Kunstverein Amberg: Picasso versus Künstlernachwuchs
Die Lust am Sehen wecken

Der Nürnberger Markus Birner gewährt zum ersten Mal Einblicke in seine Sammlung zeitgenössischer junger Kunst. Zu sehen sind die Werke in den Räumen des Amberger Kunstvereins "A.K.T.". Bild: Hart
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
23.09.2014
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"A.K.T." contra ACC? Dem Künstlerheroen Picasso, dessen geniale Zeichnungen derzeit im Congress-Centrum zu sehen sind, stellt der Amberger Kunstverein Arbeiten vom arrivierten Künstlernachwuchs gegenüber.

"Wir wollen dem Publikum den Reiz bieten, um Zeichnungen näher betrachten zu können!" erläutert der Sammler Markus Birner. Man habe sich bewusst für kleine Formate entschieden und nicht konventionell gehängt. Die bemerkenswerten Arbeiten von Bea Emsbach, Yves Netzhammer, Alexandra Hopf, Tobias Gerber, Andreas Tschinkl, Yoshitomo Nara, Elke Krystufek, Christian Orendt und Katharina Hinsberg stammen aus der umfangreichen Sammlung zeitgenössischer Kunst von Andrea Wittmann und Markus Birner.

Keine Namen, keine Titel

Zum ersten Mal gewähren die beiden mit der Ausstellung "Birner + Wittmann" beim Amberger Kunstverein A.K.T. einen Blick in ihre Sammlung. Die Namen der Künstler beziehungsweise Titel oder Erläuterungen zu den Bildern sucht man vergebens. "Ich finde es relativ unwichtig, welcher Name draufsteht. Es kommt nur auf die Arbeit an!", erklärt Birner. Außerdem liegt zu jedem Künstler ein Katalog aus. Wer die Anstrengung nicht scheut und genügend Zeit mitbringt, kann sicherlich Interessantes und Spannendes entdecken!

Gesammelt haben die Kunstliebhaber nicht nach strategischen Gesichtspunkten, sondern nach der "Lust am Sehen". Gekauft wurden Arbeiten, die begeistert haben. Und begeistern kann so manches der meist kleinformatigen Blätter. Das auffällige Bleistift-Porträt von Elke Krystufek sticht zum Beispiel heraus. Darauf steht zu lesen: "I'm the new Avantgarde - not pretty, but good looking". Gut kommen auch die teils aufregenden, teils lustigen Ausschnitte aus der Serie Australien-Reisetagebuch von Andreas Tschinkl an.

Fest für die Zeichnung

Die Rote-Tinte-Zeichnungen von Bea Emsbach, die mit dichtem Liniengeflecht nackte Körperlichkeit interpretiert, fordert so manche psychologische Deutung heraus. Emsbach sieht Zeichnen als das Ringen um die Bilder aus dem Bodensatz des allgemeinen Unterbewussten und der Mythen, aber auch aus einer bewussten Beschäftigung mit Anthropologie und Psychologie. Viel weiß Kunstsammler Birner über die Künstler und ihre Werke, ihren Lebensweg und ihre Besonderheiten.

Ein Gang mit ihm durch die Schau wird zum Fest für die Zeichnung, für die Vielfalt des Ausdrucks und der Eleganz der Linie! Im "klaren, schlichten Raum", so die Meinung von Markus Birner zur Kunstkombinat-Galerie, herrscht zur Vernissage die Stimmung eines gelungenen Kunstfreundetreffens. Was sie verbindet, ist die Liebe zur subtilsten Kunstform: der Zeichnung. Jeder Strich ist einmalig und verrät in einer spontanen Geste die Emotion des Künstlers.

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Die Ausstellung "Sammlung Birner + Wittmann" ist noch bis 27.September beim Amberger Kunstverein "A.K.T." (Neustift 47, 92224 Amberg) zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag von 15 - 18 Uhr und am Samstag von 14 - 18 Uhr.
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