Klaus Kinski als kranke Klappmaulpuppe

Der "eingebildete Kranke" sah aus wie Klaus Kinski, Toinette erinnerte an Marianne Sägebrecht. Es war hohe Kunst vor fast leeren Rängen des Stadttheaters Amberg, die das Theater "Salz und Pfeffer" zeigte. Bild: Steinbacher

Molières "Der eingebildete Kranke" wird im Amberger Stadttheater zum gruftigen Totentanz. Und immer mit dabei: Klaus Kinski.

Keine Ahnung, ob Klaus Kinski jemals den Monsieur Argan gespielt hat. Verrückt genug wäre er dafür ja gewesen. Auch so selbstbezogen und unsicher, so kindlich-störrisch, wie das Argan ja nun mal sein muss. Sollte Kinski zu Lebzeiten dennoch nichts mit Molières "eingebildetem Kranken" am Hut gehabt haben, hat er schlichtweg Pech gehabt. Als Untoter ist er am Samstag nämlich im Amberger Stadttheater auf die Bühne zurückgekehrt - natürlich in der Rolle des ewig hypochondrischen Argan. Dabei war die Klappmaulpuppe, die aussieht wie Klaus Kinski und sogar den für ihn so typischen Schwung mit der Haartolle drauf hat, nur eine von vielen kleinen Überraschungen, die das Theater "Salz und Pfeffer" aus Nürnberg in den Klassiker eingebaut hat. Toinette etwa erinnerte verdammt an Marianne Sägebrecht, Thomas Diafoirus an Ben Becker und Angélique kam als Marylin-Manson-Verschnitt, mindestens aber als szenetypischer Grufti daher. Puppendesigner Peter Lutz hat da ganze Arbeit geleistet.

Lebendig, dieser Kranke

Die eigentliche Leistung aber war es, die insgesamt acht Charaktere auf der Bühne derart auf den Punkt lebendig werden zu lassen. Wally und Paul Schmidt, die beiden Menschen hinter den Puppen, schafften dabei noch die subtilsten Differenzierungen und jonglierten nachgerade virtuos mit ihren Geschöpfen aus Holz und Stoff. An Lebendigkeit ließ diese zugegebenermaßen stark gekürzte Fassung des "Kranken" jedenfalls nichts zu wünschen übrig.

An intellektuellem Anspruch auch nicht. In der Regie von Pierre Schäfer entstand ein stimmiger Mix aus moralischer Läuterungskomödie und veritablem Totentanz. Das barocke "Sich-lustig-machen-über-den-Tod", mit dem Molière so gekonnt spielt, fand sein postmodernes Pendant in einem raffinierten Kniff: Aus Berald, Argins Bruder, wird in dieser Nürnberger Puppentheater-Fassung ein imaginärer Zombie, der offenbar nur in der Fantasie des vermeintlich Kranken existiert und der eigentliche Grund für seine Hypochondrie ist. Er, der Zwillingsbruder, ist nämlich bei der Geburt gestorben und lastet seit dem schwer auf Argins Gewissen.

Das ist ein ziemlich raffinierter Kniff, für den man sich da entschieden hat, der dem Stück eine Wende hin zu einem psychologisch-moralischem Moment gibt, den man so wohl nicht erwarten durfte. Auch deshalb war dieses Puppentheater am Samstag verdammt nah dran an der Bühnenrealität des, sagen wir einfach mal Menschen-Theaters.

Die Ränge: leer

Schade nur, dass sich so wenige Amberger diese ebenso kluge wie amüsante Inszenierung ansehen wollten. Derart leer dürfte das Theater wohl eher selten sein. Offenbar hielt so mancher dieses Gastspiel für Kinderkram und rechnete erst gar nicht mit jenem rasanten Theaterabend, den es dann zu erleben galt.
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