Kinder-Theaterfestival im Jugendzentrum Amberg
Doppelt hält besser

Seit 25 Jahren sind sie gemeinsam mit ihrem freien Theater unterwegs: Ute von Koerber (links) und Tania Feodora Klinger. Hier als schlafendes doppeltes Lottchen. Bild: Steinbacher

Nur ein Kästchen steht auf der Bühne. Auf den ersten Blick sieht es wie eine einfache Kommode aus. Doch damit begeistern die Schauspielerinnen von Feuer und Flamme beim Kinder-Theaterfestival. Das Publikum staunt, in was sich der kleine Kasten alles verwandeln kann.

(pwim/phl) "Das ist ja, wie in einen Spiegel zu gucken", stellen Lotte und Luise verblüfft fest, als sie sich in einem Ferienheim zum ersten Mal gegenüber stehen. Schnell finden sie heraus, dass sie sich nicht nur ähnlich sehen, sondern auch am gleichen Tag und Ort geboren wurden. Sie sind Zwillinge und wurden von ihren Eltern bei deren Scheidung getrennt. "Die hätten uns fragen müssen und dann hätte ich Nein gesagt", schimpft Luise. "Da konnten wir doch noch gar nicht reden", wendet die schüchterne Lotte ein. "Ich hätte trotzdem Nein gesagt", entgegnet Luise. Die beiden hecken einen Plan aus, um ihre Eltern wieder zusammenzubringen. Ihre Idee: ein Rollentausch.

Tania Feodora Klinger und Ute von Koerber schlüpfen für ihre Aufführung des doppelten Lottchens am Dienstag im Jugendzentrum nicht nur in die Rollen von Luise und Lotte. Sondern sie spielen auch Mama und Papa, die neue Freundin von Papa und viele andere Charaktere. Durch Fotos und andere Tricks veranschaulichen sie die Wechsel für die Viertklässler.

Kein gewöhnlicher Schrank


Nach der Aufführung nimmt die Kinderjury den mysteriösen Kasten noch einmal ganz genau unter die Lupe. Denn der wird während des Stücks für allerlei genutzt. In der Nacht zum Beispiel dient er Lotte und Luise als Bett. Beim Spielen ziehen die beiden einen der Griffe heraus und ein Springseil kommt zum Vorschein. Wenn Lotte tanzen will, wirft Luise einfach eine Münze in das oberste Schlüsselloch und der Kasten verwandelt sich in eine Jukebox. Sogar Fotos kann der Schrank ausdrucken.

Auch zwei Telefone befinden sich in den Schüben. So können die Zwillinge bei ihrem Rollentausch in Kontakt bleiben. Als Luise alias Lotte für ihre neugewonnene Mama kochen soll, wird der Schrank zur Küche. Bei ihren ersten Kochversuchen könnte die chaotische Luise dringend die Hilfe ihrer Schwester brauchen. Da wird vor lauter Hektik schon mal das Salz in den Schub statt in den Topf geschüttet. Auch das wird von der Jury nach der Aufführung gleich überprüft. "Das müssen wir dann wieder aussaugen", erklärt Koerber. Ein Jurymitglied will noch wissen, wo der Kaugummi im Stück plötzlich her kam. "Den hab ich schon vorgekaut und dann in einem der Schübe versteckt", gibt die Schauspielerin zu.

Nicht "nur" Kinder


"Die beiden Mädchen nehmen ihr Leben selbst in die Hand", schildert Koerber der Kinderjury nach der Aufführung die Bedeutung des Stücks. Auch heute ist die Geschichte der getrennten Zwillinge von Erich Kästner noch aktuell und hat einen ernsten Hintergrund, nämlich die Selbstbestimmung von Kindern. Obwohl Lotte erst zweifelt: "Das dürfen wir doch gar nicht. Wir sind doch nur Kinder", fasst Luise Mut: "Nur? Das werden wir ja sehen."

Das sagen ZuschauerKinder aus dem Publikum erzählen, was ihnen am Theaterstück besonders gut gefallen hat.

Carla (10): Ich fand am besten, wie der Hund vom Doktor erkannt hat, dass Luise gar nicht Luise ist.

Alex (9): Am lustigsten war das Kochen.

Anna (9): Die Schauspielerinnen waren gut und die Musik war auch cool. Besonders lustig war das Kochen. (pwim/phl)
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