Matinée im Amberger Congress Centrum über das Leben von Beuys
Hut mit Blick für die Kunst

Schauspieler Roland Eugen Beiküfner brachte bei der Matinée im ACC das Leben von Beuys auf die Bühne - und das auf ganz besondere Art. Er unterhielt sich mit seinem Hut. Bild: Hartl

Die spannendsten Geschichten erzählt das Leben selbst. Im Fall des deutschen Aktionskünstlers, Monumentalbildhauers, Zeichners, Pädagogen und Politikers Joseph Heinrich Beuys darf es auch mal der Hut sein. Dieser steht bei einer Matinée im Mittelpunkt.

Schließlich war der Hut Beuys' Markenzeichen, saß (fast) immer auf dem Haupt des Meisters und war außerdem "Schutz seines empfindlichen Kopfes", so zu hören von Roland Eugen Beiküfner, Schauspieler aus Nürnberg und einziger Protagonist der Matinée anlässlich der Beuys-Ausstellung im Amberger Congress Centrum. Es sind nicht alle Plätze besetzt - dafür aber wartet das Stück "Der Hut von Joseph Beuys" aus der Feder von Friederike Pöhlmann-Grießinger von Kunst und Drama aus Nürnberg mit 75 Minuten spannenden Lebenskapiteln und unterschiedlichsten Kunststationen auf.

Reise in die Vergangenheit


Zwischen Büchern, Aktendeckeln und Tafeln, vor einer Projektionswand, einem Garderobenständer und einem Stuhl entwickelt sich ein Gespräch zwischen dem pensionierten Geschichtslehrer Ebenhart und Beuys' Kopfbedeckung. Der Filzhut und der Ex-Pauker machen sich zusammen auf die Reise in die Vergangenheit. Aus der jeweiligen Perspektive erzählen sie vom Leben und von der Zeit des Künstlers und erinnern an Aktionen, Kuriositäten, Kunstausstellungen, Skandale, Schlagzeilen und politische Agitationen, an provokante Werke, Programme und Publikationen der Zeitgeschichte.

Klar, dass der Hut mit Hintergrundwissen punkten kann. So verrät er auch den Grund, warum Beuys einst forderte, dass die Berliner Mauer fünf Zentimeter erhöht werden sollte. Er sagt: "Ganz klar! Weil die Proportionen nicht stimmten. Ein Künstler hat das im Blick."

Außerdem liebte der Meister die Tiere, besonders Hirsch und Hase. So prangte auch ein Hase als Kühlerfigur auf seinem Bentley. Und ein liegender Hirsch, ein schmaler, langer Holzschnitt der Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten, war die künstlerische Ersterwerbung. Sie spielten eine große Rolle im Leben des Joseph Beuys. Auf ihrem Hof erholte sich der Künstler von einer Depression, einer zerbrochenen Verlobung und vom anhaltenden Misserfolg. Sie organisierten in ihrer Scheune auch die ersten Ausstellungen.

Bedeutender Aktionskünstler


Ausdrucksstark in Wort und bildnerischem Oeuvre purzeln zwischen Fettstuhl und Capri-Batterie, zwischen "Zeige deine Wunde-Installation" und das Dokumenta-Projekt "7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" auch Schlagworte wie "Der Tod hält mich wach" oder "Die Ursache liegt in der Zukunft".

Beuys gilt weltweit als einer der bedeutendsten Aktionskünstler des 20. Jahrhunderts und war ein "idealtypischer Gegenspieler" zu Andy Warhol. Und doch mag man sich den Worten einiger seiner Schüler anschließen: "Ich habe durch Beuys viel erfahren, aber längst nicht alles verstanden."
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