„Kathedrale der Fische“ im Foyer
Inszenierung mit Spielraum

Jörg Schemmann überzeugte das Amberger Vernissagepublikum genauso wie die Juroren des Kunstpreises der Nürnberger Nachrichten mit seiner aus drei Bildern bestehenden Arbeit "Kathedrale der Fische". Dabei nimmt er den Betrachter mit und lenkt raffiniert den Blick vom Seegrund in Richtung Himmel. Bild: Steinbacher

Eine Vernissage ist normalerweise keine Andacht. Aber die Eröffnung der Foyer-Ausstellung im Amberger Stadttheater mit Arbeiten von Jörg Schemmann fällt am Donnerstagabend gehörig aus dem sonst üblichen Rahmen. Es ist der Künstler selbst, der in seiner Einführung die Verbindung von sakralem Raum, modernem Theater und bildender Kunst herbeiführt. Schließlich ist das heutige Amberger Stadttheater ja in der ehemaligen Kirche des Franziskanerklosters untergebracht. Da passt das preisgekrönte Triptychon "Die Kathedrale der Fische" wie ein raumgreifendes Altarbild hervorragend in die Sanktuarium-Nische.

Einladung zur Meditation


An den Wänden der einst frommen Halle laden wie bei einem Kreuzweg-Bilderzyklus 14 Stationen mit Gemäldezeichnungen zur Meditation ein. Auf der Empore zum ersten Rang begrenzt das Gemälde Nr. 5348 den Kunstprozessionsweg. "Seerosen", so ist diese Acryl-auf-Leinwand-Arbeit im Katalog zur Ausstellung, der wie ein kleiner Kirchenführer aussieht, aufgelistet.

Wie eine Andacht lässt sich diese Ausstellung erleben. Wie eine "moderne Inszenierung mit breitem Interpretationsspielraum", meint dazu der Regensburger Künstler Jörg Schemmann. Er erhielt 2016 für die "Kathedrale der Fische" den "Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten ", der zu den höchstdotierten Auszeichnungen in Nordbayern zählt. Sowohl die ästhetische Qualität seines Werkes wie sein künstlerisch-handwerkliches Niveau wurden von der Jury hervorgehoben. Das gewürdigte Werk, das laut Schemmann, "jüngst in den Adelsstand erhoben wurde", ist das Herzstück einer Gruppe von "Unterwassergemälden" die der Künstler für die Amberger Ausstellung konzipiert hat.

Fische sind nun allerdings keine zu entdecken, weder auf den großen, noch auf den kleineren Arbeiten. Dafür aber Seerosenblätter- und Stängel im Unterwasserfarbdreiklang Blau Grün Gelb. Form und Raum verbinden sich mit Licht und Lichtspiegelungen zu mystischer Transparenz. Himmlisches Leuchten öffnet das Sehen und lenkt den Blick nach oben und in eine schwerelose Tiefe. Sparsame Rotschattierungen erden die fantasievoll-feierlichen, naturnahen Kompositionen.

Licht und Schatten


Zeigten Schemmanns Bilder früher vorwiegend Blatt, Baum und Busch, so taucht er jetzt unter Wasser und spürt dort dem Spiel von Licht und Schatten nach. Im Katalog schreibt er: "Der Glaube an die Natur als erhaltenswerte Größe, in der Anteilnahme am Werden und Vergehen seiner Naturumgebung, will der Mensch zum Göttlichen zurückfinden. In diesem Zusammenhang sind auch die hier gezeigten Naturgemälde zu sehen, die man in ihrer ganzen Tiefe wohl eher durch Mystik als mit dem Verstand erschließen kann".

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Die Ausstellung ist bis 19. Mai 2017 bei Veranstaltungen im Stadttheater im oberen Foyer jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn zugänglich.
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