Konzert von Peter Seidl und Charly Misler
Begeisterung trifft Nachdenklichkeit

Treffen sich ein Gynäkologe und ein Oberstudiendirektor. Das ist nicht der Beginn eines schlechten Witzes, sondern der eines guten Konzerts. Eines sehr guten. Mit traurigem Hintergrund.

Von Wolfgang Ruppert

Amberg. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Das stellten Peter Seidl, Leiter des Erasmus-Gymnasiums, und Frauenarzt Karlheinz "Charlie" Misler bei ihrem Auftritt in der Buchhandlung Mayr eindrucksvoll unter Beweis. Dabei klingt eine Kombination aus Gitarre und Klavier zunächst nicht sonderlich außergewöhnlich.

"Mit diesem Auftritt begehen wir sozusagen absolutes Neuland. In dieser Konstellation haben wir vorher noch nie zusammen gespielt", erklärte Peter Seidl und ergänzte: "Meine Musik schreibe ich ausnahmslos in deutscher Sprache oder in Mundart. Obwohl ich Anglistik studiert habe, finde ich, dass man gewisse Feinheiten in unserer Sprache besser zum Ausdruck bringen kann."

Für ihn hat die Musik eine begleitende Funktion. Im Fokus stehen Gedichte, die musikalisch untermalt werden sollen. Karlheinz Misler hingegen singt seine Lieder allesamt in Englisch. Auch die Herangehensweise, wie er ein Lied formt, ist eine andere. "Bei verschiedenen Gelegenheiten kommen mir immer mal wieder ein oder zwei Zeilen in den Sinn. Das baue ich dann nach und nach so aus, bis ein ganzer Song entsteht." Dass die beiden Musiker zueinandergefunden haben, hat jedoch einen traurigen Hintergrund.

"Der Gitarrist meiner Band ist vor einigen Wochen, mit nur 43 Jahren, von uns gegangen", bedauerte Peter Seidl. Da es die Musikgruppe nun nicht mehr gibt, möchte er jetzt wieder von vorne anfangen. Zur Unterstützung holte er sich seinen alten Freund Karlheinz Misler mit ins Boot. "Wir haben uns getroffen. Jeder hat von sich selbst zweimal drei Lieder mitgebracht, die wir heute zusammen spielen", ließ der Schuldirektor wissen. Seine ersten beiden Stücke bezeichnete Seidl als musikalische Trauerarbeit. Das Lied mit dem Titel "Herbstblatt im Wind" widmete er seinem verstorbenen Freund.

Neben der Erinnerung an die menschliche Vergänglichkeit machten Seidls Lieder aber auch Hoffnung und gingen den Zuhörern deswegen unter die Haut. Im Kontrast standen dazu humorvolle Passagen, Lieder über Beziehungen und das Erkennen wichtiger Dinge. Durch die Mischung aus Folk- und Jazz-Songs entstand ein musikalisch bunter Abend, der das Publikum zum Nachdenken anregte und gleichzeitig begeisterte.
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