouise Scharf

Amberg. Zu seinem Bühnenprogramm mit dem Titel "Oben ohne" behauptet Christian Springer im ACC: "Alles ist wahr, jedes Wort!" Christian Springer hat Stil - seinen eigenen, unverkennbaren und feinfühligen. Er reiht nicht eine Schenkelklatscher-Pointe an die andere. Er entwickelt Episoden, erfindet Situationen und vernetzt mit Großkopferten wie Kleinkarierten, mit Erfolgstypen wie Hilfsbedürftigen.

Heiliger St. Windradl


Aus der Kiste "Vergangenheit" fischt er den Heiligen Sankt Windradl, den ersten Märtyrer aus Römerzeiten. Mit einem Energiewende-Feiertag am 1. November, abgeleitet vom Maibaumritus, ließe sich die Energiewende in Bayern sicherlich schmackhaft machen, so sein Vorschlag. "Initiationsriten" entdeckt er im Baumarkt, jenem allerletzten Rückzugsort für starke Männer vor der "Strong Woman", gemeint ist Merkel.

Ebola, Euro, Ukraine, Griechenland, Flüchtlinge, Terror - alle vier Wochen werde eine neue Sau durchs Dorf getrieben. "Die nächsten Probleme schlummern bereits in der Schublade", prophezeit Springer. Verwirrende Wortspiele, gewollte Versprecher, witzige Einfälle gehören zu seinem Programm. Mit diesen Stilmittel deckt er Missstände auf und kann so Tatsachen eindringlich erklären. Legeres Sakko, Weste und Hemd über Jeans, so steht Springer fast den ganzen Abend lang in der Mitte der Bühne. Den perfekten Sitz der Hose korrigiert er immer mal wieder mit schnellem Griff. Korrigieren würde er auch gerne die Einstellung der Deutschen, die in einem so wohlhabenden Land wohnen. Eine öffentlich inszenierte Überführung des Bundesschatzes in Form von Goldbarren aus den USA nach Deutschland könne den enormen, wenn auch schlecht verteilten Reichtum, bewusstmachen.

"Landesvater, cool down"


Springer spricht aus, was andere denken, regt an, bohrt nach, schreibt auf, liest vor: "Was ist eigentlich, wenn es nur an guten Lösungen fehlt?" Solche Fragen zur Flüchtlingsproblematik richtet er in einem 80-Seiten langen Brief an Horst Seehofer. In Buchform mit dem Titel "Landesvater, cool down" bringt der Autor den Text in der Pause unters Volk. "Es wäre nicht das erste Mal, dass sie sich irren", schreibt er Bayerns Chefpolitiker darin ins Stammbuch.

Die Beiträge des Kabarettisten sind menschlich, weil er mit Leib und Seele für seine Überzeugung einsteht. 2012 gründete er den Verein Orienthelfer (www.orienthelfer.de), der syrische Flüchtlinge derzeit hauptsächlich im Libanon unterstützt. Kein leichter Trallalla-Abend fürs Publikum im nur halb besetzten Amberger Congress-Centrum. Es ist jedoch eine intensive Begegnung, die mit viel zustimmendem Applaus belohnt wird.
Weitere Beiträge zu den Themen: Kabarett (100)ACC (108)Christian Springer (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.