Komisches aus dem Wienerwald

Jeder für sich ist eigentlich ein Meister seines Fachs, doch alle zusammen taten sich schwer: Das Wiener Cello Ensemble 5+1 gastierte im Amberger Stadttheater und bot einen eher durchwachsenen Musikgenuss. Bild: Steinbacher

Das Wiener Cello Ensemble 5+1 strandet an der schönen blauen Vils in Amberg. Doch hier wuchs leider nicht so recht zusammen, was eigentlich zusammengehört.

Vorsicht, Klassik! So betitelten die Philharmonischen Cellisten Köln ihre Konzerte mit Dieter Hildebrandt. Die Liaison zwischen souveränem Spiel, perfekter Dramaturgie, tiefschürfendem Witz und tollen Arrangements ist legendär.

Eigentlich meisterhaft

Wie schwer das letztlich ist, zeigte der Auftritt des Wiener Cello Ensemble 5+1. Meister ihres Fachs mit ellenlangen Referenzen hatten sich da versammelt: Bernhard Naoki Herdenborg, Sebastian Bru (fingerflinke linke Hand, tenoraler kehlig-enger Klang bei Tschaikowskys "Pezzo Capriccioso"), Florian Eggner, Milan Karanovic (herausragend warmer, fülliger Celloton) und Joanna Sachryn.

Als etwas ungelenker Moderator am Cello und leider auch am Klavier agierte Gerhard Kaufmann, der Initiator des Ensembles. Viele seiner freundlich genuschelten Worte gingen unter. "Auch in Amberg sind schon vereinzelt Mikrofone gesichtet worden!" hätte man ihm zurufen wollen. Eher unfreiwillig bestätigte er die Warnung, man könne bei Mozarts Klavierkonzerten (KV 467, langsamer Satz, ein Fremdkörper im Programm) zeigen, was man nicht kann.

Warum aber spielte man nicht das abgedruckte Programm? Des Rätsels Lösung: Die Musiker hatten ein neues vorbereitet und ein altes, vorweg versandtes, nicht gelesen. Das zeigt ein immerhin unaufdringliches Interesse an fruchtbarer Musikvermittlung. Die drei Bäche (BWV 565, 1043/2, 1051/3) schienen wie mit schwerem Gerät und Schweiß durchpflügt. Es wuchs nicht immer zusammen, was zusammen gehört. Bei einem Cello-Arrangement rutschen die Stimmen in benachbarte Tonlagen und Klangregionen. Das ruft nach Transparenz erhaltender Klangregie, die hier nicht immer zu erkennen war.

Vergebens gehofft

Die Hoffnungen stützten sich auf den zweiten Teil. Doch der Versuch, zu viele populäre Melodien mittels einer aufgesetzten banalen Handlung zu vertackern, überzeugte wenig. Es wuchs nicht zusammen, was auch nicht zusammengehört.

Der Husarenritt ging von Summertime mit Hummelflug, die rasenden Noten doch durch Legato-Bogenstriche erleichtert. Von der Frau mit mehreren Nicknames (Isabella, Elise, Carmen) über den Säbeltanz bis zu Haydns "Abschiedssinfonie", um nur einige der epidemischen Ohrwürmer zu nennen.

Braucht ein konzerterfahrenes Publikum diese Ohrenkitzler? Die dramaturgische Inszenierung hinterließ den Eindruck eines schlecht geprobten Laientheaters: Ein Bündel spanische Klischees geschnürt, eine Prise Klamauk drüber gestreut, schwelende statt zündende Einfälle, etwas Leerlauf. Wie man hört, gibt es in Wien Schauspieler und Regisseure, die assistieren könnten. Verdienten Applaus bekam die Kurzversion des Ravel'schen "Bolero". Vier Spieler an einem einzigen Cello - ein Hingucker.

Vergessen wir nicht, wie virtuos die Cellisten ihr Metier beherrschen: Intonation, hohe Lagen, rasche Tempi. Sie wuchsen nicht so zusammen, wie es sich gehört, und brillierten nicht so, wie sie es könnten.
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