Kunstprojekt wird vorgestellt
Die für Kunst durchs Feuer gehen

Schon ein wenig abgekühlt, aber immer noch mit Vorsicht zu genießen: Hanna Regina Uber und Yoan Tallee setzen die Kippvorrichtung vorsichtig ab.
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
27.05.2016
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Wie am Rande eines Vulkans - Bronze wird auf etwa 1100 Grad erhitzt, um dann in vorgefertigte Formen gegossen zu werden.

Es ist, als stehe man am Rande eines Vulkans. Aus Metall wird flüssige Lava. Rot glühend und unfassbar heiß. Ein wildes Fauchen übertönt jedes andere Geräusch. Aber weder tut sich die Erde auf, noch verdunkelt Asche den Himmel. Hier entsteht Kunst.

Und zwar von Hanna Regina Uber und Robert Diem. Aber: Vor die Kunst haben die Götter den Schweiß gesetzt - frei nach Hesiod. Das Künstler-Ehepaar ist mitten im Gussprozess für eine Bronze-Figur. Vollendet soll das anmutige Schwergewicht einmal die Station Amberg auf dem Kunstwanderweg Hirschwald zieren. Bei um die 1100 Grad entstehen hier Einzelteile, die bald zu einer fertigen Plastik zusammen gefügt werden.

Rot schimmernd


Kleinere Formen füllt Diem mit einer Kelle gefüllt. Für größere muss schweres Gerät aufgefahren werden. Der etwa eimergroße Bottich glüht bedrohlich in einer massiven Kippvorrichtung. Richtig positioniert ergießt sich die harmlos anmutende, rotschimmernde Bronze in die Formen. Die Stimmung ist konzentriert, gesprochen wird nur das Nötigste. Die Abläufe sind eingespielt - etwa 15 Jahre gemeinsame Erfahrung mit dem Gussverfahren bringen das mit sich. Trotzdem: Die Reaktion des heißen Werkstoffs auf kältere Gegenständen ist unberechenbar.

Als eine Form nur ein wenig überläuft, spritzt und raucht es infernalisch. Und es zischt, als wolle eine giftige Schlange vor sich warnen. Schließlich züngelt nur noch eine kleine Flamme auf der Gussform, die roten Bronzetropfen haben ein dunkles Grün angenommen.

Schweißtreibend


Diese schweißtreibende Arbeit geht in einer Kulisse vonstatten, die gegensätzlicher nicht sein könnte. Hanna Regina Uber und Robert Diem haben den Pfarrhof im Schatten des Aschacher Kirchturms zu ihrem "Kunstprojekt" umgebaut. Und werkeln noch weiter, gerade wird das Dach repariert.

Aber wie kommt eine Stuttgarter Pfarrerstochter und ein globetrottender Berliner in die katholische Oberpfalz. Wie so oft: Zufall. Uber kam vor 30 Jahren nach Kastl, um sich auf einem Künstlerhof zur Holzbildhauerin ausbilden zu lassen und dort für einige Jahre zu leben. Hier lernte sie Robert Diem kennen, der eigentlich nur kurz in der Gegend sein wollte, um mit einem Freund ein Haus zu sanieren. Eine kurze Zeit verbrachte Hanna Regina Uber an der Nürnberger Kunstakademie. Dann entschloss sich das Ehepaar, sich in der Oberpfalz niederzulassen. Letztendlich wählten sie den alten Pfarrhof von Aschach. Hier wurde der Bronze-Guss weiter ausgebaut - Uber übernahm die künstlerische, Diem die technische Leitung

Atelier unter dem Dach


Im Erdgeschoss sind einige fertige Arbeiten zu sehen, unter dem Dach hat sich Hanna Regina Uber ein Atelier eingerichtet. Das erreicht man über eine alte, bei jedem Schritt knarzende Außentreppe. Drinnen empfängt einen freundliche Helligkeit. Zwischen Arbeitsutensilien und noch nicht vollendeten Arbeiten ist Platz für ein Bett. Eine Badewanne ist in den Boden eingelassen.

"Ich habe auch immer einen Teil meiner Zeit privat in der Werkstatt verbracht. Das Unterbewusstsein arbeitet auch immer mit. In intensiven Arbeitsphasen bin ich komplett hier", erklärt die Künstlerin auf einer Führung durch das Kunstprojekt.

An der Decke der Werkstatt hängt die noch nicht vollendete Statue in Wachs. Die fehlenden Teile werden gerade hinter dem Haus gegossen. Die zunächst düster anmutende figürliche Arbeit wird in Amberg stehen und in etwa vier Wochen den Kunstwanderweg abschließen.

Bewusstwerdung


Das Konzept ihrer Arbeiten konnte die Künstlerin frei entwickeln. "Unsere Aufgabe ist es, mit unserer Kunst das Profil der jeweiligen Stadt zu stärken." In diesem Fall spielt das Exponat auf die Bedeutung Ambergs als Militärstandort an. "Die Platten an der Unterseite der Figur sollen etwas Panzerartiges, Schützendes, Grobes, Derbes darstellen", erklärt Uber.

Der obere Teil der Plastik wirkt hingegen weit offener, luftiger. "Der Kopf soll die Bewusstwerdung des Menschens symbolisieren. Über seine Verantwortung, die Konsequenz seines Verhaltens. Deswegen ist die sie oben noch naturalistisch und unten eher grob strukturiert." Die Arbeiten von Hanna Regina Uber und Robert Diem sind gefragt. Einige renommierte Galerien präsentieren ihre Stücke aus Metall, aber auch aus Holz, Karbon oder Edelstahl. Es läuft gut. Staatliche Aufträge werden ergänzt durch private Verkäufe. Und auch die künstlerische Wertschätzung ist den Arbeiten sicher. Auf dem Weg zurück zur Gussstelle erzählt die Künstlerin sogar noch von einem internationalen Kunstprojekt, für das sie extra in das südkoreanische Daegu eingeladen ist.

Atelier "Kunstprojekt"Seit Anfang der achtziger Jahre arbeiten Hanna Regina Uber (aus Stuttgart) und Robert Diem, geborener Berliner, als Bildhauer. Eine Vielzahl an Skulpturen und Plastiken sind seit dieser Zeit entstanden. Viele davon verwirklichten sie in Bronze, aber auch Holz- und Steinskulpturen fertigten sie an. Das menschliche Sein ist ihr zentrales Thema und bildet bei den meisten Arbeiten den Schwerpunkt. In den letzten Jahren haben sich Uber und Diem außerdem vermehrt der Kunst im öffentlichen Bereich gewidmet. Sie realisierten Brunnen und Großplastiken realisiert.

Gegen Ende der neunziger Jahre erwarben Hanna Regina Uber und Robert Diem den einstigen Pfarrhof in Aschach bei Amberg mit dem Ziel, das Anwesen in ein Forum für Kunst zu verwandeln. Seitdem entstehen hier Kunstwerkstätten, Ausstellungsräume sowie einen Wohnraum. Dort haben Uber und Diem ihr Atelier "Kunstprojekt" (Schmiedberg 13). Informationen unter Telefon 09621/470 375 und www.kunstprojekt-net.de.
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