"Leonce und Lena" wird im Landgericht Amberg aufgeführt
Justitia in der Zuschauerrolle

Dass der Innenhof des barocken Landgerichtsgebäudes ein perfekter Spielort für "Leonce und Lena" ist, finden Rampenfieber-Regisseur Winfried Steinl (Mitte), Kulturreferent Wolfgang Dersch (links) und Thoralf Kotlenga, Beleuchtungsmeister des Stadttheaters. Bild: Huber

Die Industrieruine der Maxhütte, die Kantine des Siemens-Konzerns: Winfried Steinl hat ein Faible für ungewöhnliche Spielorte. Und deshalb inszeniert der Kulturpreisträger der Stadt ein Büchner-Stück an einem Ort, den Justitia beherrscht. Doch bei "Leonce und Lena" ist die Göttin der Gerechtigkeit nur in der Rolle der Zuschauerin.

Winfried Steinl spricht von theaterunüblichen Spielorten, an denen er mit der von ihm geleiteten freien Spielgruppe Rampenfieber gerne auftritt - sei es in der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg oder im Hallenbad, in einem Zirkuszelt oder in der Betriebskantine von Siemens. Jetzt ist der Regisseur erneut in Amberg fündig geworden, für Georg Büchners "Leonce und Lena".

Präsident sofort begeistert

Weil Winfried Steinl den Innenhof der ehemaligen Regierungskanzlei, den heutigen Sitz des Landgerichts, so toll fand, rief er kurzerhand beim Präsidenten Dr. Wolfgang Schmalzbauer an. Dieser sei sofort begeistert gewesen von der Idee, das Areal kulturell zu nutzen. Kulturreferent Wolfgang Dersch stimmt zu: "Das ist wirklich ein Juwel in der Stadt."

Auf der Suche nach dem passenden Stück war Steinl bei Georg Büchner fündig geworden: "Leonce und Lena", wobei auch Texte aus zwei weiteren Werken des Schriftstellers, nämlich aus dem "Hessischen Landboten" und "Woyzeck", einfließen. "Es ist skurril, es ist boshaft", urteilt Steinl über das ausgewählte Lustspiel. "Da kann man aus dem Vollen schöpfen." Ein Prinz soll heiraten. Eine Prinzessin ebenfalls. Nur beide wollen nicht. Sie fliehen - unabhängig voneinander. Wie das Schicksal es will, verlieben sie sich ineinander, ohne zu wissen, dass sie eigentlich füreinander bestimmt wären. Und ausgerechnet der Diener des Prinzen, laut Steinl ein rechter Sauf- und Fresskopf, scheint der einzig Vernünftige - und bringt schließlich die Liebenden zusammen.

Aus der Rechtsgeschichte

Geheiratet wird "in effigie", also in einer Stellvertreter-Funktion. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "als Bildnis". In der Rechtsgeschichte wurde so bei Hinrichtungen verfahren - war der Täter flüchtig, wurde stellvertretend für ihn sein Bildnis verbrannt, an den Galgen gehängt oder geköpft. Winfried Steinl hat somit auch den Landgerichtspräsidenten Dr. Wolfgang Schmalzbauer eingebaut - er darf den Begriff "in effigie" erklären.

Das Publikum darf sich überraschen lassen, wie Rampenfieber und Steinl das Stück umsetzen werden. Der Regisseur will vorab nicht allzu viel verraten - nur eines sei schon mal gesagt: Es wird zwei Leonces geben. Die Zuschauer dürfen also gespannt sein, was die Akteure, darunter auch Spieler, die sich im Jugendtheaterclub des Stadttheaters engagieren, auf die Bühne zaubern werden. Für Wolfgang Dersch steht eines schon fest: "Eine hochwertige Inszenierung ist garantiert." Dass Steinl mit Aufführungen wie "Leonce und Lena" im Landgerichts-Innenhof kleine Perlen im städtischen Kulturprogramm entstehen lässt, freut ihn. Jetzt hoffen alle Beteiligten nur noch auf eines: schönes Wetter.
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