Max-Reger-Konzert im Max-Reger-Gymnasium in Amberg
„Horrorgeräusche“ zum Blühen gebracht

Jelena Lichtmann interpretiert die Reger-Stücke am Klavier auf souveräne Weise beim Konzert im Max-Reger-Gymnasium zum 100. Todestag seines Namensgebers. Bild: Steinbacher

Uns ist nicht viel Zeit gegeben, und ich will mein Werk fertig haben", dieser von Max Reger überlieferte Ausspruch erklärt seine Art zu Komponieren. Reger hielt sich nicht damit auf, seine Kompositionen zu überarbeiten, diese Zeit nutzte er lieber für ein neues Werk.

Viele interessante Informationen über das Leben dieses deutschen Komponisten erfahren die Besucher im Amberger Max-Reger-Gymnasium beim Jubiläumskonzert anlässlich seines 100. Todestages. Ein Glücksfall ist es, dass das musische Gymnasium Lehrkräfte hat, die nicht nur als Pädagogen, sondern auch als Solisten Hervorragendes leisten. Für die Moderatorin konnten die Verantwortlichen eine ehemalige Schülerin gewinnen, die jetzt am Max-Reger-Institut Karlsruhe Regers Schaffen wissenschaftlich erforscht.

Kämpfe und Anfeindungen


Stefanie Steiner-Grage schildert das Leben des Komponisten auf anschauliche Art. Dazu gehören seine Entschlossenheit, Komponist zu werden, Kämpfe und Anfeindungen, die ständige Auseinandersetzung mit den "rückwärts gerichteten" Kritikern, die seine Musik teilweise als "Horrorgeräusche" abwerteten. Aber auch seine Unruhe, die Stationen in München, Leipzig, Meiningen, Jena und letztlich die großen Erfolge mit seinen "Liedern im Volkston-schlichte Weisen" bis hin zu seinem plötzlichen Tod in Leipzig gehören dazu.

Ihre Ausführungen stellt sie in Zusammenhang mit der Musik des Abends. Hier präsentierten die Lehrkräfte des Gymnasiums (fast) die gesamte Bandbreite seiner Werke. "Dieses Programm wäre ganz im Sinne Regers gewesen", betont die Moderatorin. "Er wollte unterschiedliche Programme, damit keine Langeweile aufkommen könne".

Die kommt in den zwei Stunden Musik nicht auf. Susanna Müssig-Wilczek eröffnet mit der "Introduktion und Passacaglia" für Orgel. Klanggewalt, harmonische Vielfalt und technische Anforderungen kommen in ihrem Spiel deutlich zur Geltung. Ein Walzer, vom ihm als "Schund" bezeichnet, erklingt unter den Händen von Jelena Lichtmann in souveräner Weise.

"Gelegenheitsstück"


Die Romanze für Bratsche und Klavier, von Reger als "Gelegenheitsstück schlimmster Sorte" eingestuft, entpuppt sich in der Präsentation von Maria-Anna Feldmeier-Zeidler und Wolfgang Herrneder als melodiös-wunderschönes Werk. Thomas Prechtl (Klarinette) und Jelena Lichtmann bringen unterschiedliche Klangfarben bei Albumblatt und Tarantella effektvoll zum Klingen. Mit sensiblem Anschlag und variabler Gestaltung "erblüht" unter Lichtmann das "Moment musical op. 44", von Reger "zum Unterrichtsgebrauch" für Klavier geschrieben.

Einen bewegenden Eindruck über die Schönheit der Choralvorspiele vermittelt Bernhard Müllers. Diese Vorspiele atmen den Geist Bachs, aber in der für Reger so typischen harmonischen Vielfalt. Müllers lässt die Orgel bei "Christus, der ist mein Leben" in schlichter Weise singen und bringt "Nun danket alle Gott" in aller Virtuosität, mit unglaublichen Pedal-Passagen und nunancenreichem Spiel begeisternd zum Klingen. Für seine "komplizierten" Kompositionen war Reger in München wiederholt "verrissen" worden. Er revanchierte sich durch eine Sonate, in der er die Tonfolgen S-C-H-A-F und A-F-F-E nachhaltig verwendete und dabei auf einen der anwesenden Kritiker deutete.

Aber er komponierte auch eine "bewusst einfach und melodisch" gehaltene Serenade für Flöte, Geige und Bratsche, die von Iwona Simonides, Richard Hubert und Maria-Anna Feldmeier-Zeidler einfach schön präsentiert wurde. Regers "empfindsame Seele" findet ihren Ausdruck in den "Schlichten Weisen", die er sowohl als Lieder wie auch als Instrumentalstücke niederschrieb. Im "Jubiläumskonzert" wurden sie wechselnd gegenübergestellt. Manuela Spitzkopf versteht es, mit hellem, leicht geführten Sopran die Emotionen der Lieder zu erfassen, mit Müllers als empfindsamen Partner.

Großartige Würdigung


Der Abschluss des Jubiläumskonzert ist die große Toccata und Fuge für Orgel, 1904 komponiert. Ein fast irres Pedalsolo zu Beginn führt zu einer ekstatischen klanglichen Entwicklung, die große Virtuosität an den Manualen fordert und in gewaltigem Klang endet. Die Fuge, angelehnt an Bachsche Vorbilder, im Pedal und auf den Manualen mit höchste Schwierigkeiten gespickt, entwickelt sich in klanglicher Verdichtung zu einem überwältigenden Dur-Abschluss. Wie Müllers dieses tolle Orgelwerk präsentiert, ist große Kunst. Diese "Reger-Hommage" war eine großartige Würdigung des Oberpfälzer Komponisten.
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