Minetti-Quartett im Stadttheater
Milde Musik in Moll

Das Minetti-Quartett (Bild) und der Klarinettist Thorsten Johanns präsentierten in Amberg ausgewählte Werke von Haydn, Kurtág und Brahms. Die vier Musiker sind inzwischen gern gesehene Gäste bei renommierten Festivals. Bild: Hartl

Die vier Wiener Streicher des Minetti-Quartetts und ihr Rohrblatt-Kollege Thorsten Johanns präsentieren in der städtischen Konzertreihe im Stadttheater ein klug kompiliertes Programm mit Haydn, Kurtág und Brahms - und begeistern das Publikum.

Passend zur Jahreszeit dürfen Moll-Tonarten dominieren, wohl deshalb fällt die Entscheidung gegen die Dur-Quintette von Mozart oder Reger und für das kunstvoll konzipierte h-Moll-Quintett op. 115 von Johannes Brahms. Dessen Konzept ist dem Kreislauf der Natur abgeschaut: Same - Pflanze - Blüte - Frucht - Same. In den vier Eingangstakten legt Brahms den motivisch-thematischen Samen vor, er wird das gesamte Opus prägen und enden. Virtuos, wie Brahms mit traditionellen Formen spielt und sie kreativ weiterentwickelt.

Klangrede aus einem Guss


Gekonnt die Integration der hochkultivierten Streicher mit der vorzüglich geblasenen Klarinette, sie erscheint als Klangschattierung, als Farbe, als schier improvisatorisch losgelöste Solostimme über allen Wolken. Die Streicher (Maria Ehmer, Anna Knopp, Milan Milojicic, Leonhard Roczek) hat eine 13-jährige Zusammenarbeit geeint, ihre Klangrede ist aus einem Guss.

Ungeachtet der nicht so angenehm zu händigenden Tonarten ist ihre Intonation frei von Schlieren. Ungeachtet der vertrackten Brahms-Rhythmik (2 gegen 3, Synkopierungen, Überbindungen) klappert nichts. Wir hören einen gescheiten, gelehrten, souveränen Brahms, musikalische Glut und Leidenschaft getaucht in altersmildes Herbstlicht.

Haydns f-Moll-Quartett op. 20/5 und György Kurtags "Officium breve" op. 28 (eine numerische Reverenz vor Weberns Quartett op. 28) haben trotz ihrer stilistischen Ferne Berührungspunkte: Haydn legt mit dem Schlusssatz eine der ganz großen Fugen der Quartettliteratur vor, "Laus Deo" (Lob sei Gott), schreibt er unter deren Ende: Kaum eine Finesse ist da ausgelassen, vom beibehaltenen Kontrapunkt bis zur kanonischen Führung des Themas.

Auch in den aphoristischen 15 Stücken Kurtags begegnen wir dem Kanon immer wieder. Haydns Quartette liegen seit einigen Jahren mit der Autorität einer Urtextausgabe von Doblinger (Wien) vor. Um so erstaunlicher, dass das Minetti-Quartett Wien manchmal etwas beliebig mit den dynamischen und artikulatorischen Vorgaben Haydns umgeht: Kontraste sind nivelliert, Lautes ist leise, Leises ist laut.

Besonderes Lob


Zum Vorteil gereicht dies der Aussage des Werks nicht immer, oft kommt da noble Blässe statt Wärme, Arglosigkeit statt Betroffenheit über die Rampe, die verminderte Sept des Fugenthemas wirkt beiläufig statt suggestiv. Kurtág ist wie Webern ein Meister der minimalistischen Formulierung. Wie unter stroboskopischen Blitzen lässt er uns im "Officium breve" Blicke in sein bewegtes Seelenleben werfen. Da heißt es schnell hören und denken, um diese faszinierenden Klangwelten zu erfassen. Ein Lob der Kunst der Kürze!
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