Mindjuice hören nach 18 Jahren auf
Abschied auf die harte Tour

Kultur
Amberg in der Oberpfalz
16.05.2016
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Winni Wonder, bürgerlich Winfried Rudrof, wie er schwitzt und lebt. Der Mindjuice-Frontmann gab zum Abschied noch mal alles.

Ausgefeilter Chorgesang, einschmeichelnde Melodien und lockere Rhythmen zum Mitswingen - Fehlanzeige! Bei Mindjuice geht es hart zu Sache.

Aber etwas anderes hatten die Fans der Band zum Abschied auch nicht erwartet. Ja, tatsächlich hieß es Abschied nehmen im Vis-à-vis. Nach 18 Jahren und mehr als 300 Konzerten beenden die Jungs um Frontman Winni Wonder ihre Karriere als aktive Krachmacher. Familiäre und berufliche Gründe haben die Mitglieder von Mindjuice in andere Städte geführt, so dass eine kontinuierliche Probenaktivitäten nicht mehr möglich waren - und damit natürlich auch keine Konzerte mehr.

Dafür griffen sie beim letzten gemeinsamen Auftritt noch einmal so richtig in die Saiten. Knochentrockene Salven vom Schlagzeug, ein wummernder Bass, der seinen Weg direkt ins Sonnengeflecht der überwiegend männlichen Zuhörer fand, dabei das Zwerchfell erschütterte und damit den körpereigenen Resonanzraum nutzte, um auch wirklich jedem klar zu machen: Hier sind keine Chorknaben am Werk, sondern gestandene Hard- und Heavy-Rocker.

Es ist Tatsache, dass bei Mindjuice-Auftritten der Abstand zwischen Band und Publikum auf ein Minimum schmilzt, manchmal gar zu einer alle befriedigenden Symbiose führt, wie an diesem letzten Abend mit der Band, die in der langen Geschichte nur einmal - so ziemlich zur Halbzeit - eine Umbesetzung erlebte und in Amberg und Umgebung eine feste Größe im Musikleben war.

"Ich seh' die Band zum ersten Mal", beklagt sich ein junger Landkreisbewohner, "und dann hören die auch schon wieder auf!" Dem Manne kann geholfen werden. Denn Mindjuice haben es geschafft - Insider und Hardcore-Fans wissen es zu würdigen - pünktlich zum großen Abschiednehmen einen neuen Tonträger zu präsentieren.

Auf diesem finalen Opus sind noch einmal die Qualitäten versammelt, die ihre Freunde zu schätzen wissen. Kraftvoller hämmernder Rock in seiner ganzen Vielfalt, denn Winni Rudrof, Bassist Roland Hindl, Gitarrist Simon Thomas, Manuel Bibl am Schlagzeug und Wolfgang Aschenbrenner an den Keyboards gehören zu den Musikern, die dem Genre mehr Facetten abgewinnen können, als gemeinhin erwartet. Die Einflüsse, die in 18 Jahren Bandgeschichte begierig aufgesaugt, verdaut und neu gemischt wieder auf die Gehörgänge des Publikums losgelassen werden, lesen sich wie ein "Who is who" der Rock- und Alternative-Szene. Und trotzdem wird aus alldem etwas ganz Besonderes, etwas Eigenes, das dafür sorgte, dass die Fans der Band so lange treu blieben.

Ob es vielleicht in naher oder fernerer Zukunft nicht doch zu einem kleinen Revival - etwa zum 20-jährigen Bestehen - kommen wird, liegt nicht im Bereich des Unmöglichen. Schließlich gehen die Rolling Stones - mit Urgroßvater Mick Jagger an der Front - seit fast 40 Jahren regelmäßig auf Abschiedstournee.

Wiedervereinigung: "Leider nö!"Aus. Schluss. Ende. Vorbei. Die Band Mindjuice hört auf. Grund für Frontmann Winni Wonder zurückzublicken: "Wir schreiben seit 18 Jahren nur eigene Songs. Zu besonderen Anlässen, wie beispielsweise unserem zehnjährigen Jubiläum - haben wir auch Songs von Künstlern, die wir gut finden, interpretiert. Das heißt, den Grundgedanken des Songs in unseren Sound implementiert und einen neuen Song daraus gemacht."

"Einmalig. Unbeschreiblich.", lautet Winni "Wonder" Rudrofs Antwort auf die Frage nach dem Erlebnis, in fremden Städten und vor unbekannten Zuhörern zu spielen? "Natürlich war es auch immer schön, daheim in Bayern zu spielen, wo wir die meisten Fans haben, aber unsere eigene Musik einem fremden Publikum in einer fremden Stadt zu präsentieren und die darauf folgende Reaktion war immer wieder spannend." Er sei auch immer schön gewesen, vor den einheimischen Fans zu musizieren. Rudrof: "Der Vorteil dabei sind die bekannten Gesichter, bei denen man weiß, dass sie einen kennen und wissen, welche Menschen hinter der Musik stehen."

Dass es in ein paar Jahren eine Reunion geben wird, schließt Winni Rudrof in unnachahmlicher Eindeutigkeit aus: "Leider nö. Aber die Zukunft ist ja, wie wir wissen, nicht in Stein gemeißelt."
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