Lesung mit Eckard Henscheid
In der Stammwürze gefischt

Die Lesung "Bier als Dichtung" machen Eckhard Henscheid (links) und sein musikalischer Begleiter Michael Gölling zu einer künstlerisch-süffigen Veranstaltung. Bild: gf
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
10.06.2016
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Eckhard Henscheid ist für sein geschliffenes Wort, seine Schreibraffinesse, seine schlitzohrigen Beobachtungen und originellen Menschentypen aus der Provinz bekannt. Für seinen starken Bier-Auftritt hatte er natürlich vorwiegend eigene Texte zusammengebraut.

Jede Menge Material zum Nachdenken über Bier liefern der Schriftsteller und Amberger Kulturpreisträger Henscheid und der Künstler sowie Mitbegründer der Hersbrucker Bücherwerkstätte, Michael Gölling, bei der Musik-Lesung in der Stadtgalerie Alte Feuerwache. "Bierig" - mit diesem Titel ist die Ausstellung von Peter Engel, Werner Claßen und Ludwig Bäuml überschrieben, die zum 500-jährigen Jubiläum des Reinheitsgebotes zu sehen ist. Hochprozentige Literatur sowie Musik runden am Mittwochabend das Thema ab.

Geteilte Meinungen


Henscheid hat allerdings auch bei berühmten Dichterkollegen in der Stammwürze gefischt. Bei einer heiligen Heilerin war er fündig geworden: Hildegard von Bingen habe schon damals geraten: "Man trinke Bier". Zu Genuss und Wirkung des beliebten Gerstensafts fand er die unterschiedlichsten Aussagen berühmter Männer wie Nietzsche, Benn und Goethe oder sogar bei Bert Brecht. Er memorierte: "Eins, zwei, drei vier, Vater trinkt Bier - vier, drei, zwei, eins, Mutter trinkt keins".

Mit seiner charakteristischen Nuschelstimme liest Henscheid aus eigenen Veröffentlichungen wie "Denkwürdigkeiten", "Vollidioten", "Maria Schnee" und "Geht in Ordnung". Seine durchweg äußerst trinkfesten Roman-Protagonisten rekrutieren sich aus pensionierten Polizisten, Namenlosen, dicken Wirtshausbesuchern oder skurrilen Teppichhändlern. Die einen trinken aus christlicher Solidarität, die anderen, weil sie nur durstig sind. Alle sind sie außergewöhnliche Originale. Auch Gölling entpuppt sich als ein Original, als echter Rohdiamant, der nicht nur sein "Spezialwaldhorn" bearbeitet, sondern dazu auch noch singt und bierernste Sprüche klopft. Seine Spezialität sind Gstanzl, Kirchweihlieder, musikalische Hirtenrufe und Eigengedichte mit medizinischem Hintergrund, dazu gibt es sternhagelvolle Wirtshausvierzeiler und alkoholisch vernebelte Gedankensplitter.

Erstaunliche Klänge


Nicht jedes Dialektwort ist bekannt, was aber der Stimmung keinen Abbruch tut. Schon deshalb nicht, weil er mit soviel Lungenkraft in sein reichlich ramponiertes Tenorhorn bläst und damit ganz erstaunliche Tonformationen erzeugt. Diese Kombination garantiert einen kurzweiligen und hörenswerten Abend im kunstvoll-bierigen AmbienteInformation zur Ausstellung.

ÖffnungszeitenAusstellung: bis Sonntag, 17. Juni, zu sehen.

Ort: Stadtgalerie Alten Feuerwache, Zeughausstraße 18, in Amberg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

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Weitere Informationen:

www.stadtmuseum-amberg.d
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