Limon Dance Company New York begeistert im Stadttheater Amberg
Rasend rotierende Leichtigkeit

Grazie, Virtuosität und perfektes Körpergefühl: Die Limon Dance Company New York überzeugt mit ihrem tänzerischen Können. Bild: Hartl

Es ist der Abend der Limon Dance Company New York, die 1946 von José Limón und Doris Humphrey gegründet wurde und seitdem das stilbildende Repertoire des großen Choreographen ebenso pflegt wie den zeitgenössischen Tanz. In Amberg bieten sie einen hochklassigen Abend.

In den siebzig Jahren ihres Bestehens hat sich das Tanzensemble ein charakteristisches Profil erarbeitet. Es ist geprägt von ausgezeichnet ausgebildeten Tänzern und perfekten Choreografien. In fünf Kapiteln werden Geschichten erzählt voller Gefühl, Leichtigkeit, und Energie. Vom ersten Moment an fesseln die zwölf Tänzer das Publikum mit Solo- und Ensembleauftritten. Mit einem Gespür für Timing, ihrer sichtbaren wie ansteckenden Freude an der Bewegung, faszinierender Körperbeherrschung und Musikalität begeistert die Gruppe. Passende Musik und dezentes Lichtdesign werten die inhaltsreichen, tief empfundenen Tanzballaden auf.

Ekstatisch und exzellent


Die entspannte Leichtigkeit ist natürlich eine Finte. Dahinter steckt knallhartes Training. Aber - es hat sich gelohnt. Denn was die Company in "The Winged" zur lustvoll chaotischen Musik von Jon Magnussen zeigt, ist bis ins Letzte ausgeklügelt. Übrigens choreographierte Limon diese Nummer ursprünglich ohne Musik, die kam erst fast 30 Jahre später dazu und wurde eigens dafür komponiert. Mit rasend rotierenden Armen, flinken Fingern und athletischen Bewegungen taucht man ein in eine Tanz-Sinfonie, die mitreißt. Ekstatisch, exotisch, exzellent lösen sich aus Gruppen Paare. 40 Minuten dauert das Gasamtkunstwerk, das vor Kraft nur so strotzt, das in feinen Pas de deux Nuancen zerfließt und mit machtvollen Gruppenbildern auftrumpft. Die fantasievollen Kostüme entwarf Katherine McDowell Patterson.

Ähnlich angelegt und doch wieder ganz anders die moderne Choreographie-Erzählung von Kate Weare "Night Light". Die Tänzer berichten von persönlichen Träumen und intimen Räumen, von Sehnsucht und Verwirklichung, von zerbrechlichen Beziehungen, von Gewalt und Zärtlichkeit. Sehr präsent, gradlinig modern, kratzig, kreativ und kraftvoll die Bewegungen, Formationen und Schritte, einfallsreich der Musikmix, puristisch die Kostüme von Fritz Masten. Grandios getanzt das Solo "Chaconne" aus Partita Nr. 2 D-Moll von Bach. Vivaldi liefert die wundervolle Musik für das Kabinettstückchen "Concerto grosso" für zwei Ballerinen und einen Tänzer. Verspielt und graziös glänzt die Dreiergruppe mit diesem elegant-brillanten Tanzkapitel.

Animalische Formationen


Diese außergewöhnliche Episode zwischen Rhythmik und Musikalität steht am Beginn des Tanzabends. Aus dem Programmheft erfährt man, dass Krähenvögel die Inspiration dazu gaben. In außergewöhnlichen Schrittkombinationen übersetzen die sechs Solisten die Bewegungssprache der Tiere in animalische Formationen. Sie winden und wenden sich zwischen eigenen Grenzen und den von außen gesetzten. Diese große Tanzperformance kommt an, reißt mit, wird lange bejubelt.
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