Kolumne: OTon
Als mich die Nachricht der Scheidung von Homer und Marge Simpson erreichte

Staffel für Staffel streiten und freuen sich Homer und Marge miteinander. Vor einiger Zeit war allerdings von Scheidung die Rede. Zum Glück war an den Gerüchten nichts dran, wie sich herausstellte.
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
15.07.2016
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Mit den Nachrichten ist das so eine Sache. Früher waren sie kurzlebig. Zeitung, Fernsehen und Radio informierten über Neues. Der Großteil war spätestens nach ein paar Tagen vergessen. Heute ist das anders. In der digitalisierten Welt verkeilen sich Nachrichten und erscheinen mitunter Wochen oder Monate später in irgendeiner Timeline der sozialen Netzwerke. Oder sie werden ganz zufällig entdeckt.

Mich hat so eine Nachricht nun auch erreicht – mit einer ordentlichen Verspätung. Trotzdem traf sie mich mit einer solchen Wucht, als hätte mir der Hulk einen Linienbus auf den Schädel gehämmert. Da lese ich doch tatsächlich, dass sich Homer und Marge scheiden lassen wollen. Nach so vielen Jahren der Ehe. Zum Glück hat sich nach etwas Recherche herausgestellt, dass es sich dabei nur um eine Ente handelt. Homer schnarcht und rülpst auch die kommenden Staffeln an der Seite seiner geliebten Marge. Als bekennender Simpsons-Fan und Journalist musste ich den Schock dennoch irgendwie verarbeiten. Ich habe das mit folgender farbenfroher Erzählung gemacht:

Ein Märchen in Gelb


"Es war einmal ein Märchen in Gelb. Vorbei. Als Homer Simpson eines Morgens aus unruhigen Träumen erwacht, findet er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Ein noch ungeheureres, als es viele in ihm schon immer sahen. Sein Hemd ist donutverschmiert. Rosaglitzernde Flecken zieren es. Im Haus in der Evergreen Terrace dominiert die Farbe Bierflaschenbraun, weil es aussieht wie ein Duff-Müll-Endlager.

Der Grund trägt die Farbe Blau. Ein wundervolles blau. Kein langweiliges Konferenzstuhlblau und schon gar kein fades Taubenblau. Nein, ein herrliches Traubenblau. Ein Blau, das von Marges Kopf gen Himmel wächst und so hoch ist wie Homers Liebe zu dieser Frau. Diese Frau, die sich nun von Homer scheiden lässt. Diese Frau, die nach 27 Staffeln treuer Zweisamkeit loszog, um Homer zu verlassen. Seitdem stellt er sich immer wieder die Frage: Wie konnte Marge nur zu ihren Schwestern ziehen? In diese verqualmte Wohnung mit den viel zu kleinen Fenstern? Leere. Unverständnis. Wut.

Nicht nur bei Homer. Auch bei den Simpsons-Fans. Sie müssen die Worte Treue und Liebe aus ihrem kollektiven Gedächtnis streichen. Millionen Zuschauer sitzen vor dem Fernseher und weinen in ihre Kissen. Farblose Tränen erzählen vom Ende des Märchens in Gelb."

OTon Wir sind junge Mitarbeiter des Medienhauses „Der neue Tag“. Im „OTon“ werden wir in losen Abständen über das berichten, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.
Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.
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