Locker, kritisch, laut und ironisch
Ganz spezieller Heimatsound

Beim Sommerfestival traten der Weiherer und die Dobrindts auf - die Entscheidung des Veranstalters, den Abend vom Innenhof in die Stadtbibliothek zu verlegen, war goldrichtig. Denn in der Pause tröpfelte es schon auf die Häupter der Frischluftsucher und Raucher. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
11.08.2016
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Beim Sommerfestival traten der Weiherer und die Dobrindts auf - die Entscheidung des Veranstalters, den Abend vom Innenhof in die Stadtbibliothek zu verlegen, war goldrichtig. Denn in der Pause tröpfelte es schon auf die Häupter der Frischluftsucher und Raucher. Bild: Hartl

Wer kennt hier in der Oberpfalz schon die Postleitzahl von Brunsbüttel? Die Besucher des Sommerfestival-Konzerts mit Weiherer und die Dobrindts wissen die Antwort jetzt aus dem Effeff: 25541.

Von Marielouise Scharf

Diesen Fünfsteller nennt der Weiher, wenn er beim Bezahlen an der Kasse wegen der Statistik immer nach der Postleitzahl gefragt wird. Das ärgert ihn nämlich und deshalb hat er sich das ausgedacht. Und bisher habe sich keine Kassiererin gewundert, warum jemand aus dem Norden der Republik so toll bayerisch spricht. Jetzt prangt diese ominöse Zahl auf Weiherer Merchandise-Artikeln wie T-Shirt oder "Bio-Bruns-Beutel".

14 Jahre auf der Bühne


Ja, der Weiherer, der ist so ein Original, das in keine Schublade passen will: Musikkabarettist, bayerischer Liedermacher oder Revolverschnauze, junger Hans Söllner oder Helene Fischer des Kabaretts? Trifft alles nicht so richtig zu. Auf jeden Fall ist er heuer von der Hanns-Seidel-Stiftung mit dem Nachwuchs-Förderpreis ausgezeichnet worden, was er auch gleich groß, aber auch ein bissl verwundert rausstellt. Immerhin ist er ja schon 14 Jahre auf den Bühnen unterwegs ...

Seit zwei Jahren hat er sich musikalische Unterstützung gesucht und dabei die "Dobrindts" gefunden. Initialerlebnis zur Namensgebung für seine Band sei der "legendäre Satz" des damaligen CSU-Generalsekretärs und heutigen Bundesverkehrsministers beim Parteitag 2010 gewesen: "Wer gestern gegen die Atomkraft demonstriert hat und heute gegen Stuttgart 21, der braucht sich nicht wundern, wenn morgen in seinem Garten ein Minarett steht."

Auf den Gebetsturm wartet er noch, aber die Topmusiker hat er schon mal. Das sind: Frank Porzky (E-Bass, Mandoline), Max Breu (Schlagzeug) und Andreas Dombert (E-Gitarre), der die Weiherer-Songs auch neu arrangiert hat. Mit E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug sind die Stücke frisch aufgemotzt und mal mit fetzigen Soli oder mit rockig-karibischem Rhythmusgefühl unterfüttert. Immer anders, immer peppig, immer hell wach machen sie Musik, hochamüsiert verfolgen sie, was der Weiherer so alles von sich gibt.

Rein optisch macht der ja schon deutlich was her mit seinen gut halbmeter langen Haaren. Die trägt er mit Mittelscheitel und lässt sie locker über die Schultern und den legeren Hoodie fallen. In der Hand hält er meist die Gitarre, aber auch mal eine Melodika oder Mundharmonika. "Seids ihr bereit für den Weiherer?" fragt er und legt nach: "Gibt's Fragen?" Aus dem Publikum kommt nichts. Das sitzt dicht an dicht drinnen in der Stadtbibliothek. Die Wetterprognosen waren einfach zu schlecht, die Entscheidung war richtig. Lachend erzählt der Weiherer Geschichten von sich und seinen Ideen. Er berichtet von seinen Vorlieben für dickbelegten Erdbeerkuchen und seiner Abneigung gegen Smoothies. "Die sind zum Essen zu dünn und zu dick zum Saufen!"

Nachdenklich und kritisch


Und er macht jede Menge Reklame für sich und seine "Best of"-CD mit Liedern im speziellen Heimatsound. Ganz schön nachdenklich wird er, wenn er singt und sinniert über "Des bissal Leb'n" oder "Is des nu mei Hoamat". Kritisch wird's, wenn er gegen Medien-Mache und virtuelle Scheinwelt angeht oder Kapitalismus und Nazi-Verherrlichung anprangert. Er kann leicht und locker, kritisch, laut und ironisch, und er kann ganz leise, wenn er sich verabschiedet.
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