Krimispaß nach Agatha Christie
Die "Mausefalle" begeistert

Agatha Christie hätte wohl auch ihre Freude gehabt an dieser Umsetzung ihres Krimis "Die Mausefalle". Die Besucher im Amberger Stadttheater freuten sich über eine spannende, klug aufbereitete Geschichte.

So macht Figurentheater richtig Freude. Zum einen sind die Krimis von Agatha Christie seit jeher ein spannendes Vergnügen. Zum anderen war die Präsentation dieses Krimis durch das Nürnberger Theater "Salz und Pfeffer" so geschickt vorbereitet, dargestellt und über die Bühne gebracht, mit vielen witzigen Gags gespickt, dass die Spannung des Publikums bis zur letzten Szene dieser 70 Minuten nie einen Knick bekam.

Zwei ältere britische Damen hören im Radio von einem Mordfall in London. Angeblich soll ein weiterer Mordfall in einer kleinen ländlichen Pension stattfinden, zu deren Eröffnung sich Gäste eingefunden hatten. Und die beiden älteren Damen, herrlich schrullig zunächst von Wally Schmidt und Paul Schmidt dargestellt, testen ihre kriminalistischen Fähigkeiten bei der Aufdeckung, wer der Mörder sein könnte.

In Oxford-Englisch


Der tolle Gag dieser Aufführung war dabei, dass sich die beiden Detektivinnen zunächst wie im Original im gepflegten Oxford-Englisch unterhielten. Deren Unterhaltung wurde vom "Observator im Hintergrund" Steffen Kirchpfennig über Lautsprecher in groben Zügen auf deutsch verständlich gemacht. Die Personen der Handlung in der ländlichen Pension waren als große Handpuppen dargestellt, die von den beiden Spielerinnen bewegt wurden und die ihre Konversation in deutscher Sprache führten. Das war richtig gut gemacht. "Die Schmidt's" verstanden es, sowohl ihre englische Konversation so zu führen, dass auch der Sprache nicht hundertprozentig Mächtige folgen konnten, und sie wandelten sich in ihrer deutschen Artikulation so toll in die jeweiligen Figuren-Rollen, dass es einfach fesselnd war.

Eine schwäbelnde Ex-Richterin im Rollstuhl erschien in all ihrer juristischen Arroganz, das jungvermählte Wirtsehepaar mit so unterschiedlichen Vergangenheiten war glaubwürdig dargestellt, sächsische Kommunikation war zu erleben, und das alles wurde von den "älteren Damen" beweglich, mit teils akrobatischen Einlagen fesselnd dargeboten.

Ein altes Sofa, ein antiker Schrank, der als Eingangstür zur Pension diente, ein paar herumliegende Utensilien, mehr war als Kulisse nicht erforderlich. Und die Figuren waren in Gesichtsausdruck, Kleidung und Auftreten überaus gut gelungen. Und wie "die Schmidt's" diese Figuren zum Leben erweckten, wie sie die jeweiligen Auftritte flexibel und glaubwürdig "spielten", das war ganz große Kunst.

Einfach Klasse erdacht, beim "Verhör" durch den Polizisten die Figuren mittels Magneten an Fäden aufrecht zu stellen, das gab den zusätzlichen "Aha"-Effekt. Und ebenso gelungen die "Enthüllungs-Szene", die letztlich zur Überführung des Mörders, es war der Polizist selbst, führte. Gespannt und mit nie erlahmender Konzentration verfolgte das Publikum - die Veranstalter hatten klugerweise nur die Parkettreihen freigegeben - die Story und deren Dramaturgie.

Riesiger Applaus


Manches Bonmot erweckte Heiterkeit im Auditorium, aber die Faszination der phantasievollen Präsentation auf der Bühne wurde dadurch nie unterbrochen. Bis zur letzten Sekunde war es ein mit großem sprachlichen, darstellerischen und szenischen Können gelebter und absolut spannender Krimi, dessen Protagonisten mit riesigem, verdienten Applaus bedacht wurden.
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