Konzertereignis der Extraklasse: Herbert Schuch spielt Schubert und Janácek im Stadttheater ...
Orchester aus dem Hut gezaubert

Seine Konzertstationen sind Paris, Brüssel, Salzburg, Düsseldorf, München. In Amberg begeisterte Herbert Schuch mit dem 4. Teil des Schubert-Janacek-Zyklus "Der Wanderer". Bild: Steinbacher
Längst gehört er zu den bekanntesten deutschen Pianisten seiner Generation. 2013 und 2012 erhielt er für seine CD-Einspielungen jeweils einen Echo-Klassik. Seine Schubert/Janácek-CD wurde vom renommierten BBC-Music-Magazine mit 5 Sternen dekoriert. Er spielt mit berühmten Dirigenten und Orchestern, wie dem London Philharmonic Orchestra oder den Bamberger Symphonikern und er bereist die Welt. In der Saison 2014/15 wird Herbert Schuch auf Einladung des Palais des Beaux-Arts in Brüssel in der neuen Konzertreihe "Porträts" fünf Mal zu Gast sein.

Außerdem präsentiert Schuch seinen Zyklus aus sechs Konzertprogrammen mit Werken von Franz Schubert und Leos Janácek an verschiedenen Orten, unter anderem im weltberühmten Mozarteum Salzburg und - man staune - auch im Stadttheater Amberg. Am Sonntagabend präsentierte er das vierte Programm dieses Zyklus: überschrieben "Der Wanderer".

Er ist also ein ganz Großer der Klassikszene, der da auf der Bühne steht - und viel zu viele Amberger haben die Chance verpasst, so eine Koryphäe live zu erleben! Der Bühnenhintergrund ist rot ausgeleuchtet. Auf goldenen Rollen steht der schwarzglänzende Konzertflügel. Hochglanz auch bei Schuchs Auftritt: bescheiden, aber künstlerisch gigantisch! In einem Geniestreich verwebt er die Stücke von Leos Janácek "Im Nebel" und "Auf verwachsenem Pfade", mit Franz Schuberts "Wandererfantasie", "Ungarische Melodie" und "Impromptus für Klavier op. D 899", ohne ihnen Individualität und Identität zu rauben. Er steigt ein in die Kompositionen, radikal und ohne Scheu. Er legt Besonderheiten frei und interpretiert intensiv. Sein Spiel reißt mit, sein Feuer lodert und die Flammen der Begeisterung greifen ganz schnell über aufs Parkett.

Staunendes Publikum

Dort staunt das Publikum über die Raffinesse seines Spiels, wie er geradezu ein ganzes Orchester aus dem Hut, respektive Flügel, zaubert, wie er die Tasten ganz sanft, wie mit Schmetterlingsflügeln streichelt, oder bei Bedarf auch eine wilde Stampede losdonnern lässt. Er zupft und zittert, streichelt und stupst, haut und hechelt auf und über die Tasten. Ganz besonders und einmalig im Zugabenstück "Winnsboro Cotton Mill Blues" von Frederic Rzewski nachzuvollziehen. Schuch zählt zweifelsohne zu den allerbesten seiner Zunft.

Sein Spiel kommt im technisch absolut perfekten Gewand daher und verzichtet auf verwässernde oder kitschige Schubert-Klischees genauso wie auf ein rein akademisch-exzentrisches Janacek-Bild. Seine Stärken liegen in der kritischen und unbestechlichen Auseinandersetzung mit der Komposition sowie einer exzellenten, mutig-individuellen Umsetzung. Ein phänomenales Konzert, ein fantastischer Künstler, ein Konzertereignis der Extraklasse!
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