Mit dem Schlappophon aufs Blech gehauen

Heinz Grobmeier (rechts) entlockt den unterschiedlich langen Kunststoffrohren mit Badeschlappen eine erstaunliche Ton-Vielfalt. Fredy Granzer begleitet ihn dazu gekonnt auf seinem Akkordeon. Bild: Hegen

Ungewöhnliche Klänge, gespielt auf ungewöhnlichen Instrumenten hallen durch das Amberger Luftmuseum: Französische Musette-Musik reiht sich an balkaneske Polkas, jazzige Balladen treffen auf spritzige Zirkusmusik.

Zu einem Kulturgenuss der besonderen Art hatte Wilhelm Koch wieder einmal in sein Luftmuseum eingeladen: "Eigentlich sind hier trotz guter Werbung nur wenige Besucher, aber das Konzert bleibt das gleiche." Was die Musiker im schwarzen und weißen Frack nicht davon abhält, loszulegen. Fredy Granzer aus Etterzhausen lässt sein Akkordeon auf wunderbare Weise atmen und Heinz Grobmeier aus Hemau bläst zwar vorwiegend in sein Sopransaxophon und Klarinette, hat aber auch noch ganz andere Klangerzeuger im Gepäck.

Intensive Vertrautheit

Worte haben sie dabei keine verloren, aber das ist auch nicht nötig. Nach 25 Jahren gemeinsamer Arbeit liegt eine so intensive Vertrautheit vor, dass knappe Blicke ausreichen, um sich perfekt aufeinander abzustimmen. Ob sie die Melodien nun unisono spielen oder das Akkordeon als Rhythmus-Begleiter für das Soloinstrument fungiert - stets spürt man das Herzblut der beiden im Klang. Von französischer Musette über Zigeuner-Musik bis hin zu einem südamerikanischen Stück - die Lieder lassen Bilder von fernen Orten im Kopf erscheinen.

So sitzt mancher mit geschlossenen Augen und geht mit auf die Reise. Plötzlich befindet man sich mitten im Urwald, den Heinz Grobmeier akustisch mit außergewöhnlichen Instrumenten entstehen lässt. Mit Badeschlappen bearbeitet er sein selbstgebautes Schlappophon und holt aus den unterschiedlich langen Kunststoffrohren schwebende Töne, die den schönen Raum im Luftmuseum mehrstimmig füllen.

Oder er hält seine Double-Ocarina wie ein dunkles Herz in seinen großen Händen, um ihr dann einhauchend Melodien zu entlocken, die an schottische oder irische grüne Landschaften erinnern. Als Kontrast dazu lässt er mit seinem Wuwu, einem Autoblech waagrecht auf ein Stativ geschraubt, die Luft wie bei einem Gewitter donnern und erzittern.

Zwei Zugaben

Es ist ein kleines, aber feines Konzert und die Zuhörer bekommen zur Belohnung für ihren ausdauernden Applaus gesagt: "Wir spielen nicht eine Zugabe. Sondern zwei - eine Polka und einen zum-nach-Hause-schunkeln-Walzer."
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